Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1846)
- Date
- 1846-03-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Literatur-Blatt zum Israeliten des 18. Jahrhunderts. Enthaltend: Abhandlungen, Aufsätze, Reeenfioueu, literarische Aphorismen rc. rc. für die gefammte höhere Wissenschaft vcs Zuvcnthums, und unter Mitwirkung von Geiger, Holdheim, S. Hirsch, Jost, Rießer, Herzfeld, Wechsler, Maier, Reben stein, Stern, Dukes, Adler und vieler anderer Gelehrten redigirt und herausgegeben von ür. M. Heß, Großhcrzogl. Weimarichem Land-Rabbincn in Eisenach. srr. ih Sonntag den I. Marz 1840. i. Jahrgang. Literarischer Monatsbericht von vr. M. A. Levy. «Breslau. Januar.) — Broschüren und Flugschriften und die Thermometer der Zeit uns ihre größere oder geringere quanrilative Masse geben ihren Wärme - oder Kältegrad an, so wie ihre bunre Mannigfaltigkeit uns cm Bild von den verschiedenen Interessen darste-lt, die sse bewegen. Mögen die euer, in buntfarbigem Frühlinzskleide, die andern in aschgrauem Herbststaate aufirctcn, gleichviel, alle fordern und mit Recht den Eintritt in die Reihen ihrer Schwestern. der Zeitkinder Journale. um hier ein wenig zu plaudern und beplaudert zu werden, ehe Vater Saturn sie verzehren wird. — Ihr habt's gewollt, euer Wille geschehe! Nur herein! Lieber Leser, du lachst über den plumpen Gesellen, den Ritter von der traurigen Gestalt, Judenhaß mit Namen, heute unter der Firma „vr. und Prof. Ghillanr" angemeldet. Als treuer Cicerone will ich dir auch seine Rüstung beschreiben. Das ist mit einigen Worten geschehen. Sie besteht aus zusammengesuchten Lappen vom Trödler Eisenmcngersc Coinp. die heutigen Tages unserm Ritter noch so modisch stehen sollen, wie in weiland Urgroßpapa's Zeit. „Warum er so grämlich, und betrübt ausfieht"? Auch das sollst Du, l. L., erfahren. Kürzlich hat nämlich unser Ritter auf dem Turnierplatz der guten judenfrcsserischcn Augsburgerin (N. 224) recht zu paradiren versucht, da hat nun der wackere Kämpe A. Adler ihn so unsanft aus dem Sattel gehoben, daß er die Folgen des Falles wohl noch heute verspürt. — Es ist in der Thal posssrlich wie Adler in seinem Sendschreiben (Manheim 1845) mit Herrn Ghillani umspringt. „ Sie find ein ausgezeichneter Mann, verehrtester Herr vr., (so beginnt das Schriftchen) das müssen Ihnen selbst ihre Gegner zugestehen; ausgezeichnet, denn Sie haben das Besondere, das man sonst so selten trifft, daß fie hundert Mal eines und dasselbe Zeug Vorbringen können, ohne — natürlich sich selbst — zu ermüden; ausgezeichnet, denn Sie können in der größten Naivität immer von Neuem Gründe auftischen. die schon längst widerlegt sind, an deren Richtigkeit Sie also selbst schwerlich mehr glauben; ausgezeichnet, denn Sie suchen Ihren Ruhm darin, als advocatus diaboli aufzutreten. was nie Ruhm brachte und gewiß auch me bringen wird." — S. 9 läßt der Hr. Vers, den Dr. G. fragen, was denn die Juden sich bei ihren mit dem Geiste der Liebe und der Aufklärung unverträglichen Gebeten^ ächten? „Meine Antwort", so fährt A. kort, „ist ganz einfach — gar Nichts" — weil bekanntlich hebräisch gebetet wird und der größte Theil der Gemeinden kein Hebräisch versteht. Wie ist das möglich, werden Sie weiter ftagcn, wie kann man beten, ohne zu verstehen, was man betet? Sehen Sie. eine ähnliche Frage stelle ich schon lange in Bezug ans Ihre Person. Wie ist es möglich, frage ich schon seit mehreren Jahren, daß ein Mann, der viel Besseres zu thun hätte und viel Vernünftigeres leisten könnte, feine Kräfte damit vergeudet, ven ewigen Ankläger der Juden zu machen und immer das unnützeste Zeug von ver Welt dem deutschen Publikum aufwärmt." — Und in solcher humoristischen Weise, der aber auch nicht der tiefe Emst und die Indignation über jene lieblosen Anklagen fehlt, beleuchtet der geistreiche Adler die Weisheit des Hm. vr. G., eine Form, die uns die Lektüre derartiger Dinge zu würzen versteht. Diesem so unsaubern Ritter gegenüber, nimmt sich der Judenhaß in Frack unv Glacehandschuhen wohl etwas nobler aus, äußerlich wohl, aber um so empörter werden wir, wenn wir ihm ins Innere schauen. Nur Indignation kann der jüngst von W. v. Chezy verfaßte Roman: Der fromme Jude (4 Bde. Stuttgart) erregen, zumal er von einem Schriftsteller herrührt, dessen Name sonst keinen Übeln Klang in der Literatur hat. Schweigen darüber ist noch das beste Lob, Vergessen die edelste Rache. — Wahrlich, wer in