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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-03-15 · Heft 11 (15.3.1846) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 11 (15.3.1846)
Date
1846-03-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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88 seien balv darauf zu Gunsten zweier Departements und später für weitere 16 Departements aufgehoben, in Frankreich aber überhaupt das ganze Dekret schon längst außer Wirksamkeit gesetzt worden. In den früher mit Frankreich vereinigten deutschen Provinzen habe dasselbe längere Dauer gehabt, sei jedoch heute entweder ganz aufgehoben oder doch von den Landständen des betreffenden Staates der dringende Wunsch nach Aufhebung, an dessen Realisirung nicht zu zweifeln, ausgesprochen worden. Nur die Pfalz habe sich einer solchen Thecknahme bisher nicht zu erfreuen gehabt; im Gcgcntheile seien in Bezug auf sie die Beschränkungen jenes Dekrets durch die Verordnung der österreichisch-baierischen Landes-Administration vom Jahr 1815 noch erweitert und so durch spätere kgl. Erlasse und Vollzugsvorschriften auch für die Zukunft beibehalten worden. Der rasche Entwicklungsgang der Zeit habe auch die Juden der Pfalz nicht zurückgelaffen. Sic haben sich dem Schacherhandel entwunden und dem Ackerbau und den bürgerlichen Gewerben, den Künsten und Wissenschaften zugcwandt. Die Zeit, in welcher die Aus- Übung der allgemein bürgerlichen Rechte nicht mehr von den verschiedenen Confessionen abhängig gemacht werde, wo man die Zsraeliten nicht mehr für schlecht halte, weil sie nicht getauft, sei nicht mehr ferne und es werde die Zeit kommen, wo bezüglich der Ausübung der politischen Rechte jede confessionelle Scheidewand fallen werde. Bezüglich der Bestimmungen des napoleonischen Dekrets habe man Gelegenheit genug gehabt, zu sehen, daß einerseits die Beibringung des Moralitäts - Zeugnisses zu einer bloßen Form geworden und andrerseits jenes Dekret eine nicht vorgesehene Wirkung zuverlässig habe herbeiführen müssen, deren Ausführung man ihnen wohl erlassen werde, daß nämlich durch dasselbe nothwendig jedes Rechtsgefühl bei den Juden unterdrückt wurde, edlere Gefühle und namentlich die Vaterlandsliebe, wohl wenig haben geweckt und gefördert werden können. Dies aber habe er zu berühren nicht unterlassen wollen, daß die ganze Pfalz mit großer Freude die Aufhebung dieses Dekrets begrüßen werde. Dafür bürgen die Einrichtungen und Gutachten vieler Gemeinden in der Pfalz, dafür bürge die einstimmige Aneignung dieses Antrags von Seiten sämmtlicher Abgeordneten der Pfalz, und er sei überzeugt, daß auch die Kammer, welche in einer ftühern Sitzung mit einer so erfreulichen Stimmeneinheit dem Anträge auf Erleichterung des Zustandes der Israeliten der diesseitigen Kreise ihre Berücksichtigung zugewendet, auch den Juden in der Pfalz ihre Theilnahme nicht versagen werde. — Auch Abgeord. Will ich empfahl diesen Anttag, indem er bemerkte: es hanhle sich hier von endlicher Beseitigung eines napoleonischen Machtspruches, der tief in die damalige Gesetzgebung der Pfalz eingretfe. Es sei endlich Zeit, einen Akt der Gerechtigkeit zu begehen und denjenigen, die unsere Pflichten theilen, auch die Rechte einzuräumen, die das Gesetz gebe." _ (Sine Schrift gegen die Reform. 4* (Breslau im Febr.) — Hr. Kassel Selig und Hr. Schneidermeister Zeller und die andern tapfern Haudegen gegen Reform und deren Vertreter haben einen neuen wackern Cumpan erhalten in der Broschüre: „Worte zur unpartheiischen Prüfung und Beherzigung Aller, die sich für Judenthum und Reform interessiren, mit Hinweisung auf die Reformen im Christenthume gesprochen de* Gelegenheit einer Confirmations-Feierlichkeit, Preis 5 Sgr., Creutzburg, in Commission der S. Landsberger'schen Buchhandlung 1845." Wenn Ihnen dieser athemraubende Titel die Lust benehmen sollte, nach dem säubern Machwerk zu greifen, so kann ich Ihnen die Versicherung geben. daß cs gar nicht uninteressant ist, zu sehen, wie ein hungernder Candidat in Erstase geräth und sich in jene erhabene Unverständlichkeit hineinschwatzt, wo menschliche Begierden ihn verlassen. Der bescheidene Verfasser ist einer jener „romantischen Bachertm", die der Weltschmerz verzehrt, und so kam es, oaß er seinem Confirmanden statt mahnender herzlicher Worte, statt Rath und Belehrung, von den feindlichen Parteien im Judenthum, von der heillosen Reformsucht vorfaselt, und den Keim des Mißtrauens der jungen Unschuld ins Herz streut. Wir würden mit dem närrischen Bacher uns nicht eingelassen haben aus Furcht, er könnte uns mehr zu schaMn machen, aber das haben wir wohl nicht zu fürchten, denn ^Westeht in der Einfalt seines Herzens, S. 13, daß dieses Schrift^i „den größten Kraftaufwand seines schwachen Talents" erfordert habe; der Verf. kann also nichts Besseres mehr liefern, und da etwas Schlechteres als diese Broschüre sich nicht leicht denken läßt, so ist sie wohl das einzige und letzte, das er der darbenden Nachwelt hintcrläßt. Der Vers, erzählt, wie er oft über die Verderbtheit unserer Zeit geweint und und daß „Gott der Herr mit großem Nachdruck zu ihm geredet und ihn scharf ermahnt, nicht in dem Wege dieses Volkes zu gehen." Wahrhaftig, wenn man dem Verf. trauen dürfte, würden wir uns getrieben fühlen, dem lieben Gott für seine gütige Bevorwortung zu danken, was würden wir auch mit solchen lebensmüden Bacherim anfangen? Besser sie gehen ihren eignen Weg, der sie, wenn nicht ins Narrenhaus, doch sicher in die Taufe führt. Der Verf. versichert, „er habe bis jetzt geschwiegen." Warum hat er dieses Schweigen nicht fortgesetzt, eingedenk des Wortes der Schrift: auch der Thor, wenn er schweigt, wird für klug gehalten? Ich hätte dann mit ihm, S. 2, die Worte des Dichters pathetisch gerufen: „Das ist's ja, was den Menschen ziert, und dazu ward ihm der Verstand", daß er lieber schweige, als sinnlos schwatze. Im Citiren ist der Verf. ein wahrer Wüthrich, Göthe und Schiller maltraitirt er förmlich, er kramt seine Belesenheit im Faust aus, aber da er für die einfältige Schülerrolle zu dumm war, hat er die dümmere des Mephisto gewählt. Mich dauert der arme Confirmand, dem wurde gewiß von all dem Zeug so dumm, „als ging ihm ein Mühlrad im Kopf herum." Die Broschüre ist, was sich aus ihrem langen Titel schließen läßt, nur 14 kleine Seiten stark und bringt als Anhang die Rede des Confirmanden, der auch gewaltig gegen Reform geifert, und man muß es dem jungen Helden nachsagen, daß er von seinem Lehrer was gelernt: er steht diesem an Ungeschicklichkeit und Verschrobenheit nur wenig nach. So will ich denn diese Broschüre Jedermann empfohlen haben, sie kostet blos 5 Sgr. Auf Entgegnungen „im Interesse der Sache" will der Verf. antworten! Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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