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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-03-29 · Heft 13 (29.3.1846) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 13 (29.3.1846)
Date
1846-03-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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lOO die Bcfugriiß. Zwar sei dies, meint der Vers., ein „Argumentum ad hominem, das die Wahrheit unserer Ansicht noch nicht beglaubigen kann — die Beglaubigung muß in ihr selbst, in ihrer Vernünftigkeit, in ihrer Uebereinstimmung mit dem Leben und dem jüdischen Geschichtsboden liegen — aber ein solches, das der Behauptung der Stabilitätsmänner gegenüber menschlich gar schwer ins Gewicht fällt, historisch seinen Werth behält" Wie ein Argument, welches die Wahrheit einer Ansicht zu beglaubigen nicht im Stande ist, doch auf der Wagschale des UrtKeils schwer ins Gewicht fallen kann, begreife wer da will, wir vermögen es nicht, wir, um mit Einhorn zu reden, besitzen nicht so viel Philosophie, um den gesunden Menschenverstand verloren zu haben, dieser sagt uns, daß ein Argument, welches eine Ansicht nicht beglaubigen kann, ihrem Gegner gegenüber, dem sie sich aufdrängen will, gar nicht ins Gewicht fällt. Wie aber gar das fragliche Argument der Behauptung der Stabilitätsmänner gegenüber seinen historischen Werth behalten kann, ist uns noch rätbselhafter. Diese Männer lassen ja weder unsere Ansicht, daß der Talmud unbewußt dem Princip der historischen Fortbildung huldige, noch eine über den Talmud hinausgehende Entwicklung, weder die Vernünftigkeit einer solchen, noch ihre Uebereinstimmung mit dem jüd. Geschichtsboden gelten; diese Männer erblicken und verehren ja in der talmudischen Interpretation das unveränderte ursprüngliche göttliche Bibclwort, wie es dem Mose durch Gott selbst offenbart worden, und wer dies bezweifelt oder gar leugnet, gilt ihnen als ein Offcnbarungsleugncr rn bymt mm «im nen-psa nsian pi rpT32 (Maimonid. h. teschubah 3, 8.) Wie kann also diesen gegenüber das in Rede stehende Argument von einigem Gewicht sein, oder gar einen „historischen Werth" haben, wenn diese an allen von uns „historisch" genannten Forrbildungsclementen im Talmud eben das „historische Moment", das auf dem Grund und Boden des Judenthums geschichtlich Gewordene, weglcugnen und dieselben als mit der sinaischen Offenbarung uraufänglich auf dem Wege des „Wunders", also nicht der geschichtlichen Entwicklung ins Leben getreten, glauben? Oder sollte dieses Argument den Stabilitätsmännern gegenüber unfern Standpunkt, wenn auw nicht für sie, doch für uns, legitimircn, daß wir ihnen zurufen: wir entfernen uns nicht vom Judenthum, wir erblicken im Talmud das Ergebniß historischer Entwicklungen, die wir fortsetzen? Wir gestehen ja nach unserem Verf. selber ein, daß wir die Beglaubigung unserer Ansicht nicht in dem Beispiel der talmudischen bewußtlosen Reform erblicken, sondern indem wir mit vollem Bewußtsein reformiren, die Beglaubigung unserer Ansicht in ihrer Vernünftigkeit, in ihrer Uebereinstimmung mit dem Leben und dem jüdischen Geschichtsboden suchen müssen. Wir gestehen ja selbst ein, daß wenn das Beispiel der talmudischen Reform nicht vorhanden wäre, wenn die Bibel noch unverarbeitet uns Vorlage, wir uns nichtsdestoweniger und vielleicht noch eher 'zur Reform nothgedrungen fühlten und die Berechtigung hierzu in ihrer Vernünftigkeit, in ihrer Uebereinstimmung mit dem jüd. Geschichtsboden (der freilich nicht darin zu suchen wäre, was wirklich geschehen, sondern in dem, was wirklich geschehen wäre, wenn das Religionsbewußtsein sich geschichtlich fortgebildet hätte) gefunden haben würden. Wen wollen wir also mit der Berufung auf das Beispiel des Talmuds, der uns die Geschichte repräsentiren soll, täuschen, da wir, wo es sich um die Beglaubigung unserer Reform-Ansicht und mithin um die Berechligung unserer Reform-Tbat handelt, nicht an die Geschichte, sondern an ganz andere, höhere Instanzen appellircn, an die Vernünftigkeit, an die Uebcrcinstimmung mit dem Leben, und zwar nicht mir der Geschichte, d. h. dem wirklich Geschehenen, sondern mit dem „Geschichtsboden", d. h dem, was dem Boden der Geschichte naturgemäß entwachsen kann? Die Männer der starren Stabilität können wir nicht täuschen, da für diese das Wort „Geschichte" und geschichtliche Fortbildung ein leerer Namensklang ohne Inhalt und Bedeutung ist. Wir lassen uns nicht täuschen, indem wir wissen, daß Alles, was die Geschichte auf dem Gebiet der Religion gethan, seinen Urgrund und Boden in dem Religionsbewußtscin der Zeitgenossen habe, daß Alles ein Product sei, welches diesem entwachsen ist, dieses aber in einem innern Zusammenhänge mir dem allgemeinen Bewußtsein, mit den Erkenntniß- und Bildungsstufen, auf welche die allgemeine geschichtliche Fortbildung des Zeitalters dieses gehoben hat, stehe. Das religiöse Bewußttein ist von dem allgemeinen Bewußtsein nicht zu trennen, cs ist nicht einmal ein T h e i l desselben, sondern ganz dasselbe, welches in diesem Augenblick nur das ideale Gebiet der Religion zum Inhalt und Gegenstand

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