Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1846)
- Date
- 1846-03-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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49 aus dem Wege zu gehen. Mag der Rec. nunmehr seine Bahn weiter verfolgen, mag er ferner die Wissenschaft mißbrauchen, um persönlicher Gehässigkeit zu fröhnen, mag er ferner als Wegelagerer lauern, um eine Schwäche zu erspähen und mit vergifteten Waffen einzudringen, mag er ferner darauf rechnen, daß Verläumdung und Verkleinerung bei dem unkundigen Leser nicht ganz ihres Zweckes verfehlen werde, daß die Klatschsüchtigen an dem Skandale sich ergötzen, mag er im Schimpfen und in hämischen Verdächtigungen sein religiöses Ideal erblicken: ich bin zu sehr von der höhern Würde der Religion und der Wissenschaft erfüllt, als daß ich einem solchen Unwesen entgegentreten werde. Folge ein Jeder seiner Natur; es hat zu keiner Zeit an einem „Thersites" gefehlt. Breslau, 16. December 1845. Ueber die Principien eines dem gegenwärtigen Religionsbewußtsein entsprechenden Cultus. Von Pr. Holdheim. (Erster Artikel.) (Fortsetzung.) Es wird hier, wie in einer bürgerlich-socialen Sphäre, der primitive Naturzustand, die natürliche Hingebung des Menschen an Gott, zurückgedrängt, als ungenügend und ungültig erklärt und eine legale Form, eine legitime Verbindung, d. h. ein für alle Verbindungen zwischen Gott und den Menschen gleichgeltendes Symbol gefordert. Und diese Opferidee, um die es sich hier handelt, welche der Mosaismus aufstellt, wird Hr. Adler zugeben müssen, ist keine ewig wahre, da die der Stufe der Aeußerlichkeit entwachsenen Propheten gegen sie ankämpften. Wenn wir also, zumal bei unserem Glauben an den göttlichen Ursprung des Mosaismus, nicht annehmen können und dürfen, daß eine Lüge Jahrtausende, ja nur einen Augeblick im Judenthume festgehalten worden sei, so bleibt uns kein anderer Ausweg übrig als der, daß diese Opferidee, die einen äußerlichen Cultus zum Zwecke der Vereinigung des Menschen mit Gott als nothwendig hinstellt, welche im Mosaismus sich findet, von diesem selbst keinesweges als eine absolut, sondern nur relativ nothwenvige, d. h. für das der Stufe der Aeußerlichkeit noch nicht enthobene Israel als nothwenvige erNärt worden sei, daß Gott einen der Stufe geistger Erkenntniß angemessenen Cultus für Israel solange festsetzte als dieses auf seiner Stufe sich befinden wird. Da diese Opferidee aus unserem Bewußtsein wirklich geschwunven und da die Andacht, welche das Opfer begleitete, im Gebete seinen hinlänglichen Ausdruck findet, so ist eine verblichene Erinnerung an die Opfer, welche Hr. Adler vertheidigt, durchaus überflüssig. . Diese s. g. Anbequemungstheorie in der Weise wie wir sie auffaffen, glauben wir daher ftei von allen Vorwürfen, die ihr bis jetzt gemacht worden find. Wenn Bähr dagegen einwendet, daß das Opfer unmöglich solchen Vorstellungen von Gott feinen Ursprung verdanken könne, die dem obersten Princip des Mosaismus von der Einheit und Geistigkeit Gottes zuwider laufen, da MoseS selbst es sanctionirte, so antworten wir darauf, daß mit einem bild- und gestaltlosen, unsichtbaren, reingeistigen Gott sich auch nur auf unsichtbare geistige Weise in eine wahrhafte Verbindung treten lasse, und daß das Sinnliche nicht hlos als solches niemals eine rein geistige Verbindung vemitteln könne, sondern auch als Cultusform, in welcher es nicht in sich Zweck, sondern Bild und Darstellung übersinnlicher geistiger Verhältnisse ist, dem obersten Princip des Mosaismus von der Einheit und Geistigkeit Gottes schnurstracks zuwiderlaufenv sei. wie Bähr dieses für die höhere Stufe christlicher Erkenntniß, welche in Bezug auf die Geistigkeit Gottes gewiß keine höhere Erkenntnißstufe als die des Mosaismus ist, selbst zugesteht, daß ein sinnlicher symbolischer Cultus ihr nicht mehr entspreche. Wenn aber dessen ungeachtet nach dem Mosaismus Gott selbst das Sinnliche als Bild und Darstellung übersinnlicher geistiger Verhältnisse dennoch sanctionirt, so kann dies nur in seinem weisen Erziehungsplan für Israel, welches wie Maimonid. und Bähr befrievigend auseinandersetzen, nicht durch ein plötzliches, magisches Emporheben und Herausreißen aus der natürlichen Stufe auf eine höhere gestellt werden konnte, sondern durch eine allmählige Entwickelung erzogen werden mußte, seine genügende Erklärung finden. So gewiß aber das Objekt des mosaisch. Cultus ein unsichtbarer, übersinnlicher, reingeistiger, außerweltlicher, persönlicher Gött, dessen Wesen Helligkeit ist, der die Menschen durch die innigste Verbindung mit sich heiligen will, so gewiß läßt sich mit diesem geistigen Gott nur auf unsichtbare geistige Weise in eine wahrhafte Verbindung treten, so gewiß ist auch nur eine innerliche Anbetung Gottes im Geiste und in der Wahrheit dem geistigen Gott am entsprechensten und eben so gewiß sollte jener symbolische Cultus, in welchem das Sinnliche als Bild und Darstellung übersinnlicher geistiger Verhältnisse noch nothwendig war. nur so lange bestehen, als die ihn Begehenden auf der niedern Stufe geistiger Erkenntniß sich befinden. Wenn wir daher auch von der Richtigkeit unserer Ansicht, daß der symbolische Cultus des Mosaismus ursprünglich nur für das theokratische Verhältniß zwischen Gott und Israel, welches seiner Natur nach in Rücksicht auf die übrige Menschheit auch nur ein symbolisches war, eingesetzt worden ist, vollkommen überzeugt