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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-03-22 · Heft 12 (22.3.1846) · page 9

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 12 (22.3.1846)
Date
1846-03-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Literatur-Blatt zum Israeliten des 19. Jahrhunderts. Enthaltend: Abhandlungen, Aufsätze, Recensionen, literarische Aphorismen rc. rc. für die gefammte höhere Wissenschaft des Judenthums, und unter Mitwirkung von Geiger, Holdheim, S. Hirsch, Jost, Rießer, Herzfelv, Wechsler, Maier, Rebenstein, Stern, Dukes, Adler und vieler anderer Gelehrten redigirt und herausgegeben von vr. M. Heß, Großherzogl. Weimarschem Land-Rabbinen in Eisenach. Nr. IS Sonntag den SS. März 184«. i. Jahrgang. Ueber die Principien eines dem gegenwärtigen Religionsbewußtsein entsprechenden Cultus. Von Ar. Holdheim. (Erster Artikel.) (Fortsetzung.) Heute, gesteht Hr. Hirsch selbst zu, erkennt das Judenthum keine religiöse Aufgabe in Uebung von Tugend und Gerechtigkeit und sollte seiner Erkenntniß zum Trotz, fich vom Zielpunkt aller religiösen Erziehung entfernen, um die übrige Menschheit nicht, seine Aufgabe — die durch deren Lösung am wirksamsten gelehrt » wird — sondern die religiöse Eigenschaft dieser Aufgabe kennen^ zu lehren! Dann möchte uns doch Hr.H. darüber belehren, was» er denn eigentlich mit dem Unterschiede sagen will, daß di^ Menschheit zwar dahin gekommen sei seine Aufgabe zu fassen, ab^jh nicht als eine religiöse zu fassen. Mich will es immerbedjütz^ ken, daß wer seine Aufgabe in der rechten, gesinnungsvolleH Uebung von Tugend und Gerechtigkeit auffaßt, dieselbe eo ips8 als eine religiöse auffaßt. Für den Menschen auf der höherr^ Erkenntnißstufe, auf welcher die Autonomie des Geistes aynLapnt' wird, ist der innere Boden rer Ueberzeugung zugleich., tere Quell religiöser Erkenntniß, in der er sich mit dem höchsten* Willen Gottes in vollkommener Uebereinstimmung weiß.- Wenn der Mensch auf dieser Stufe gegen positive Religion eifert und die Lösung der rechten Aufgabe in dem Maße gesichert glaubt, als die in Uebung äußerlicher symbolischer Werke bestehende Religiosität vernichtet ist, so findet diese Erscheinung ihren Erklärungsgruud darin, daß er in dieser äußerlichen Religiosität, auf welche die Orthodoxie einen so hohen Werth legt, ein Hinderniß, welches den Menschen von der Erkenntniß und der Lösung der wahrhaftig religiösen Aufgabe immer mehr entfernt. Will man solche Menschen eines bessern belehren und sie aus Feinden zu Freunden der positiven Religion verwandeln, so hat man sie nur zu überzeugen, daß die von ihnen als Feindin gehaßte positive Religion des Judenthums in der That dem Menschen keine andere religiöse Aufgabe stellt als die, welche auch sie für die allein wahre halten, nicht aber durch eine symbolische Umhüllung und Verdunkelung dieser Aufgabe selbst sie in ihrem Jrrthum immer mehr zu bestärken. Am meisten beftemdet es uns, daß Hr. Hirsch diesen Unterschied negirt, an dem er im Ernste nicht glauben kann, da er selbst in-derftlbigen Schrift S. 56 den ersten positiven Lehrsatz des Judenthums in Uebereinstimmung mit unserer Ansicht also formulirt: „Es. giebt einen persönlichen Gott; Gott steht aber dem Menschen nicht als ein Fremder dem seim'Mr widersprechender Wille gegenüber; sondern da Gott dewÄttischen und dessen Willen geschaffen hat, so verlangt er vom Äwrschen nur, d^ß er Mensch sei, daß er seine geistigen KräftKihnen gemä^ntwickele und gebrauche, und der Mensch kann Gott Kgr nicht anders dienen, als wenn er alle seine Kräfte und Anlagen, da alle Geschenke Gottes sind, zr? entwickeln und zu gebrauch^ strsbt." Nach dipftm Lehrsatz, den wir aus voller Ueberzeugpng unterschreiben, fiHt gewiß derjenige Mensch, welcher seine Aufgabe überhaupt in der rechten Uebung von Tngend uni; .Gerechtigkeit erblickt, diese seine Aufgabe zugleich als eure religiöse. *Das zweite Argument betreffend, können wir uns viel kürzer fassen, indem wir Hrn. Hirsch ein für alle Mal sagen, daß der geistig erwachte uqd gebildete Mensch und wenn er auch Jude ist, nicht nöthig habe,-irgend eine Wahrheit durch Symbole zu vergegenwärtigen, mithin auch nicht die Wahrheit, daß seine Geschichte „eben seine Geschichte" und die keines andern Volkes ist, und wie er ohne Symbol diese Wahrheit erkennt, wird er ohne sichtbare und äußerliche Vergegenwärtigung wohl erkennen, daß diese seine Geschichte ihn noch mehr wie ieven

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