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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-03-22 · Heft 12 (22.3.1846) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 12 (22.3.1846)
Date
1846-03-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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VS nickt die Brücke unter den Füßen mit sich fortreißen, bevor sie noch festen Boden genommen haben werden. Einränmen werden sie müssen, daß auf dem einen Gebiete wie auf dem andern ein fester Grund und Boden der Wahrheit und des Glaubens ist, und daß sie auf der Brücke zwischen der einen Wahrheit und der andern, auf dem Uebergange aus dem einen Glauben zu dem andern, mithin in der Mitte zwischen Glauben und Wahrheit, d. h. auf neutralen» Gebiete der Unwahrheit und des Unglaubens sich befinden. „Ter ganze Rationalismus", fährt der Bcrf. fort, „der auf den Eriu'cismus der Gegenwart vorbereitet und ihm Bann gebrochen hat, beruhet auf der Umdcurnng des Gesetzes und des Wortes, nachdem was die Vernunft für wahr erkannt bat re." Man siebt es dem Vers, an, wie er sich bemühet, die Geltung dessen, welckes als geschichtliches Entwickelungsmoment allerdings seinen hohen Werth und seine Bedeutung bat, die ihm akzuftrechen kein Vernünftiger sich beikommen lassen wirs, aus diesem seinem Kreise von historischer Bedeutsamkeit herausteeteu zu lassen nud dieselbe in einer andern Begebung, inwiefern dasselbe auch, nachdem sein btüoriscker Entwickelungsverlauf beendet ist, eine Art berechtigter Eristenz in der Gegenwart ansprcchen : arm, zu vindiciren. „Der Rationalismus hat auf den chrilitismus der Gegenwart vorbereitet," cs muß denn der Criticismus der Gegenwart den Nationalismus oer Vergangenheit überwunden, d. h, für falsch gefuncen und sich an dessen Stelle gesetzt haben, und so sehr der nergel-orue Sohn der Gegenwart dem Vater sein Vasein verdankt und ihm Ehrfurcht und Liebe schuldig ,1, wird i'ici) doch sein kritisches Gewissen dagegen sträuben, wenn der Rationalismus mehr als Pietät verlangt, wenn er dem Erincismus zu schweigen gebieten, in die Verhälruisse der Gegenwart selbst eingreifend, als dieser angehorend, sich behaupten wollte. In solchen Fällen muß die kindliche Ehrfurcht gegen den Vater einer Hähern Rücksicht, der Ehrfurcht gegen Gott und die Wahrheit zurnckrrcrcn, denn, heißt cs in dieser Beziehung mit Rocht: '-.'212 r2"n nlro (Icbamoth 5!i.) So sehr daher der Erilicismus der Gegenwart durch den Rationalismus vorbereitet wurde, hat doch in allen Verhältnissen der Gegenwart nur der Erzeugte und nicht der Erzeuger zu sprechen. Und ist denn der Rationalismus wie ein deus ex machina vom Himmel herunter gekommen, wurde dieser nicht gleichfalls und sogar nach einigen Uebcrgängen durch den Supernaturalismus selbst vorbereitet und vermittelt? Und wenn die Orlhodorie dem Nationalismus als er die Herrschaft in der Theologie führte, damit imponircn wollte, daß er durch sie vorbereitet worden sei; würde er sich dadurch in seiner Bekämpfung der Orthodoxie, die ihn, nachdem er den Glauben an sie verloren hatte, als ein Lügengewebe erschien, haben aufhaltcn lassen? — Will man", sagt unser Vcrf. weiter, dieses Princip (nämlich der rationalistischen Umdeutungen) der Befangenheit oder gar der Unlauterkeit zeihen, so ist dies eben so unbillig wie unphilosophisch. Was die Unlauterkeit betrifft, so ist, wenn der Vcrf. das Wort — wie es durch die Steigerung „oder gar" fast den Anschein gewinnt, und womit der Vcrf, was ich herzlich bedaure, mir etwas in Frankel'scher Manier anhabcn zu wollen scheint — in sittlicher Bedeutung nimmt, ein Irrt hum, solange man sich dessen nicht bewußt ist, durchaus nicht damit zu bezeichnen. Also selbst den Vorwurf der Befangenheit hält der Verf. für unbillig und nnphilo- , sophisch. „Unbillig" demonstrirt der Verf., „denn es | ist einmal Bedürfnis des religiösen Volksbewnßtseius sich! das Wort Gottes für alle Zeiten conform zu denken,! und es würde daher dem Fortschritte schwerlich gelnni gen sein, sich Eingang zu verschaffen, wenn er nicht! diesen Gedanken an die Eonformität desselben unangetastet gelassen hätte. Sollte es unterbleibeir, weil diese Eonformität nicht durchgängig wahr, weil sie in vielen Punkten nur Schein ist? Ist das der Gang der Geschichte?" Ich muß mich über unfern verständigen Verf. wirklich wundern. Wo ist noch je einer Betrachtungsweise, die in irgend einer Entwicklungsphase des menschlichen Geistes ihre geschichtliche Roth Wendigkeit von der einen, das Ungenügende und Unwahre in derselben von der andern Seite vollkommen anerkennt, der Vorwurf der Unbilligkeit gemacht worden? Wird dadurch, daß einer Erscheinung auf dem Gebiete des Geistes ihre geschicktliche Norhwendigkeit durch den Zusammenhang dieser Erscheinung mit dem ganzen Gedankencompler und den Stimmungen der Zeit nachgewiescn wird, uns zugleich das Recht abgesprochcn, diese Erscheinung von unserem Standpunkt aus, der in unserer Zeit und der in ihm vorherrschenden fortgeschrittenen Geistes-Richtungen gleichfalls seine geschichtliche

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