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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-03-01 · Heft 9 (1.3.1846) · page 15

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 9 (1.3.1846)
Date
1846-03-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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43 durch eine nach ihm im Mosaismus typisch angedeutete symbolische Handlung, das Opfer Christi, ersann, und indem es sich des alten symbolischen Dienstes entäußerte, eine neue Symbolik in den Sacramenten der Taufe und des Abendmahls schaffen mußte, und da« her nur insofern die Entbindung von dem alten symbolischen Ceremonialvienst für den Juden zugeben zu dürfen glaubt, als dieser das Joch der neuen Symbolik auf sich nimmt, so erkennen wir darin einen wesentlichen Vorzug des Judenthums, daß es ohne jenen Durchgangspunkt auf gradem Wege die Symbolik des mo» saischen Cultus deshalb außer Kraft und Berbindlichkelt erklärt, weil dieser niedere, unvollkommene, sinnliche und symbolische Cultus ursprünglich nur für eine niedere unvollkommene religiöse Anschauung von Gott angeordnet war, für eine höhere Stufe geisiiger Entw:cklung dagegen, welcher er nicht mehr genügt und welcher ein höherer geistiger wahrhaftiger Dienst Bedürfniß ist, von Gott selbst nicht mehr geduldet wird. Wenn man auf obige Aeußerungen Bährs genau achtet und bei ihm auch zwischen den Zeilen liest, wird er seine Zustimmung zu dem Behaupteten schwerlich versagen können. „Ein sinnlicher, symbolischer Cultus", sagt er, „entspricht nicht mehr der Stufe christlicher Erkenntniß." Wie, fragen wir. wenn diese Erkenntnißstufe keine blos „christliche", wenn sie auch eine „jüdische" ist, soll ihr ein sinnlicher, symbolischer Cultus gleichwohl entsprechen? Nach christlich-orthodoxer Anschauung muß man sich allerdings die Berechtigung hierzu erst durch den christlichen Glauben erwerben; nach der philosophisch-historischen Betrachtungsweise, wie sie uns Bähr lichtvoll dargelegt, wird cs wohl genügen, den Consens hierzu bei ihr selbst sich zu verschaffen. j Wir haben hierdurch einen festen wissenschaftlichen Standpunkt j für unsere Ansicht von der nur relativen und daher nur tem-! porär gültigen Bedeutung des mosaischen symbolischen Cultus j von dem das Opfer zwar den Mittelpunkt bildet, der aber Loch j erst und in dem ganzen symbolischen Ceremonialgesetz seine um-! fassende Anwendung findet, gegen die jüdische und christliche Or- I thodorie, welche beide, freilich jede in ihrer Weise, vie Idee des i ' symbolischen Cultus. oder richtiger diesen selbst, als einen absolu-! ten und ewigen erklären mit hiil^inglichen Waffen vertheidigen , können. Sowohl die jüdische als vie christliche Orthodoxie müssen jede Annahme abwcisen, welche die Formen des mos. Cultus als blos sinnliche und schlechthin äußerliche erklären und bei der Gottheit, die an solchem äußerlichen Thun Wohlgefallen finde, eine despotische Willkühr voraussetzcn (S. More Nebuchim III. 37), i den, da ihr Meister nach ihren Zeugnissen dem symbolischen Cultus keinesweges entsagt hatte. die man an einem menschlichen Gesetzgeber als Tyrannei höchlichst mißbilligen würde, und daher zu einer sinnbildlichen Bedeutung, nach welcher das Innere, woran der geistige Gott allein Wohlgefallen finden kann, im Aeußerlichen nur seine Darstellung findet, ihre Zuflucht nehmen. Das Symbol kann aber nur in dem religiösen Bewußtsein und der Stufe seiner geistigen Entwicklung Wurzel und Anknüpfungspunkt haben und der Werth jenes kann nur nach dem Grade und der Beschaffenheit dieser bestimmt und bedingt werden; die relative Bedeutung des Symbols kann daher nicht bestritten werden. Und so sehen wir in der That, wie die jüdische und christliche Betrachtungsweise, sobald sie nur einer wissenschaftlichen, historisch-philosophischen Behandlung sich nicht ganz entzieht, in jene Spitze der Accomodationstheorie, die richtig aufgefaßt, nichts anderes sagt, als, daß Gott für Israel ein in der Stufe seiner geistigen religiösen Erkenntniß angemessenen sinnlichen symbolischen Cultus angeordnet, auslaufen. Da es nun!die Feststellung dieser in neuester Zeit auch von jüd. Gelehrten mißverstandenen und deshalb perhorrescirten Ansicht im Interesse der Wissenschaft zu thun ist, so wollen wir zum nähern Verständniß noch einige treffende Aeußerungen Bährs hersetzen, a uf die Gefahr hin, deshalb, weil wir diese Ansichten uns aneigneten, von den originellen Denkern der Nachbeterei beschuldigt zu werden. „Hat nun", hetßt es das. weiter, „die sinnliche Form des mos. Cultus zunächst ihren Grund in der dem ganzen Alterthum gemeinsamen, mit dem Entwicklungsgänge des menschlichen Geschlechtes überhaupt zusammenhängenden religiösen Anschauung, so kommt doch noch insbesondere dazu das eigenthümliche Verhältnis des israelitischen Volkes. Nach dem göttlichen Rathschluß und Erziehungsplan sollte dieses Volk der Träger der göttlichen Offenbarungen, der Vermittler der wahren Religion für das ganze menschliche Geschlecht werden, und aus ihm Licht und Leben für alle Völker kommen. Da nun alles Erziehen nicht plötzliches,*) magisches Emporheben und Herausreißen aus der natürlichen Stufe auf eine höhere, sondern nothwendig allmächtige Entwicklung ist, so erschien auch das Licht und Leben, welches sich von Israel aus über die Welt verbreiten sollte, nicht alsbald in seiner ganzen Fülle und-Vollendung, tn vollkommener Entfaltung, sondern es wurde als. ein Keim in.Israel niedergclegt, der sich nach uno *) Man vergl. die mit diesen fast gleichlautenden Aeußerungen bei Maimonid. More Nebuchim III, 32, der gleichfalls das Gleichniß der allmähligen Erziehung anwcndet: mrunri PN*?22i tfK» xim irrmrn mm isq 'm nihp rrucn je nesjc man joa mV? ♦mans -pnn hx isnn jo r\vsV 'd Na -«MOi c\sn2 n Vvnnff na Vd rrm

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