Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1846)
- Date
- 1846-03-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Literatur-Blatt jum Israeliten des 19. Jahrhunderts. Enthaltend: Abhandlungen, Aufsätze, Reeensionen, literarische Aphorismen rc. rc. für die gesammte höhere Wissenschaft des Judenthums, und unter Mitwirkung von Geiger, Holdheim, S. Hirsch, Jost, Rießer, Herzfeld, Wechsler, Maier, Rebenstein, Stern, Dukes, Adler und vieler anderer Gelehrten redigirt und herausgegeben von vr. M. Heß, Großherzogl.Weimarfchem Land-Rabbinen in Eisenach. Nr. 11, Sonntag den 15. Marz 184«. l. Jahrgang. Heber die Principien eines dem gegenwärtigen Religionsbewußtsein entsprechenden Cultus. Von Pr. Holdheim. (Erster Artikel.) (Fortsetzung.) Dieser Ansicht folgen die ältesten Rabbinen. indem sie sagen: rosci min nmn bit-w' nx rob n"Dpn ran „Gott wollte Israel beseligen, darum gab er ihm eine so große Menge von Lehren und Geboten (Makoth Ende), oder noch deutlicher in dem Ausspruche r pa *psh vbx um vb mson b niHDn nx „alle Gesetze haben nur den einen Zweck, die Geschöpfe durch deren Uebung zu läutert.*) Gehen wir auf das *) Breschit rabba 44, und lautet vollständig: HSD'X HD 'Dl *piyn p orrow 'Q ix nxisn p miw 'nb rfnprb rP ninan nx nra x^x nison um xv 'in „Was liegt Gott daran, ob man am Halse oder am Genicke das Thier schlachtet? Allein die Gebote find nur darum gegeben, daß sie die Menschen läutern." Noch ausführlicher in Jelamdenu Schemini: N2X NXQN N2N22 DDasy ppts6 vbv DDDsy nnn bx“ir6 n"2pn nsm 'n mox idti D'on ^>xn "in tdx *p xdd pio bmv n"Dprfc b nsDx no ^"x . rniHD nx rpub?'dko nxiLn pt Dnim ^dixi nnu dxn^' xraar xv'N^ xba btunw nx F]n^ hd xdx m novwn nnosa x^V jnn )m p p'ipi nnmn p D'pnsb miyo rwiy xnt> N'Ny^ ’D bxiff' nx *ps6i pimb xbx nuinar jxdd nuvw uv pxi ^XNl7', welche Ansicht das. noch in einer andern Version wiederholt wird. Gewunvert haben wir uns, daß Maimoniv. More in c. 26 diese Aussprüche des Midrasch seiner eigenen Ansicht von der symbolischen Bedeutung der Gesetze entgegenstehend glaubt und deshalb eine künstliche Deutung des Midrasch versucht, während sie, was übrigens schon Mose b. Nachman zu Deutr. 22, 6 — 8 bemerkt, mit derselben vollkommen übereinstimmt. Es wird nämlich hier auf das Entschiedenste die Ansicht behauptet, daß alle symbolischen Gesetze, wohin auch die Speisegefetze gehören, nicht Innere der Ansicht näher ein, so scheint sie von einem psychologischen Grundsatz auszugehen. Der Mensch ist ein finnlich-vernünftiges Wesen; alle Anregung zur innern geistigen Thätigkeit kommt objektive, in dem heiligen Willen Gottes an den Menschen, wie ein Sittlichkeitsgesetz, absolut begründete, sondern nur subjektive, d. h. für den Menschen auf einer bestimmten BildungS- und Crkenntnißstufe, wo ihm eine Läuterung veS Innern durch äußerliche symbolische Handlungen Bedürsniß ist, daher nur relative Nothwendigkeit haben. Wir haben diesen Unterschied zwischen der nur relativen Bedeutung des symbolischen Ceremonialgesetzes und der absoluten Nothwenvigkeit des Sittengesetzes bereits in der Autonomie der Rabbinen rc. S. 109 festgestellt und dessen Begründung auch im talmudischen Judenthum nachgewiesen, aus dem viele Erscheinungen auf diesem Gebiete sich naturgemäß erklären lassen. Die wichtigste Folge dieses auch vom orthodoxesten Judenthum zugestanvenen Unterschiedes ist aber unstreitig die, daß man nach ihm den Speifegesetzen ebensowenig als dem symbolischen Opfercultus eine religiöse Verbindlichkeit für die Gegenwart, welche den sittlichen Läuterungsproceß durch ritualmäßiges Biehschlachten und Beobachtung der Speisegesetze füglich entbehren kann, ohne die größte Inkonsequenz zu begehen» retten kann. Die Orchodorie stimmt mit uns in der subjektiven, symbolischen Bedeutung des Ceremonialgesetzes überhaupt und der der Speisegesetze insbesondere überein. Nur meint sie in ihrer angeblichen Consequenz, dieselbe subjektive Nothwendigkeit sei für alle Ewigkeit, wie sie einst für Israel vor mehreren Jahrtausenden gewesen, vorhanden, der Mensch müsse noch. heute und in aller Zukunft durch ritualmäßiges Biehschlachtm und Beobachtung der Speisegesetze sittlichreligiös geläutert werden, und dehnt diese Nothwendigkeit auf das ganze Ceremonialgesetz und auch auf den symbolischen Opfercultus aus, welchen der Messias in der That restituiren wird. Wir aber, die wir von der einen Seite den symbolischen Opfercultus negiren, können nicht ohne lächerliche Halbheit und Jnconsequenz von der andern Seite die Nothwendigkeit einer sittlichen Läuterung durch Speisegesetze festhalten. Hier heißt es: entweder uns ganz der orthodoxen Anschauung, die an einen Fortschritt des menschlichen Geistes nicht glaubt, hingeben, oder dieselbe gant