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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-03-15 · Heft 11 (15.3.1846) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 11 (15.3.1846)
Date
1846-03-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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85 wegungcn innerhalb des Zndenthums, das vornehme absichtliche Agnonren derselben geschwunden sein; mögen auch die Bestrebungen innerhalb der Juden nicht von großartigem Einflüsse gewesen sein und sein können, ein bedeutsames Moment allgemeiner geistiger Entwicklung bleiben sie doch, und am Ende ist es doch nicht aus , der Geschichte zu streichen, daß Spinoza ein Jude gej wesen und von Zugendeinflüssen aus seiner Glaubensj gemeinde zuerst angeregt worden, daß Mendelssohn,! wenn auch nicht ein Heros der deutschen Literatur, doch , von einem höchst veredelnden Einflüsse für dieselbe war, j daß man in der neuern Zeit gar manches ticfeinwirkende j Talent von gegnerischer Seite unter die Klasse der Iudenjungen rnbricirre. bis man ibm doch bald darauf die Anerkennung nicht versage^ konnte. Nur die volle bürgerliche Gleichheit, die einem jeden Kreise die rechte Entfaltung aller Kräfte gönnt, nur die freundliche gegenseitige Anerkennung, die auch die Eigentbnmlichkeit des Andern achtet und in der ungehinderten gegenseitigen Einwirkung die Möglichkeit einer immer harmonischer sich gestaltenden Annäherung zur Vollendung erblickt, nur sie begründen das Heil des Staates, fordern Wissenschaft und Humanität! Geschichte des Tages. Verschiedenes aus England. (London, mi Febr.) — Unsere Zeitungen machen bekannt, daß die Regierung noch in dieser Session eine Bill zur Abschaffung des Test-Eides auf den schottischen Universitäten ins Parlament bringen will. Zch führe dies mit Hinblick auf unsere Glaubensgenossen an. Dieser Test-Eid ist es, durch welchen es bis jetzt den Juden unmöglich geworden, sich auf schottischen Universitäten zu hadilüiren. Da nun die Entfernung desselben von der Regierung selber gewünscht wird, so wird diese Bill mit derselben Leichtigkeit durchgehen, wie dies bei der^enlsk disabilities-motioa der Fall gewesen. — Ein abermaliges Aufgeben des christlichen Staates. Nicht minder von Bedeutung ist das Gerücht, welches sich soeben verbreitet, als habe sich der Sohn des Hrn. Goldsmith als Candidai der Parlamentsstelle für Brighton gemeldet. Da der Resormfreund Goldstnith bekanntlich bei Peel in Ansehen steht, so dürfte vielleicht die Bermuthung, daß der Premier Herrn G. zu diesem Schritte aufgefordert, um so mehr Grund haben, als elfterer mit seinem Scepter alle Vorurtheile des Landes zerschlagen zu wollen scheint. — So eben ereignet sich hier unter uns Juden etwas, was man bis jetzt fast nur in der römischen Kirche erlebt. Es betrifft nichts weniger, als die Einsegnung eines jüdischen Ehepaares, von welchem die eine Seite orthodox und die andere minder altgläubig ist und eben deswegen der Chief- Rabbi dasselbe zur ehelichen Einsegnung nicht zulasien will, als bis der minder orthovore Theil sich zur Strenggläubigkeit bekehret. Dies erinnert fast an eine gemischte Ehe zwischen Juven und Juden. Doch das Faktum! Es ist folgendes: Ein junger Mensch, der West-Synagoge angehörig, wollte sich ehelich mit der Tochter eines Mannes verbinden, welcher ein Mitglied der Burton- Streat-Synagoge ist. Ehe ich weiter erzähle, muß ich Ihnen bemerken, daß diese Synagoge unter ihren Mitgliedern gewisse Reformen eingeführt hat, welche, so viel mir bekannt, blos rarin bestehen, daß sie den zweiten Tag £"■> nicht halten, bloß um wirklich den ersten wahrhaft feiern zu können, denn es ist den Leuten in der Thal um Religion zu thun. Außerdem sind einige Gebetsformeln geändert, beten aber in der hebräischen Sprache. Herr Marks, ein wirklich religiöser Mann, ist ihr Rabbiner. Bon der j Wahrheit und Nokhwendigkeit dieser Reformen sind ihre Anhänger aber der Art durchdrungen, daß sie von denselben nicht leicht ab-! lassen. Die Erzählung geht nun so weiter: Man wandte sich an j Dr. Adler, um den Bund selbst einzusegncn, oder einsegnen zu lassen. Aber nein! Der Geistliche legt dem Brautpaar, das sich darum persönlich an ihn gewandt, ein Papier vor, mit der die Gewissensfreiheit berührenden Bemerkung, daß sie nicht eher eingesegnet werden könnten, als bis sich beide unterschrieben hätten, daß sie sich beide in Zukunft einer der onhovoren Synagogen;uwenven und fromm leben wollten. Wie man hört, haben sie beide in ihrer Noth unterschrieben; man erfährt aber auch auf der andern Seite, daß die Durton - Street - Synagogalen es nicht dabei lassen wollen; sie wollen den Fall zunächst der Lesieinlichkeit und den Gerichtshöfen übergeben und alsdann ihn noch in dieser Session vor das Parlament bringen, welches endlich über die Rechte der jüdischen Dissenters entscheiden, jedenfalls aber hierarchische Nebergriffe in die Schranken weisen soll. Wie ein elektrischer Funke durchfuhr die Nachricht die Stadt, ja ganz England und, wie ich lese, selbst den Continent, daß Jsaac Cohen Esq. die irdische Laufbahn verlassen. Indem ich mir Vorbehalte, später von diesem fast sprüchwörtlich gewordenen Manne Ihnen mehr mitzutheilen, will ich jetzt blos erwähnen, daß er am!). Januar in seinem 54sten Jahre am Schlagringe plötzlich gestorben, sich um Entstehung und Forteristen; der meisten hiesigen Anstalten unter Juden sehr verdienstvoll gemacht, daß er zwar keine Kinder, aber die verwittwete Rothschild zur Schwester und Sir Moses Montefiore zum Schwager hat. Man

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