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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-03-15 · Heft 11 (15.3.1846) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 11 (15.3.1846)
Date
1846-03-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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S3 rität der heiligen wie der gekehrten genoß, in der hebräischen. Auch die Kenntniß von ihr war in den Zeiten der Barbarei den Juden Deutschlands abhanden gekommen, nicht so, daß ihnen die Wörter unverständlich geworden, sondem daß sie sie weder ihrem Geiste nach kannten, noch sie in ibrer Reinbeit zu bandhaben wußten, sondern sie mit allen Auswüchsen der Unwissenheit und Geschmacklosigkeit gebrauchten. Die jungen Männer, welche eine neuere Bildung in sich ausgenommen, welche jene damals im vollen Aufschwünge begriffene ästetbische Betrachtungsweise sich angeeignet hatten, entdeckten nun, besonders auch durch Herder und Eichborn angeregt, in dem ihnen vertrauten Schatze der Bibel, Reichtbümer, welche sie noch gar nicht gekannt, sie lernten sie auch von Seiten der Kunst würdigen, füblten sich zu künstlerischem Gebrauche dieser Sprache hingezogen, fanden aber auch zugleich in dieser Form das beste Mittel, die Gesammtheit zum Geschmacke zu erziehen und sie in die neue Welt einzuführen. Hatten sie in Mendelssohn ein großes Vorbild, sich Wissen und Füblen der Gegenwart anzueignen, so war ihnen noch ein anderes gegeben, das ihrem eigentlichen Zwecke sie näber zufübrte, nämlich Hartwig Wessely, geboren 1725, zuerst in Amsterdam, aber seit 1770 in Berlin, der weniger von den neuen Bewegungen angeregt war, aber an die verständigem Epochen im Jndenthume selbst anknüpfte, ein Mann von tiefer Innigkeit und dichterischer Genialität, der die hebräische Sprache meisterhaft handhabte und eben so gefällig wie glühend seine Gefühle in ihr ergoß. Schon Kaiser Joseph's II. Edikt führte ihn 782 auf den Kampfplatz. Die Bestimmung, daß Schulen gegründet werden sollen nach gesunderen Ansichten als bisher, hatte er mit Freuden aufgegriffen und er hielt sich für berufen, in einer kleinen hebräischen Schrift, betitelt: Worte des Friedens und der Wahrheit, seinen Glaubensbrüdern eine angemessene Erziehung zu empfehlen, vor zu frühzeitigem Unterrichte im Talmude zu warnen und auf Aufnahme derjenigen Unterrichtsgegenstände zu dringen, welche dem Menschen als solchen noihwendig seien. Ohne Hintergedanken, in vollster alter Frömmigkeit, aber eben der Bildung zugethan, war er durch diese unschuldige Ermahnung in einen Sturm hineingerathen, den polnische Rabbinen gegen ihn erregten, daß er einen heftigen Kampf zu bestehen hatte, der die strebsame Jugend nur noch fester an ihn knüpfte. Diese beiden Männer nun als literarische Häupter verehrend und ihres Beifalls sich erfreuend, in Isaak Daniel Jtzig in Berlin einen Mäcen findend, in David Friedländer einen eifrigen Förderer, der als Mitwirker und Gönner sie kräftig unterstützte, bildeten mehrere junge Männer in Königsberg, an ihrer Spitze Isaak Euchel, unter ihnen Joel Löwe und Aaron Wolfson, spater Professoren an der hies. kön. Wilbelmschule, eine Gesellschaft, eie sich zuerst die der hebräischen Sprachforscher, dann aber der Förderer des Guten und Nützlichen nannte; sie hatten offenbar selbst Anfangs das Mittel mit dem Zwecke verwechselt, waren aber bald zur richtigeren Erkennmiß gelangt, und im I. 1783 (mit dem Beginne des Jahres 5544 nach E d. W. nach jüdischer Zeitrechnung) stifteten sie eine Zeitschrift, die zuerst monatlich, dann vierteljährlich erschien, unter dem Titel: Ha-Meassef, der Sammler, in hebr. Sprache, zuweilen mit einer deutschen Berlage. Die Zeitschrift war weniger dem Jndenthume, der religiösen Entwicklung desselben, der theologischen Wissenschaft, der Reform, weniger den bürgerlichen Zustäntcrl der Juden, der Emancipation, gewidmet, als den Juden, deren Belehrung und Emporhebung, bestrebt, sie die Entfremdeten in die Zeit einzufuhren. Das Specififch-judischc an ihr wie die Form—, die hebr. Sprache —, die Anknüpfungspunkte, an die man die Gegenstände der Besprechung lehnte, diese Gegenstände selbst, der wesentliche Inhalt, waren ganz allgemeiner Natur, berechnet auf Bildung des Geschmacks, auf Wirkung der Empfänglichkeit für Wißen und Cultnr. Hebräische Gedicht des verschiedensten Inhaltes, und die damals so beliebten Naturdichtungen nahmen nicht den geringsten Raum ein, Uebersetzungcn und Nachahmungen Geßner'scker Idyllen, populäre Belehrungen aus dem Gebiete der Weltgeschichte, Naturbeschreibung und Naturlehre, Alles in fließendem Hebräisch, Räthsel und drgl. bildeten den größeren Theil; ihnen schlossen sich jedoch nüchterne Erklärungen von Bibelstellen, einzelne Biographien alter wissenschaftlich gebildeter jüd. Gelehrten, nicht auf neuen Forschungen beruhend, sondern alS Beispiele vorgeführt, und Mitrbeilungen wichtiger Zeitbegebenhciten an. Diese Zeitschrift nimmt eine Ausnahmestellung ein, wie die ganze Lage der Juden eine solche Anomalie bildete. Sie suchte vaterländische Bildung in fremdem Gefäße darzubieten, I neue Anschauungen im alten Gewände zu verbreiten

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