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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-03-08 · Heft 10 (8.3.1846) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 10 (8.3.1846)
Date
1846-03-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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als Träger der Wissenschaft zu ihrer Zeit und als Vermittler aller Hökern Bildungselemcnte für die Folgezeit anerkannt sind, weist uns daher die jüdische Literatur in ihrer damaligen Fülle und Vielseitigkeit, Energie des Gedankens und künstlerischer Form hin, nicht minder wird unsere Aufmerksamkeit auf die Provence von der Mitte des 12. Jghrhunderis bis zum 14. gelenkt. In der Mitte zwischen den übrigen Theilen Frankreichs und Spanien, von beiden influirr, rc. bemüht, sich die Unabhängigkeit zu bewahren, fühlt die Provence damals die Gegensätze einer streng kirchlichen Orthodoxie und einer freien heiteren Bildung in sich walten und ringt nach Versöhnung, nach Lösung dieses innern Kampfes; mehr vielleicht als sonstige Ueberreste aus jener Zeit sind die gewaltigen Geistesschlachten, welche unter den Juden der Provence um 1232 und 1304 über ererbte Autorität und Philosophie geschlagen wurden, die beredtsten Zeugnisse von der Höhe der Bildung, von der tiefen geistigen Erregtheit in jenem Lande, und daß mehr als tändelnde Dichtkunst dort blühte. Im 14. Jahrhundert erblicken wir Italien auch durch das Medium der jüdischen Literatur in dem Streben die Resultate der vorherrschenden Tbatigkeit in sich aufznnehmen, weniger den ganzen Ernst selbstständig in sich durcbzumachen, mehr in gefälliger Abrundung den anderswohergenommenen Stoff zu verarbeiten. Einer noch rascheren und reicheren Tbätigkeit begegnen wir im 15. und 16. Jahrhundert unter den Juden Italiens, wo die Bekanntschaft mit den Griechen, welche früher die Juden aus den Trümmern arab. Bildung knapp gerettet und vermittelt hatten, eine vielseitige Bildung weckte; mehr Gelehrsamkeit als Tiefe, mehr Reichthum der Aufnahme als selbstständige Durchdringung bezeichnet den Charakter dieser Epoche in Italien, welche dennoch auch eine gesunde Kritik anbahnte, die gelehrt, gründlich und freisinnig, wenn auch zaghaft war, als deren Begründer unter den Juden 'Asariah de Rossi (geb. um 1518, geft. Ende 1577) sich einen wohlverdienten Rubm erwarb. Nicht Deutschland, das den großen weltgeschichtlichen Hebel der Reformation anlegre, das der Erfindung der Buchdruckerkunst sich rühmen darf, zeigt uns eine Blüthe der veredelten Literatur unter den damaligen Juden; denn nicht der geistigen Klarheit, nicht höherer Bildung entsprang das große Werk der Reformation, sondern dem gesunden Gefühle, der Innigkeit des Gemüthes, welche sich gegen die Verderbnisse der Kirche auftehnten, und nicht die Reflexion bildete die reformatorischen Gehanten in Deutschland damals aus, vielmehr wurden sie bald nach ihrer ersten Ausprägung als fertige, unantastbare betrachtet, während der Socinianismus in Polen sich eine Zeit lang zu erhalten und zu entwickeln suchte und in Böhmen der Streit der Geister neben dem Streite der Waffen ein mächtiger war. In diesen beiden Gegenden gewahren wir auch im 16. Jahrh. eine kurze Blüthe der jüdischen Literatur, die sich zu rütteln und zu regen beginnt, aber bald schwindet, als Gewalt und List die geistige Bewegung niederdrückt und deren Träger vernichtet. In diesem Mangel an gesunder literarischer Frucht in Deutschland, dem Brennpunkte der Reformation, an reicher typographischer Thätigkeit in Deutschland, der Geburtsstatte der Buchdruckerkunst, während uns Beides in Italien, Polen und Böhmen unter den Juden mit Rührigkeit cntgegenrritt, liegt ein bedeutsames Moment zur richtigen Beurtheilung der damaligen geistigen Zustände in diesen Ländern. Die rasche Entfaltung der Literatur unter den Juden Hollands im 17. Jahrhundert ist dem freien Triebe dieses durch die Erringung seiner Selbstständigkeit geistig hoch emporgehobenen Volkes zu verdanken, und diese geistige Höhe, welche in der schnell angeeigneten glänzenden Gelehrsamkeit, in der freien religiösen Richtung der Ar mini an er sich kund giebt, erzeugte nicht minder unter den Juden Männer von Bedeutung, einen Menasse den Israel, der mit Cromwell verkehrte, Isaak Orbio, ltriel d'Acosta und vor Allen Baruch Spinoza. Die französische Aufklärung im 18 Jahrhundert vermochte den Juden keine Triebe zn entlocken, sie war zu wenig abstract im guten Sinne des Wortes, um alle Eigcnthnmlichkeiten in sich aufnehmen zu können, sie schloß sich zu sehr den gegebenen Zuständen an und batte ihren Standpunkt bald in deren Verbesserung gefunden; dem deutschen philosophischen Geiste gelang cs hingegen, wenn auch nicht eine so rasche Verwirklichung im Leben zu erzielen, doch den Prozeß in den Gemnlhern mit einer Nachhaltigkeit und Tiefe anzuregen, daß die Lösung der Probleme, wie auch in langer Vorbereitung, endlich von ihr ausgeden muß. Und daher in den Juden Deutschlands eine Bewegung, eine günstige Mitwirkung, wie sie unter ihren Glaubensbrüdern anderer Länder nicht gefunden wird, obgleich diese des Segens der Gleichstellung

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