Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1846)
- Date
- 1846-03-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Dann aber «nd hauptsächlich müssen Sie mir versprechen, daß Sie meine Berichte nicht wieder so unbarmherzig verstümmeln, wze das erstemal. Ich markte nicht um ein Wort over einen Satz. Das wäre kleinlich und darauf kömmt es auch nicht an. Wenn aber ganze Stellen, die Ihnen als Rabbiyen etwa mißfällig sein könnten, ausgemerzt sind, wenn die ganze Eigenthümlichkeit der Mittheilung verwischt ist, so, daß ich selbst meine Arbeit nicht wieder erkenne, — wenn eine ganze Gedankenfolge heinilich und meuchlerisch gemordet ist, so schreit so vieles unschuldig vergossene Blut um Rache zum Himmel..... Haben wir denn noch die er. sten Anfangsgründe der Publizistik mit einander durch zu machen, gleichsam die leitenden Grundsätze des Völkerrechts und intermationalen Verkehrs in der Presse, ohne welche der Zustand derselben ein Zustand der vollkommensten Rechtlosigkeit sem würde? — Stellen, welche die Darlegung eines Priucips enthielten, haben Sie unbarmherzig gestrichen, andere, welche bloS dazu dienten, den Zusammenhang herzustellcu, haben Sie begnadigt. Sind das Vernunftgründc? Genügt es nicht an einer Censur? Wozu deren zwei? — Aus einem Getränk für Männer, das auf der Zunge brennt und den Magen säuert, ist unter Ihren gewandten Händen etwa» Mandelmilch geworden, und ich konnte Sie bei jedem Gerichte als Weinvcrfälscher verklagen, — Ich verstatte Ihnen, mir meine Mittheilungen jedesmal, wenn solche Ihren Ansichten nicht entsprechen, als „zur Aufnahme in Ihr Blatt nicht geeignet" zurükkzusenden, ich verstatte Ihnen, denselben so v.ele Berichtigungen, Entgegnungen, Widerlegungen, als Ihnen beliebt, nachzuschicken, ich verstatte Ihnen, denselben bei jedem Schriue der Anmerkungen lähmendes Bleigewicht an die Füße zu hängen. Befindet sich dadurch der Redakteur nicht schon in einer hinreichend bevorrechteten Stellung dem Corrcspondenten gegenüber? Doch zu etwas Andern,, was von allgemeinerem Interesse ist. Aus London schreibt man mir über Dr. Adler: „ Er predigt jeden Sonnabend in der deutschen Sprache vor einem Haufen Lumpengesindel, das die Mäuler weit aussperrt' kein Wort verstehet und ganz entzücktast, einen Raas zu haben, der goldne Schnhschnallen trägt. Um nun bei seinem Regierungsantritt, wie herkömmlich , etwas Neues und Ersprießliches zu tiiun haben Sc. Wohlehrwürden verordnet: 1) Alle Hinterviertel von Ochsen und Schaafen, die früher, was man nennt, geporscht werden durften, sind zu essen ver- 2j Wenn Brautpaare vor Sr. Wohlehrwürden erscheinen, um sich einsegnen zu lassen, so muß die Frau den Kopf so bedecken, daß kein Haar sichtbar ist, sonst wird die Einsegnung verwagert. Die deutschen Juden können sich etwas darauf zu gur thun. einen so aufgeklärten und würdigen Seelsorger ihren Landsmann zu nennen? Und Ihr seid dumm genug in Frankfurt, ein solches Licht für Fremde leuchten zu lassen!" Bemerkungen der Redaction. Unsere Antwort auf die obigen Anklagen braucht nur eine kurze zu sein, nämlich: wenn eine Redaction besteht, so muß sie ja wohl auch das Recht haben zu revigiren, d. h. das ihr M.tgetheilte dem Zwecke uuv der Stellung ihres Blattes conform zu machen, und zu dem Behufe Einzelnes abzuänderu, oder ganz wegzulassen. Mit Gegenbemerkungen ist es nicht immer abgethan, sowie umgekehrt dieselben nur selten angebracht werden dürfen, da ja gerade in der Zulassung der verschiedensten Ansichten und Auffassungsweisen, wenn sie nicht geradezu der Tendenz des Blattes widersprechen, der wesentliche Beruf der Journalistik besteht. Aber diese so einfachen und anderwärts längst anerkannten Grundsätze scheinen vielen Coresponvenien jüdischer Zeitschriften, noch nicht klar geworden zu sein und unser Frankfurter □ Correspondent steht daher in dieser Beziehung durchaus nicht isolirt da. Umgekehrt scheint das Publicum wieder dem Revacteur eine größere Verantwortung ausbürden zu wollen, als es sich von Rechtswegen gebührt. Auch davon haben wir schon mchere Beweise gehabt und währendBunser geehrter □ Corresponvent meint, daß der Revacteur sich durch Anmerktingen genügend verwahren könne, haben es noch kürzlich einige Leser sehr übel vermerkt, daß wir eine Aeußernng über Consirmation von unserem Frankfurter / - Correspondenten haben passiren lassen, obgleich wir die Art und Weise derselben ausdrücklich gemißbilltgt haben. So haben die Redakteurs der jüdischen Zeitschriften, wie mit vielem Anderen, so auch mit ihren resp. Correspondenten und Lesern zu kämpfen, und wenn sie zufällig Rabbincn sind, auch noch mit ihren ehrenwerrhen Anitsbrüdern. Denn — daß wir es bei dieser Gelegenbeit sagen — auch ein Theil von diesen ist gar empfindlich, und siebt es namentlich als eine Verletzung collegialucher Pflichten an, wenn irgend etwas Tadelndes geg^a sie ausgenommen wird. Und roch sollten gerade die den: Fortschritte angehörenden Rabbinen am weitesten davon entfernt sein, eine Immunitätsbill für sich in Anspruch zu nehmen, sie. welche gegen jede unbefugte Autorität ankämpfen, und für ihre Bestrebungen kein anderes Recht in Hinspruch nehmen, als das der Wahrheit und Ueberzeugung. Die Promotionen der jüdischen Stirdirenden in Preußen. VPs Breslau, im Februar.) - Es ist zur Zeit in dussen Blättern miigctheüt worden, daß die hiesige vhi.vwvhische Fa