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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-03-22 · Heft 12 (22.3.1846) · page 12

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 12 (22.3.1846)
Date
1846-03-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Zweck der Auserwählung Israels war nicht ausschließlich das Heil diese-Bottes, sondern das der ganzen Menschheit, über welche sich Zusammenstellung mit folgenden Worten: „Also Grundbegriffe, Gerechtigkeit und Liebe und Erziehung dazu." DerSchwrrpunkt des IudenthumS, dessen nämlich, was das Judenthum charakterifirt und es von andern Religionen, die gleichfalls Gerechtigkeit und Liebe als Grundbegriffe haben, fpecifisch unterscheidet, wird nach unserem Vers, in dem dritten Element, in dem Wesen und der Beschaffenheit der Erziehung liegen müssen, und zwar erstens darin, daß das Iudenthum außer der Verpflichtung, Gerechtigkeit und Liebe selbst zu üben, auch den Beruf, Andern dazu zu erziehen, überhaupt lehrt, und zweitens in der Art und Weise, wie dieses Erziehungsgeschäft vorzunehmen sei. Wir werden daher zunächst unser Augenmerk auf Eiduß, Zeugnisse, Symbole, die den pädagogischen Lehrapparat in dem System unseres Vers, bilden, zu richten haben. Schon den die „Liebe" behandelnden Theil beschließt der Vers. S. 59 mit folgenden Worten: „auf daß daran deine Jissroöilsbrüder und vor Allem deine Nichtjissroeilsbrüder sich erleuchten, erwärmen und lernen, den alleinigen Gott auch als ihren Gott verehren und lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und ganzem Vermögen; und nach seinem Willen leben, ein. Leben der Gerechtigkeit und Liebe; also du in deinem kleinen Kreise das werdest mit deinem Einzelleben, was im Ganzen deines Volkes Bestimmung ist." Unmittelbar darauf folgt die Darstellung des Elvuß: „Aber zu solchem Wirken in Gerechtigkeit und Liebe genügt das einmalige Anerkennen der Lebensgrundwahrheitcn nicht; dein Beruf als Iiffrovil, als Träger der Lehre über Gott und Menschenthum an die Menschheit, ist nicht erfüllt durch bloßen Aufbau deines Lebens auf jene Grundwahrheiten; für jenes und für dieses sollst du jene Grundideen unv ihre Folgen wiederholt in Wort und Thatsymbol in die Seele prägen und dadurch dir und Andern sie festhalten. Dies Inbegriff der E'tduß. — Die Wahrheit, die Leben gebaren soll, muß wiederholt und im Leben und so prägnant als möglich dem Geist unv Gemüth vorgeführt werden. Daher vorzüglich in Thatsymbol, durch Zeichen und Handlungen." Hier sind wir am Ziele und staunen über die tiefe Weisheit eines göttlichen Erziehungssystems, welches eben so streng in seinen Forderungen an die Lehrer und Erzieher als es milv und nachfichtig gegen die Schüler und Zöglinge ist. Wahrheit, durch Gott gevssenbarte Wahrheit (Toroth). Gerechtigkeit und Liebe find die Grund- und Lebensprincipe des Iudenthums, die Israel lehren und tragen soll nicht blos für sich, sondern für die ganze Menschheit. Um sich aber diesrlbe selbst anzueignen, genügt das einmalige Erkennen nicht, es müssen vielmehr dieselben wiederholt in Wort und Thatsymbol in die Seele geprägt und dadurch sich unv Andern festgehalten werden. Und wie soll die arme nichtisraelitische Menschheit vurch bloseS einmaliges Anerkennen ohne Wiederholung in Wort und Thatsymbol, zu welchen ihr der Zutritt bei Todesstrafe untersagt, welcher das Ceremonialgesetz mit seiner Symbolik, wie Adam die Frucht vom Baume der Erkcnntniß streng verboten ist Öx'ienb rHx rnsoro rrnnn ^run *6 wm na»} „Unser Lehrer Mosche hat die Lehre und Gebote nur an Israel vererbt" Maimonid. Könige 8, 19.) jenes großen und schweren aus und durch Israel Licht und Erkenntnis und mit diesen das wahre Hell