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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-03-22 · Heft 12 (22.3.1846) · page 11

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 12 (22.3.1846)
Date
1846-03-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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50 für Israel müssen sie doch endlich einmal ihren Zweck erfüllen, dieses müssen sie doch endlich zu der hohen Stufe geistiger Erkenntnis emporheben können, auf welcher es sein geistiges, übersinnliches Verhältniß zu Gott ohne das Medium des Sinnlichen zu fassen und an sich zu bringen im Stande ist. Und doch sollte Israel nach Jahrtausenden und unermeßlichen Leonen aus der Schule seiner Kindheit nicht entlassen, nie Ln aller Ewigkeit emancipirt und der Bevormundung eines symbolischen sinnlich-äußerlichen Cultus frei und ledig erklärt werden! Wie mag nur eine solche Ansicht von der nie zu erlangenden Reife, welche doch der Zweck und das Ende aller Erziehung ist, mit dem göttlich-weisen Erziehungsplan Israels in Uebereinstimmung gebracht werden können; Wenn ich mein ganzes Leben hindurch tagtäglich, stündlich mein übersinnliches Verhältniß zu Gott mir durch symbolische Handlungen vergegenwärtige, mir dasselbe mittelst aller möglichen sinnlichen Anschauungen tief ins Bewußtsein einpräge, soll ich nicht endlich dahin gelangen können, mir es ohne die sinnliche Vergegenwärtigung und Darstellung mittelst meines geistigen Denkens und Fuhlens nahbringen zu könnend Und was von dem Einzelnen, gilt auch von einem ganzen Volk, und man muß, wenn man dieses leugnet, aus der richtigem Anschauung, nach welchen, die äußern Thätigkeiten nur symbolische Bedeutung haben, hinwiederum in die grobsinnliche Anschauung zurückfinken und behaupten, daß Gott an dem äußerlichen Thun an und für sich Wohlgefallen findend, das Ceremonialgesetz auch nachdem es zwecklos und überflüssig geworden und der Mensch endlich dahin gelangt sein wird) das Uebersinnliche und Geistige ohne sinnliche Veranschaulichung. unmittelbar eben so gut und noch besser zu fassen und sich darin zu versenken, dennoch guaml meine fordere, welchem Befehl de? Mensch ohne ihn zu begreifen sich blindlings zu unterwerfen hat. Wir sehen daher die talmudifch-orthodore Ansicht, welche eine Symbolik des mos. Gesetzes anerkennt, dadurch, daß sie diese Symbolik für ewig und absolut nothwendig erklärt, sich selber untreu werden und inconsequent gegen sich selbst, in die von ihr verworfenen Ansicht zurückfallen, welche die symbolische Bedeutung von vorn herein leugnet. ** Daß die Propheten eine bis ins Unendliche gehende Verbesserung und Vervollkommnung des moralischen Zustandes der Menschheit in der messianischen Zeit so bestimmt und zuversichtlich weissagten, welches die orthodoxe Ansicht bei all ihrem Glauben an eine Restitution der Theokratie nicht abweisen kann, legt die Inkonsequenz dieser Ansicht vollends augenscheinlich an den Tag. Denn wird, wie Iesaia prophezeihet, nichts Böses und Verderbliches auf dem heiligen Berge verübt werden, und wird die Erde voll sein der Erkenntniß, wie die Wasser das Meer bedecken, so muß die Menschheit nothwendig ihre heilige Aufgabe zur Nebung von Tugend und Gerechtigkeit erkannt, muß es ihr auf dieser Er, kenntnißstufe möglich sein, ihr geistiges, übersinnliches Verhältniß zu Gott ohne alle Symbolik zu fassen und;u fühlen und foinir muß diese Symbolik, da sie ihren Zweck nicht in sich selber hat. überflüssig sein. In eine fernere Inconsequen; verfällt diese Ansicht hinsichtlich ihres Urtheils über das geistige Schicksal der übrigen Menschheit. Die höhere rationale Ansicht der meisten jüdischen Theologen der Gegenwart versteht es, den Plan der Vorsehung, wie er in der mehrtausendjährigen Geschichte Israels sich offenbart, sich;u deuten und zu begreifen. Nachdem die Menschheit vor Abraham aus einem Irrthum in den andern gefallen war, ersah Gott in Abraham und dessen spätern Nachkommen, in Israel, ein Werkzeug der Erleuchtung und der religiösen Gesittung und machte eo zum Trä, ger der göttlichen Offenbarung für die ganze Menschheit.^) Der *) Selbst der eifrigste Verfechter der starren Orthodorie und der absoluten Stabilität des ganzen Ceremonialgesetzes, Hr. Raphael Hirsch, kann nicht umhin, diesen Satz, daß Israel Träger des'GottesgesetzeR für die Menschheit sei, woran eie Orthodoxie am Ende zu Gründe gehen muß, in seinen neunzehn Briefen über Iüventhum anzuerkennen. Es dürfte nicht uninteressant und auch nicht unzeitgemäß sein, bas System dieses Mannes und die Consequenzcn desselben, heute, wo die Wissenschaft ein freimüthiges Wert nicht mehr , wie zur Zeit als dieses System das Tageslicht erblickte, ängstlich scheuet, hier in aller Kürze zu beleuchten. Den Inhalt deS Iudenthums, oder wie ver Berf. es lieber nennt, der verpflichtenden Thauroh, stellt er in obbenannter Schrift S. 52 folgendermaßen dar. 1) rimn.* pje geschichtlich offenbarten Ideen über Gott» Welt, Mensch- und Ilssrovilthum mit ihren Folgen, nicht als Glaubens- oder Wissenssätze, sondern als anzuerkennenve und mit Geist und Herz aufzunehmende Principien des Lebens.— 2) D’üStPD: Aussprüche der Gerechtigkeit gegen Menschen. — 3) D’plil: Aussprüche der Gerechtigkeit gegen die ganze Natur. — 4) Gebote der Siebe gegen alle Wesen rc. — 5) nnj? Denkmale für Mensch- und Iissroüilthum begründete Wahrheiten durch Darstellung in Wort- und Thatsymbol für den Einzelnen, für Iiffroöil und über Iiffrovil hinaus. — 6) may: Erhebung und Weihe des inner» Lebens für die Berufserfüllung im äußern Leben durch Urtheilsläuterung in Symbolhandlung und Wort." Wie ver Berf. in den dieser Darstellung vorausgefchickten einleitenden Worten den Gesammtinhalt des Iudenthums noch enger zusammenziehend, mit den wenigen Worten ihn wiedergiebt: Offenbarung, wie wir mit allem uns Gegebenen gegen alles uns Umgebende Gottes Willen erfüllen, oder: Gerechtigkeit und Liebe üben sollen mit Allem gegen Alles, zu welchem noch der Begriff Iissroöil hinzukommt, „das nicht nur dies Alles im Leben verwirklichen, sondern auch die Ivee desselben bewahren unv aussprechen soll sich unv Andern zur Erziehung:" so begleitet er obige

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