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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-03-22 · Heft 12 (22.3.1846) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 12 (22.3.1846)
Date
1846-03-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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05 wenig hat; sie weiß nicht, und das sollte sie doch wissen, daß vr. Adler in Hannover Rabbiner war, und von Lübeck weiß sie nicht einmal, was sie eigentlich wissen sollte, daß da leine Juden wohnen dürfen. Also auch kein Rabbiner. Der Prediger Carillon. (Amerika.) — Zu Montego Bay wollte der Prediger Hr. Carillon einige Veränderungen im Gottesdienste einführen. Einige fromme Seelen, unzufrieden mit der Neuerung, haben sich an den Ober-Rabbi in London gewandt, um dem Beginnen zu steuern. Dieser hat eine Absctzungsbulle erlassen und sie den Vorstehern zur Ausführung gegeben. Doch hat Carillon die Sache vors Gericht gebracht, welches sich daher entschied daß dem Zuentlassenden auf 3 Jahre der Gehalt (4000 Dollars) ausgezahlt werden müsse. Die türkischen Juden. Constantinopel. Die Anzahl der Juden in dieser Stadt belauft sich, nach neuester Zählung, auf etwa 35000. In fitt» licher Hinsicht stehen sie über manchem andern Volksstamm der Türkei, denn streng orthodox, und kraft des Landesgesetzes, der Herrschaft des Ober. Rabbiners unterworfen, wissen sie sich doch einen gewissen freien Sinn zu erhalten, und ihren Geist vor ganz, licher Versklavung zu bewahren, ohne jedoch sich zur Civilisation selbst der Türken zu erheben. Obgleich sie die gewöhnlichsten Arbeiten verrichten, und so besonders viele unter ihnen Handwerker sind, so leben sie doch in einer seltenen Armuth, wozu unter anderen auch der Umstand beiträgt, daß die letzteren Rabbiner zu der schon bestehenden guten Anzahl von Feiertagen, noch viele neue hinzugcfügt haben, und weil sie nun an diesen Tagen nicht arbeiten können oder dürfen, so ist es ihnen unmöglich, mit den Griechen, Armeniern und Türken Concurrenz zu halten. Auch trägt ihre gänzliche Abneigung für bessere Erziehung und Bildung dazu bei; sie stehen so still, während sich Alles um sie in Mechanik und Leben fortbewegt. Früher, als Griechen, Armenier und Türken unwissend waren, unter ihnen sich aber noch Spuren praktischer, von ihren spanischen Vorfahren auf sie geretteter Kenntnisse vorsanden, nahm die diplomatische und Handelswelt ihre Dolmetscher, Mäkler und Agenten aus ihrer Mitte. Dazumal waren die Dienst, leistungen der Juden an der Pforte, in den Palästen der Pascha's und in den Agenturen der Consuln und Kaufleute gleich gesucht. Jetzt haben die übrigen Bewohner der Residenz sich an europäische Sitten gewöhnt und mit abendländischen Sprachen bekannt gemacht, und haben so die Juden, die dies Alle gleichgültig mitansahen, aus ihrem Brode vertrieben. Dadurch, daß sie sich von den Franken sowohl, wie von den höhern türkischen Kressen immer mehr emsremdeten, kam auch ihr Handel in Verfall, so vaß jetzt da Elend herrscht, wo früher Reichthum prangte. Dw wenigen Juden, die noch etwas Vermögen aufzuweisen haben, nnv Europäer und leben unter dem Schutze der betreffenden Gesandtschaften, und find somit wever den belasteten Einfällen der türkischen Regierung unterworfen, noch drückt auf sie die schwere Last des Ober-Rabbiners. f*. ».» Herr Altaras. (Frankreich.» — Das Journal des Dc-bats hebt Herr M. B. Altaras, Präsidenten des jüv. Consisteriums zu Marseille) als denjenigen hervor, welcher sich um die Pacincirung Algeriens große Verdienste erwirbt. Er reiste nämlich vor 3 I ihren nach Algier und von da durch einen großen Theil des Landes, wozu ihn besonders seine Kenntniß der orientalischen Sprachen ber'ähigte; vorzüglich lernte er auf seinen Reisen die Wünsche und Bedürfnisse seiner Glaubensgenossen kennen und legte sie der Regierung vor, nachdem er nach Frankreich zurückgekonimen. Diese schickte ihn wieder nach Algerien, um eie Juden daselbst durch die Bande der Civilisation an Frankreich zu fesseln und unter ihnen durch Bildung von Confistorien und Schulen Glaubenseinheit und Cultur herzustellcn. / Briefe vom schlesischen Odergebiete. (Fortsetzung.) III. Nachdem ich Sie, Herr Red., mit den räumlichen Verhältnissen, wie ich hoffe ziemlich vertraut gemacht habe, wollen wir die hier lebende Judenhcit im Allgemeinen, insbesondere aber ihren geistigen, namentlich ihren religiösen Zustand besvrechen. Die Judenheit ist hier wie überall wo der krasse Rabbinismus noch die Herzen beherrscht und die Köpfe verdreht, dem Handel und der Schenkwirthschaft ergeben. Diese Nahrungszweige find aber auch heilige Erbstücke unsrer Vorfahren, denen bekanntlich nichts gestattet war, und find dieselben, so lange noch die Beachtung jener minutiösen oft lächerlichen rabbinischen Vorschriften zu den Pflichten eines Israeliten gehört, leider auch die geeignetsten fiir Israel. Wir haben natürlich nur die Gesammtheit im Auge, und betrachten einzelne Individuen, die sich über rabbinische Geistes - Verirrungen hinwegsetzen, den Baum dcrErkenntniß erklimmen, und auf demselben sich anderer Nahrungszweige bemächtigen eben weil sie einzeln find, nur fiir rühmliche Ausnahmen. Es ist eine wahre und richtige Bemerkung, daß der geistige intelligente Zustand eines jeden Volkes, gleich dem religiösen ist, letzterer ist so zu sagen der Bernunftmeffer eines Volkes. Wo die religiöse Anschauung von Gott und seinem -eiligen Willen, eine klare ungetrübte ist, da wird es auch hell im

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