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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-03-08 · Heft 10 (8.3.1846) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 10 (8.3.1846)
Date
1846-03-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Noch in der Ferne. Jedenfalls hat der Plan vieles für sich, da Susser-Hall, wo das Institut sein Leben hat, im Ccntrum der City liegt, mit einer Mischen und klassischen Bibliothek bereits versehen ist und für das hebräische.Fach schon längst einen Lehrer gewonnen hat. Was besonders der Sache einen Vorschub leistet, ist, daß der Chief-Rabbi, von den verschiedenen Synagogen- Vorstehern und der jüvi chen Presse dazu ausgcfordert, sich vcs geistlichen Seminars annimmt, welches er aber auch für Lehrer erweitert unv von Suffer-Hall getrennt wissen will. Wie fast säumuliche öffentliche unv gemeinnützige Anstalten der Residenz, wird auch das Institut durch Privatbeiträge errichtet unv unterhalten werden. Es wird binnen kurzem schon ins Leben getreten sein.— Nachdem ich Ihnen die zwei Hauptwendepunkte, welche in dem Leben der englischen Iudenschasc früh oder spat bedeutende Veränderungen Hervorrufen werden, ihren Hauptzweigen nach hervorgehoden, gehe ich auf einzelne Vorkommenheiten über, bei welchen ich mich kurzer fassen, ja nur das Faktische davon angcben werde. — Es Hai sich hier eine Gefelschaft eigner Art gebildet; sie nennt sich Ausbildungs-Verein. Der Verein ist nicht minder eigen als merkwürdig: eigen, weil die Geschichte des Iudenthums und der Iuvenheit gewiß noch keinen Verein von dieser Natur auszuweisen hat, merkwürdig, weil er zeigt, wie selbst in dem fernen England diese zweideutige unv wohl und iblische Cermonial-Bestimmung, welche jedenfalls mehr in vas medizinische als in das religiöse Leben des Menschen einschlägt, in Verfall gekommen sein muß, da man ihm von außen zu Hülfe eilt. Das Schächter-Geschäft schemt auch schon hier ein so schlechtes zu sein, daß nicht leicht Eurer sein Lebensglück darauf begründen zu wollen geneigt ist, und noch weniger für dessen Erlernung Geld ausgeben will. Daher läßt die Gesellschaft das Schächten gratis lehren unv verspricht noch überdies dem Lernlustigen für sein künfttges Unterkommen möglichst Sorge tragen zu wollen. Auch hat sie ein Circular durchs Land geschickt und durch die Zeitungen bekannt machen lassen, um sich Candiraten dazu zu verschaffen, um die D’ünw auf einen grünen Zweig zu bringen. Eine schon mehr im Geiste der Religion getroffene Einrichtung scheint die zu sein, daß sammtliche Synagogen der Stadt mit einer Laubhütte künftighin versehen werden sollen, damit, wer will, dieses in den Begriff der Religion fallende Gesetz möglicherweise auszuüben in den Stand gesetzt wird. Auch ist mit Lob zu erwähnen, daß eine unserer Synagogen seit den letzten Feiertagen in dem sogen. TYWy ruUDt? anstatt D’tny uaW’ sagen läßt: D’jjfin. Daß iu den meisten der hiesigen Gotteshäuser zur NN21N sich der Parnaß stellt, erwähne ich blos nebenbei, da hierzu kein großer resormatorischer Geist, vielleicht gar kein Geist gehört. — Der deutsche Rabbi pre. digt abwechselnd in den Synagogen deutschen Brauchs, hält aber seine Vorträge noch sofort entweder in der hebräischen oder deutschen Sprache; seine Freundin die „Volvo of Jacob" macht dieselben am Sonntag den Pfarrkindern dadurch genießbar, daß sie dieselben in ihren Spalten im englischen Idiom zu lesen gibt. Was nicht ins Ohr dringt, muß das Auge aufnehmen, was nicht lebendig in den Geist dringt, soll als kodte Speise das Gcnrüth erbauen. Mir fällt immer dabei ein, daß Dr. Adler auf diese Weise ebenso gut in Hannover residiren und doch in London Oberrabbrner sein könnte; er braucht ja nur seine Predigten, die er in Deutschland hält, ins Englische übersetzen und nach England befördern zu lassen, Ware es nicht besser, wenn er nach Art der Alten, einen Dolmetsch neben sich stehen hätte! Jedoch müssen wir ihm eine gewisse Rüstigkni zusprechen, welche er unter Andrem auch in feinem ^£>>2 zeigt, den er allfonnabendlich im tSHlDH N'2 hÄt und mit vielem Eklat durchführt. In letzter Zeit fand eine Vorbeter-Concurrenz statt, wobei besonders das bemerkenswerth ist, daß die betreffende Synagoge einenCandidaten aus Leghorn kommen ließ, ohne daß er ungeachtet seiner Virtuosität den Sieg davon getragen hätte. Man beginnt auch schon hier Landskinder vorzuziehcn. Der große Rabbi läßt ein Circular durch's Land laufen in welchem er seine Hcilbefohlenen auffordert, daß sie doch recht hübsch altfränkisch fromm sein sollten, wenn sie irgend eine Aussicht auf den Messias behalten wollen. — Schließlich bemerke ich Ihnen noch, daß des seeligcn Rabbi Hirschels aus seltenen hebräischen Büchern und Mauuscripten bestehende Bibliothek auf die Veranschlagung des Hrn. vr. Adler für 300 Pfund Sterl. vom HO Bmön angekauft worden ist. Klagen gegen die Redaction. q (Frankfurt a. M. 13. Febr.) — Verehrfer Herr Redakteur! Zwei Dinge müssen Sie mir versprechen, wenn Sie wünschen daß ich meine Berichte fortsetze. Erstens, daß Sie in deren Aufnahme nicht wieder eine so lange Zögerung eintretcn lassen. Denn es gibt nichts Widrigeres, als den Ereignissen so spät und zögernd, wenn sie sich längst verkühlt haben, nachzuhinken. Eilt doch selbst der „ hinkende Bote " den Ereignissen voraus, und Sie wissen ja auch, was moutaräe aprcs lliuer heißt. Die Israeliten— die des neunzehnten Jahrhunderts freilich schon wenft gcr — haben ein entsprechendes Sprichwort, welches ich aber, der hebräischen Orthographie unkundig, nicht hersetzen will. Es ist dem Laubhüttcnseste und der in Begleitung des „Jcststraußes" (wie ein neuerer Rabbiner übersetzt,) dabei prangenden Frucht entnommen,

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