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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-03-15 · Heft 11 (15.3.1846) · page 10

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 11 (15.3.1846)
Date
1846-03-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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54 ihm von Außen, und je mehr äußere Anregung, desto mehr innerliche Thätigkeit. Was den Menschen am kräftigsten anregt und ihn am nachhaltigsten zur innern Thätigkeit auffordert, zum geistigen Denken und Fühlen anspornt, das ist die sinnliche Anschauung, die That. Der Mensch ist von der Sinnenwelt umgeben, die unaufhörlich auf ihn cinwirkt und zum Versenken ins Irdische ihn anreizt, ihr muß ein Gegengewicht entgegengehaltcn werden, und das ist die religiöse Thätigkeit. Von der andern Seite ist das Reich der religiösen Wahrheit wie ihr Urheber unendlich, die Sprache dagegen, um sie auszudrücken, arm und unzulänglich, der Mensch für sie, zumal, wenn sie größere Gedankencomplere ausdrückt, zu unempfänglich. Gottes unendliche Lehre in den engen Kreis der menschlichen Sprache einzuschließen, ist unmöglich. Dagegen verbindet das Ceremonialgesetz alle Vortheile; es ist eine immerwährende Offenbarung Gottes und wirkt auf den Menschen mit der unvergleichlichen Kraft der sinnlichen Anschauung, die, wie für die Zugend, so auch fiir den Menschen durch sein ganzes Lebensalter die wirksamste Lehrform ist. Man möchte sagen, das symbolische Ceremonialgesetz ist der sechste Sinn, mit -dem Israel vorzugsweise gegen die übrige Menschheft von Gott begabt worden ist. aufgeben. — Da diese im Midrasch ausgesprochenen Ansichten über die Bedeutung der Speisegesetze für deren Abschiffung in der Gegenwart. die eine der nächsten Rabbiner - Versammlungen bestimmt zu ihrer Aufgabe machen wird, sehr ersprießlich sind, so wollen wir auch die zweite, von Mose ben Nachman a. a. Obesonders gewürdigte Version hierhersctzcn: “"spnb 'b HSDN PiD Pi nn» diP P1N1 “in«: dk «n ^diki nonan dpi® dn p nmno Pin p neaN na in ipno nns* dip in l^yio vb an 'ui *p nc:n nuan dn nnbv iptt pip bD 'w® vNn®'i ninan nN jpd n^n mson uru nsns 'n mDN „Was ist dem Heiligen, gelobt sei Er, daran gelegen, ob man schlachtet das Vieh und ißt es, oder ob man cs todt sticht und ißt; kannst du. ihm damit nützen oder schaden? Oder was liegt ihm daran, ob man Reines oder Unreines genießt? Sagt doch Salomo: „Bist ru weise, so bist du für dich weise.".. Aber siehe, die Gebote find nur dazu gegeben, die Geschöpfe und Israel durch sie zu läutern, wie es heißt (Ps. 18, 31) jeder Ausspruch des Herrn ist läuternd." Diejenigen, welche die Spcisegesetze in chrer religiösen Verbindlichkeit für die Gegenwart noch fortbestehend behaupten, müssen zugleich behaupten, daß die durch sie ursprünglich beabsichtigte Wirkung einer sittlich-religiösen Läuterung denselben noch beute fortdauernd beiwohne und consequenter Weise erklären, daß die Juden in dem Maße als sie die Speisegesetze beobachten in sittlich-religiöser Beziehung geläuterter seien, als die übrigen Menschen, welchen dieselben nicht geboten oder sie übertreten, eine Behauptung, die ich ohne den Vorwurf der Iudenfeindlichkeit von der Gemeinde zu Schubin in einer künftigen Adresse an Hrn. Frankel zu fürchten, mit der Erfahrung ini Widerspruche balte. Wie der Gedankenkreis und das Gemüthsleben eines Menschen, den die Natur mit Einem Sinn weniger geboren werden läßt, enger und beschränkter ist, im Vergleich mit dem, der seine fünf Sinne hat, so hielten die Rabbinen die übrige Menschheit für geistesärmer als Israel, dem in dem Ceremonialgesetz eine neue Welt von Ideen sich erschließt. Wenn dies die ältesten oder alten Rabbinen alles Ernstes glaubten, können wir uns darüber nicht wundern. Sie kannten wohl die Macht des gesprochenen Wortes und machten davon Gebrauch und priesen es nach Verdienst. Sie ergiengen sich in freier Rede und beleuchteten in ihren mündlichen Vorträgen den vorhabenden Gegenstand von verschiedenen Seiten und gaben dem gesprochenen Wort zu ihrer Zeit mit Recht den Vorzug gegen das schriftliche, das beschwerlich und zeitraubend, der Kürze sich befleißigen muß, die nur dem Eingeweihten und selbstständigen Forscher, nicht dem Volke genügen kann. Deßhalb hielten sie es lange Zeit sogar als Sünde, die sogenannte mündliche Lehre niederzuschreiben, weil die Schrift in der unausgebilvcten und unvollständigen Form, die sie hinsichtlich der Vervielfältigung zu ihrer Zeit hatte, die Firirung der subjektiven Einseitigkeit allzusehr begünstigt, während der münvliche Vortrag des Lehrers in freier Waltung den Stoff beherrscht. Allein so sehr sie die! Macht der mündlichen Rede anerkannten, so mußten sie die Schranken fühlen, welche der Raum ihrer Verbreitung und darum ihrer Wirksamkeit entgegensetzt. Das Wort hat immer nur einen bestimmten Kreis von Hörern, und wenn dieses auch später durch die Schrift vervielfältigt wurde, so wissen wir doch, wie ungenügend diese war und wie sie allenfalls den Gelehrten exprofesso, selten dem Volke zu Gute kam. Dagegen hatte die religiöse Tätigkeit auch als Mittel der religiösen Belehrung und Erweckung hren entschiedenen Vorzug, indem sie sich schnell verbreitet unv Überall im Volke selbstständig wirkt. Wir finden es daher ganz Erklärlich, wenn das Alterthum das Ceremonialgesetz vorzugsweise zpr Erweckung unv Anregung sittlich, religiöser Erkcnntniß für geeignet hielt. Wundern müssen wir uns dagegen, wenn diese Ansicht von der Nothwendigkeit eines symbolischen Ceremonialgesetzes als das ausschließlich geeignete Mittel zur Anregung sittlich - religiöser Erkcnntniß von heutigen Rabbinen behauptet wird, da sie den gewaltigen Fortschritt, den der menschliche Geist seitdem Zeitalter der Rabbinen im Reiche des Denkens und Wissens überhaupt und insbesondere seit der Erfindung der Buchdruckerkunst durch die unbezwingliche und weitverbreitete Macht der Presse gemacht hat, gänzlich übersieht und dadurch ganz unhistorisch wird. Wenn die alten Rabbinen durch den Besitz des Ceremonialgesetzes und der aus der religiösen Thätigkeit hcrvorgehenden anregenden Kraf: im Vergleich mit ihrer heidnischen Umgebung sich im Besitze

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