Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1846)
- Date
- 1846-03-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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48 da er doch als mchtreligiöses Domment hätte aufbewahrt werden können, wamm schaffte man ihn gerade im Gegentheile ganz ab? Bei solchen unklarm Begriffen häufen sich natürlich die Schwierigkeiten in Massen. „Plausibel, fährt der Rec. fort, scheint mir aber die Erklärung des Berf. von Yub wnöff "010.1, daß dieses identisch sei mit Prosbul, indem die Eingangsformel des Prosbul so lautete ’JN ")D1D; jedoch bedarf dieses noch der Untersuchung." Zch will mir den fernem Dank des Rec. verdienen, indem ich ihm die Untersuchung erleichtere. Aus Sifre zu 5 M. 15, 3 (H Nr. 113), dessen Worte von der j. G. zu Schebi'ith mit kleinen Aenderungen angeführt werden, geht mit ziemlicher Bestimmtheit hervor, daß Beides als ein und dasselbe betrachtet wurde, und ein seltsames Mißverständniß ist es, daß in der Ausg. der jer. Ordnung Sera'im, Amsterdam 1710 diese Stelle durch den Text der Mischnah in der Mitte unterbrochen ist, so daß sie ganz unverständlich wird. Auch Raschi identificirt beide ausdrücklich, nicht bloS in der von mir in den Lesestücken angeführten Stelle, sondern auch zu Makkoth 3 b, wo auch das gänzliche Schweigen der Gem. von Prosbul dafür zu sprechen scheint, während Thoßafoth das. sich entschieden dagegen erklären, und indem Nachmanides zu Gittin sich Raschi anschließt, find Andere, wie Jomtob B. Abraham aus Se, Villa zu Makkoth gegen ihn, und in gleichem Sinne erklären sich fast alle Casuisten. Der grundgelehrte halachische Rec. hätte doch wenigstens einige Notizeo der Art über diesen Gegenstand geben sollen; aber er weiß leider Nichts davon und begnügt sich mit einer Phrase. Die Nr. 40, wo über Syriens Stellung zu den Bodengesetzen, über die innere Verschiedenheit zwischen Chilajim und 'Orlah, zwischen nr^n und Dns*D nTl und über deren Bedeutung gehandelt, und 41, wo das Verhältniß des Proselyten besprochen wird, übergeht wieder unser halachischer Rec. mit Stillschweigen, als eristirten sie nicht oder vielmehr zum Beweise, daß sie seine Sphäre überragen. Die Erklärung der über einzelne Wörter oder Buchstaben im Pentateuche befindlichen Punkte, wie sie zu Nr. 42 gegeben wird, nennt er „richtig"; aber damit ist zugegeben, daß die Mischnah die Anzeige eines Schreibfehlers oder einer verschiedenen Lesart zu einer weithergeholten Deraschah benützt, ein Verfahren, das von der b. G. und dem Bereschith rabba noch in größerer Ausdehnung eingeschlagen wird. Diese Concession aber, welche der gesunden Kritik gemacht wird, stürzt die Spinngewebe- Gebäude eines vorgeblichen Conservatismus ganz über den Haufen, und Alles, was dieser sonst vorbringt, ist eitle Redensart. — Die Nummern 43, in welchen das Verfahren der Neumondfeststellung erläutert, nachgewiesen wird, daß die Mischnah blos von einer Doppelfeier des Neujahres, nicht aber der andern Feste Kenntniß hat, eine Verschiedenheit zwischen der jer. und der bab. Gem. aufgezeigt und erklärt wird, warum die eine Einrichtung den Böothufiern, die andere den Samaritanern gegenüber getroffen werden mußte, und 44, wo die wahrhaft kuriose Verlegenheit aufgedeckt wird, in welcher sich die b. G. befindet, um sich auf ihrem Standpunkte die M. zurechtzusetzen, übergeht der gelehrte halachische Rec. wieder mit Stillschweigen, und wo der Rec. schweigt, da ist sicherlich für ihn ein sehr schlüpftiger Boden; allerdings, wo die Wahrheit so unwiderleglich spricht, muß die Lüge verstummen. Er springt behende zur letzten Nr. 45 und klammert sich an 3t<* paport, von dem er eine Stelle in hebräischer Sprache mittheilt — ohne sie in Uebersetzung zu geben. Jedoch, wo ich einen Rapaport als Gegner vor mir habe, mag auch die von ihm in diesem Streite versuchte Erklärung seinen Ruhm gerade nicht erhöhen, werde ich einem Grätz nicht antworten, der an ihn sich hinandrängt, mit Rapaport werde ich mich bald an andern Orten auseinandersetzen. Nachdem sich nun so dem Rec. der pomphaft unternommene halachische Kriegszug in einen schmählichen Rückzug verwandelt hat, wagt er gegen das nun folgende „Glossar" gar nicht mehr zu Felde zu ziehen, fix MV VTO ^3 jn ^xbü; er mäkelt noch etwas bunt herum und nimmt an einigen Ausdrücken Anstoß, die ihm obscön erscheinen, wie „Beischlaf" S. 34, „Wasserlassen" S. 54 oder „pissen" S. 133. Möchte der Rec. lieber sich vor moralischem Schmutze bewahren, als auf Umschreibungen oder Umhüllungen natürlicher Vorgänge bedacht sein, an denen nur erkünstelte Prüderei Anstoß nehmen kann!- Ich habe einen schweren Weg durchgemacht, durch Koth und Gestrüppe, und ich habe an den einsichtigen Leser dasselbe Verlangen gestellt; es hat mich Urberwindung gekostet, auf jene verworrenen Aeußerungen der Unwissenschaftlichkeit, der vulgären Bornirtheit und der bösartigen Verdrehung einzugehen, Ueberwindllng gekostet, der Verachtung nicht vollen Raum im Ansdrucke zu geben, welche mir der gänzliche Mangel an Gefühl für Wahrheit und Anstand, der Cynismus in Wort und That einflößt. Jenes Aufschnüffeln und Rapportiren, das Verschweigen und Entstellen, die ganze Art einer Recenfion, einem Buche von Seite zu Seite zu folgen, die Leistungen unberücksichtigt zu lassen, da, wo man einer andern Ansicht folgt, ein Hohngelächter aufzuschlagen, da, wo man einen Jrrthum entdeckt zu haben wähnt, mit dem gränzenlosesten Hochmuthe, mit knabenhafter Anmaßung über den Vers, herzufallen, den Leser zu blenden und die Fragen der Wissenschaft in den Koth zu ziehen — dieses unsittliche Verfahren ist mir ekelhaft, und deshalb mochte ich nicht gerne demselben begegnen. Aber ein Mal mußte es dennoch geschehen, es mußte einmal die ganze Gemeinheit und Hohlheit aufgedeckt werden, um dann für immer ihr