oder die Helligung ausbreiten sollten. (Schluß folgt.) Inhalts des Iudenthums theilhaftig werden können? Wie sollen die schwachen Zöglinge jene Grundwahrheiten des Iudenthums durch einmaliges Anhören sich aneignen können, wenn selbst die Lehrer dies nur mittelst unaufhörlicher Widerholung, und symbolische Darstellung und Einprägung zu thun vermögen? Der große innere Widerspruch, welcher darin liegt, daß Israel mit der ganzen Menschheit eine gemeinsame Aufgabe zur Anerkennung und Verwirklichung des geoffenbarten Inhaltes des Iudenthums und und daß Israel außerdem noch eine besondere Aufgabe für sich allein erhalten habe, die Menschheit für die gemeinsame Aufgabe zu erziehen, diese Erziehung aber bei der Menschheit nicht durch dieselben Mittel und Wege erzielen soll, welche bei ihm selber als Mensch, dem das einmalige Anerkennen der Grundwahrheit ohne Wiederholung und Einprägung derselben durch Wort und Thatsymbol nicht genügt, absolut nothwendig find, raubt diesem System alle Consequenz und Wahrheit. Ist das symbolische Gesetz als Erziehungsmittel nothwendig und ist diese Nothwendigkeit, wie unser Vers, in Bezug auf Israel, den Lehrer und Erzieher, anerkannt, in der menschlichen Natur begründet, so muß die ganze Menschheit desselbigen theilhaft werden. Over meint unser Vers., die übrige Menschheit soll fort und fort bei Israel in der Lehre bleiben und nie und nimmer aus der Schule entlassen werden, sondern zusehen, wie Israel die großen Wahrheiten sich selbst durch Thatsymbole vergegenwärtigt unv einprägt und durch dieses Anschauen lernen und selber sie sich einprägen, so müßte er, außer der schreienden Ungerechtigkeit, die darin läge, die arme Menschheit nie und nimmer durch das symbolische Ceremonialgesetz von der Schule emancipiren und zu ihren eigenen Lehrmeistern machen zu wollen, welche mit der Gerechtigkeit Gottes streitet, noch dazu annehmen, daß die Zerstreuung Israels in alle Winkel der Erde eine nothwendige ewige Thatsache sei, damit die Menschheit Gelegenheit habe, zuzusehen, wie Israel sich die Wahrheit cinprägt. Was soll aber aus der armen schülerhaften Menschheit werden, wenn die Zerstreuten gesammelt und Israel an einem kleinen Winkel Affens - seinen Lehrstuhl errichtet, ohne daß die ganze Menschheit irgend einen Nutzen von seiner Lehre ziehen kann? Zwar können auch andere Menschen ganz zum Iudenthume sich bekehren und dadurch aus dem Zustande der Unmündigkeit heraustreten, wie Maimonid. zu dem oben angeführten Satz hinzugefügt: HStnn mown ->8l7O. Allein es ist der Menschheit das Ceremonialgesetz und somij das ganze Iudenthum nicht geboten, und wird deshalb hierzu..nicht gezwungen, wie sie zur Uebernahme der sieben noachidischxn Gebote, weil sie darauf verpflichtet ist, allerdings gezwungen wird, wie dies Maimonir. daselbst deurlich ausführt: NIL PI MLQ1 NND fcipb lHlN ]*SD PX NLN iHw »ö ms», bipb D^yn 'to bi n« man >so w3-> ntwa rwi» bap ’D ^01 m M3 llöStiP „Aber wer die Thora und die Mizwoth (das Ceremonialgesetz) nicht annehmen will, der wird hierzu nicht gezwungen. So befahl auch unser Lehrer Mosche im Aufträge Gottes, die ganze Menschenwelt zur Annahme der nvachidischen Pflichten mit Gewalt zu zwingen und den, wer sich der Annahme weigert, zu tödten." Geboten, müßte aber das Ceremonialgesetz der ganzen Menschheit sein und diese müßte zur Annahme desselben gezwungen werden, wenn erstens die Menschheit durch Israel zu den Grundwahrheiten des Iudenthums in der Weise, wie unser Vers, es darstellt, erzogen und zweitens durch das symbolische Ceremonialgesetz erzogen werden sollte. Verlag der Z. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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