Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1846)
- Date
- 1846-03-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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8« kultät eine Petition zweier jüdischer Philosophie-Studirendcr um die Aufhebung des beschränkenden Statuts, wonach Juden das Phil. Doctorcramcn an hiesiger Universität nicht absolvircn können, warm bevorwortet an das Ministerium abgeschickt. Man hatte um so sicherer einen günstigen Bescheid erwartet, als die Fakultät durch die Bemühung ihres wackern Dekan, des Professor Bernstein, die Sache zu ihrer eignen gemacht, und als man überhaupt in den damals bevorstehenden Landtagsabschieden manches Saamenkörnlein der Freiheit auch für die Juden zu erhalten geglaubt hatte. Allein wie die Landtagsabschiede uns nicht nur unsere Hoffnungen getäuscht, sondern sogar für die Zukunft dieselben uns fast geraubt haben, wie sie durch einen plötzlichen Machtspruch die freundliche Aussicht uns genommen, so hat auch erwähnte Petition nicht den erwünschten Erfolg gebracht. Das Ministerium antwortete, daß es jetzt keine Veränderung in dieser Sache vornehmen könne, um den Berathungen über die Judenangelcgenheiicn, die jetzt vorliegen, nicht vorzugreifen, eine Phrase, die seit Kurzem Jedermanns Munde geläufig geworden iü. — Ich möchte nicht gern ein schlimmer Prophet sein und in trüber Besorgniß uns ein ttaurig Prognostikon stellen, aber ich kann der Zweifel, die sich mir aufdrängen, mich nicht erwehren. Was kann in der gcheimnißvollen Werkstatt, in der unsere Angelegenheiten seit Jahren schon geschmiedet werden, die mit einem trüben Dunkel sich umgiebt und nur zuweilen durch solche einstweilige Abfertigungen einen Rauchqualm von sich läßt, der uns wahrhaftig in die Augen schneidet und den Athem hemmt, was kann, frag ich, da Gutes für uns erwachsen, wenn man Bedenken trägt, ein so unscheinbar geringfügiges Gesuch, wie das um Promotionserlaubniß — was »beiläufig gesagt an den übrigen preußischen Universitäten gestattet ist — zu gewähren, aus Furcht, diese Gewährung dürste dem Resultat der Berathungen, die doch vor dem jüngsten Tage beendet werden müssen, widersprechen? Ist ein freundlicher sonnenheller Tag zu hoffen, wenn der Morgen ttüb sich erhebt und der Regen verdrießlich an die Fenstern plätschert? Doch diese bange Besorgniß um unser Sonderinteresse konnte uns nur einen Augenblick beschleichen, weil diese abschlägige Antwort des Ministeriums wirklich viele hiesige jüdische Studirende in die ttübe Lage versetzt, den Ort, wo sie ihre Existenz mühsam genug gesichert hatten, nunmehr zu verlassen, um zur würdigen Beschließung ihrer akademischen Studien nach andern Universitäten zu wandern, wo ihre Mittellosigkeit sie größtentheils neuen schwierigen Kämpfen aussetzen muß. — Sonst können wir um unser künftiges politisches Schicksal ganz ruhig sein. Die Zeiten haben sich gewaltig geändert. Vor wenig Jahren noch, als man recht gut freisinnig heißen konnte. obwohl man den Juden kaum mehr als Helotenrechte zuerkannte war es an uns, mit aller Kraft und Schärfe unser angeborenes Recht geltend zu machen, immer und immer für unsere billige Forderung das Wort zu ergreifen. Darum kämpfte damals unermüdlich der jetzt schweigsame Rieffer mit dem Schwerdt seines gewaltigen Wortes. Nun aber ist das anders. Der schlaueste Jcsuitismus wagt nicht mehr der Fahne des Liberalismus sich zuzuwenden, wenn er einem noch so geringen Theile der Geselschaft sein politisches Recht verkümmern will, der strotzenste Judenhaß muß sich in die Zwangsjacke der Liebe geduldig fügen, wenn er nicht zur Zahl jener Elenden gehören will, die die Freiheit als ein Privilegium nur für sich allein erkämpfen wollen. „Freiheit gewähren heißt ftei sein". Und so ist unsere Sache die Sache des deutschen Volkes geworden, sie ist nur ein winziger Theil desjenigen, was dieses im Ganzen erringen will. Wir müssen daher unsre Kräfte mit denen unserer Mitstrebenden vereinigen und so den großen Tag heraufbringen helfen, dessen Morgen schon fteundlich zu leuchten begonnen, und unfern Feinden zeigen, daß wir zur Geschichte und dem Geiste, der in ihr waltet, größeres und festeres Vertrauen haben. Wenn aber die Gegenwart unser gerechtes Hoffen vereitelt, so müssen wir uns mit der bekannten Resignation des edlen Mendelssohn trösten, als der große Friedrich ihm die Professur verweigerte, die die Akademie ihm angetragen hatte. — Um so ernster und eifriger aber müssen wir unserem religiösen Sonderinte.effe obliegen, uns von dem Geschrei der Thoren nicht zurückhalten lassen, die uns gern in Staub und Rost einsargen möchten. Wem die stickende Moderluft wohl thut, der sperre sich in einen Keller und stopfe die Löcher alle mit feuchtem Stroh zu, wir aber sind frisch und jugendlich und können der freien Luft des neunzehnten Jahrhunderts nicht entbehren.— Erklärung. An Herrn vr. S. Hirsch. Seit einigen Tagen bin ich im Besitze Ihres in N. 3 u. 4 des Literaturblattes zum Israeliten abgedruckten Sendschreibens an mich. Ich würde dieses Sendschreiben sogleich beantwortet haben, müßte ich nicht nach dessen Schlußworten erwarten, daß Sie, hochgeehrter Herr Doktor, noch einige Worte über den Schluß meines Aufsatzes mittheilen werden, was ich abwarten will. Sollten Sie es jedoch nicht für nothwendig oder gut finden, Ihrem Sendschreiben etwas hinzuzufügen; so bitte ich Sie höflichft, durch einige Worte in dieser Wochenschrift dieses zu erklären. Sic werden mir, verehrlicher Herr, im Interesse der Wahrheit diesen Wunsch gewähren. Hochachtungsvoll, Ihr ergebenster Joseph A u b. Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.