Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1846)
- Date
- 1846-03-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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30 meines Buches, den halachischen, gelenkt, als werde er in diesem seine volle Kraft meiner Ohnmacht gegenüber bekunden — als wäre nicht fast der ganze erste Abschnitt, wenn auch nicht auf halachische Resultate hinanslaufend, mit den verschiedenartigsten halachsschen Bestandtheilen gemischt — und am Schluffe seines zuletzt von mir besprochenen Artikels wie auch beim Beginne des nun uns in Nr. 49 vorliegenden spricht er Dies wieder mit einer Selbstgefälligkeit aus, die doch, selbst nachdem wir schon hinlänglich mit dem ganzen Gebehren des Rec. bekannt geworden find' einige Erwartungen erregt. Allein der Rec. hat fich wirklich selbst übertroffen; er trägt nun eine dreiste Hohlköpfigkeit zur Schau, die ganz verblüfft macht. Das erste Stück dieses Abschnittes, Nr. 33' übergeht er, weil es, wie er sagt, „nicht zur Halachah gehört." Seit wann gehören aber die Vorschriften über das Schema nicht zur Halachah? seit wann ist das tägliche Lesen des Schema', ja sogar die tägliche Erwähnung des Auszugs aus Aegypten, die nach talmudischem Standpunkte ein bibl. Gebot ist NI28 NnnwO, nicht mehr halachische Feststellung und der Haggadah zuzuweisen? Seit der Zeit, daß der Conservatismus ohne Halt und ohne Boden ist, angeblich auf talm. Standpunkte stehen will, aber denselben jeden Augenblick nach Belieben verläßt, das Alte angeblich verthcr'digt, aber dessen Stützen preisgiebt. Und wenn nun auch die besprochene Mischnah haggad. Inhalts wäre, verlohnte es fich da dem Rec. nicht der Mühe, zur Ehre und zum Preise der bab. Gem-, wieder eine Lanze zu brechen? Ach, über unsere ungläubige Zeit, die ihre Wirkungen auch in dem conservativen Lager verspüren läßt! Der Rec. scheint es auch nicht zu glauben, daß Elieser Ben Asariah', als er zu 18 Jahren den Patriarchenstuhl eingenommen haben soll, plötzlich ein langer weißer Bart gewachsen sei, um ihm ein würdevolles Aussehen zu geben; er scheint fich nicht einmal mit der rationalistischen Umdeutung des Maim. befreunden zu können, er glaubt eben das ganze Faktum gar nicht. Er kann daher auch nicht mit der b. G. annehmen, daß der in unserer M. vorkommende Ausdruck rw D’JDttf p2 bedeuten solle, er sehe zwar wie ein fiebenzigjähriger Mann aus, sei aber kein solcher, umsomehr, da ich zum Ueberfluffe noch die andern Schwierigkeiten hervorhob, welche dieser Erklärung entgegcnstehen, eine Stelle aus der Mekhlltha nachwies, wo dieftr Ausdruck eine ganz andere Bedeutung haben muß, zeigte, daß die j. G. den Satz anders auffaßt und auch Sakkhuth im Iuchaßin dem natürlichen Sinn folgt. Deshalb — schweigt der Rec. Aber die Ehre der b. G.? wird diese durch Schweigen gerettet? — Je. doch wir gehen zu den Stellen, über welche der Rec. redet, eben redet. Also wir nehmen Nr. 34 vor. Was ich „ein wenig breit einleitend zu dieser Stelle gebe", übergeht der Rec. wieder, der Rec. ist wirklich stark im „Uebergehen". Ich dächte, die allge» meine Anficht über die allmälige Entwicklung der Schulstreitigkeiten, die abweichende Auffassung der Toßeftha und der ihr folgenden Gem.. die Bemerkung, wie gerade durch die talm. Auffassung dieses Verhältnisses die Wahrheit der Tradition in Zweifel gezogen wird, dies Alles sei so wichtig, daß der sonst mit Worten nicht karge Rec. hier wieder hätte kritteln, retten und flicken sollen. Jedoch der Rec. schweigt; auch hier ist dem „Conservatismus" wieder der Athem ausgegangen. Aber auf den eigentlichen Inhalt dieser M. läßt er fich mit um so größerer Breite ein. Zn derselben ist nämlich ein Streit zwischen der Schule Schammai's und der des Hillel, wie die Sprüche auf einander folgen sollen, welche am Ausgange des Sabbaths mit den Sprüchen über die Mahlzeit Zusammentreffen, nämlich über das Licht, die Mahlzeit, das Gewürze und die Scheidung zwischen dem Heiligen und dem Profanen (so, nach der Schule Schammai's, nach der des Hillel hingegen folgt ver Spruch über die Mahlzeit erst auf den über das Gewürze). Wie nun dieser Spruch über das Gewürze hierherkömmt, ist eine Frage, die ich dort folgendermaßen beantworte. Es ist orientalische Sitte, nach der Mahlzeit Räucherwerk und Gewürze zum Wohlgeruche zu bringen und dafür ein Lob auszusprechen, am Sabbathe nun konnte Dies nicht geschehen, weil man da nicht mit Kohlen umgehen durste, sobald aber der Sabbath zu Ende war, konnte man fich des Räucherwerks wieder bedienen , ebenso wie des Lichtes, daher verband man auch diese Sprüche mit dem über die Mahlzeit und der Scheidung; aber über die Reihenfolge derselben find verschiedene Ansichten. Während nämlich die Schule Schammai's „die, wie es scheint, gewöhnliche Ordnung beibehält, auf den über die Mahlzeit den über das Gewürze folgen läßt, schließt die Schule H.'s dem über das Licht, dessen man fich erst durch den Ausgang des Sabbaths wieder bedienen kann, alsbald den über das Gewürze an. weil es gleichfalls erst jetzt wieder genießbar wird und läßt dann erst den über die Mahlzeit folgen." Ob man auch dann am Sabbathausgange den Spruch über das Gewürze sagt, roenm man auch nicht bei der Mahlzeit sich befindet, darüber spricht die M. nirgend fich aus, es bleibt zweifelhaft, und auch ich erwähne es nicht mit einer Sylbe; daß die spätem, die Baraitha'S und die Gemara's Dies als eine ausgemachte Sache annehmen, ist bekannt, und ich bin weit entfernt, Dies geradezu zu bestreiten, gebe im Gegenthelle an, daß nicht blos zur Weihe eines Mahles Wein und Gewürze gebraucht wurden, sondern, daß auch eine „jede häusliche Feier den Charakter eines geweihten Mahles annahm und mit Wein und Gewürze gefeiert wurde." Es ist daher wohl möglich, daß bereits die M.