Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1846)
- Date
- 1846-02-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Literatur-Blatt zum Israeliten des 19. Jahrhunderts. Enthaltend: Abhandlungen, Aufsätze, Recenfionen, literarische Aphorismen rc. rc. für die gesammte höhere Wissenschaft des Zudenthums, und unter Mitwirkung von Geiger, Holdheim, S. Hirsch, Jost, Rießer, Hcrzfeld, Wechsler, Maier, Reden stein, Stern, Dukes, Adler und vieler anderer Gelehrten redigirt und herausgegeben von Dr. M. Heß, Großherzogl. Weimarschem Land-Rabbinen in Eisenach. Nr. 7, Sonntag den 15. Februar 1840. I. Jahrgang. Theo logische Bibliographie von l>r. M. A. Levy in Breslau. (Schluß.) II. Alrtestamentliche Geschichte. 1) Ern st Bertheau (Privatdocent, jetzt Prof, in Göttingen): Zur Geschichte der Israeliten. X. u. 452 S. Göttingen. 1842. Vcmdenhock u. Ruprecht. 2) H. Ewald: Geschichte des Volkes Israel bis Christus Erster Band (560 S) , Zweiter Band (XVI. u. 676). Göttingen. 1843 u. 45. Dietrich'sche Buchhandlung. 3) Casar v. Lengerke: Ken »an. Volks- und Religionsgcschichte Israels. Erster Theil, bis zum Tode Josuas. (X u. 710 S.) Königsberg 1844. Gebr. Bornträger. Nachdem seit Leo's geistreichen aber wenig gründlichen Vorlesungen über hebr. Geschichte, also über 16 Jahre, dieses Gediet der biblischen Wissenschaft fast ganz unbebaut gelegen, bringt uns die neuere Zeit drei ausführliche Schriften über vcn Gegenstand auf ein Mal. Die beiden letztern sind in großem Maaßstäbe angelegt, indem sie das Material nach allen hier in Betracht kommenden Rücksichten u. in größter Ausführlichkeit behandeln. Anders die erste Schrift. Diese in zwei Abhandlungen sich theilend will in der zweiten (*) nicht eine Geschichtserzählung im eigentlichsten Sinn des Worts sein, sondern sie machte so zu sagen das äußere Leben des hebr. Volkes, namentlich seine politischen Beziehungen zu andern Völkern, seine Handelsu. Verkehr- Verhältnisse zu ihrem Vorwurf, u. läßt die innere theokratischrcligiöse Entwickelung völlig bei Seite liegen; während die erste Abhandlung (über Gewichte, Münzen u. Maaße der Hebräer) einen für die Bedürfnisse der Bibelforscher zurecht gemachten Auszug aus Böckh'S großartigen metronomischen Untersuchungen liefert , der mit vieler. Umsicht angefertigt, sehr denkenswerth ist. — Ewald (dessen Geschichte in den angezeigten zwei Bänden bis zum Tode Davids reicht u. dem außer einem Bande archäologischer Untersuchungen noch ein dritter folgen soll) u. Lengerke beginnen ihre Arbeiten mit kritischen Untersuchungen über Entstehung, Zusammenhang u. das Alter der für die geschichtliche Forschung als Quellen geltenden gesetzlichen u. historischen Schriften des A. Ts.— In Rücksicht auf den Geist der geschichtlichen Anschauung stehen alle drei Männer auf demselben Boden, u. zwar auf dem Boden unbefangener freisinniger acht wissenschaftlicher Forschung u. *) Sie trägt die nicht ganz passende Ueberschrift: die Bewohner Palästina 's seit den ältesten Zeiten bis auf die Zerstörung Jerusalems durch die Römer. S. 117 — 452. Betrachtung. In Rücksicht aus die Ergebnisse gehen sie nicht weit auseinander, doch m die größere Selbstständigkeit auf Ewalv's Seite zu suchen, während namentlich Bertheau in den wichtigeren Momenten der vormosaischen Geschichte von jenem abhängig zu sein scheint. In den kritischen Ansichten über die Quellen (Pentateuch u. hist. Bücher) gewinnen Ewald u. Lengerke im Allgemeinen dieselben Resultate, welche die Kritik der neuern Zeit errungen hat u. von denen schon früher De Wette, Stähelin und Ändere Zeugniß abgelegt.haben. Nur in Einzelheiten gehen Ew. u. Leng, auseinander, so daß letzterer sich mehr an die genannten Männer anschließt , ersterer aber durch Annahme noch mehrerer Quellen, die jedoch schwerlich zu halten sein dürste, sich von ihnen entfernt. — Die vormosaischc Urgeschichte sieht sich in allen drei Werken sehr ähnlich. — Alle drei halten die Riesenvölker, welche vor den Kanaanitern Palästina bewohnen, für historisch beglaubigte Völkerschaften und die Autochthonen des Landes, während Andere in ihnen nur mythische Gebilde gesucht haben. Alle drei lassen die kanaanitischen Völkerschaften, aus deren Namen Ewald Notizen über ihre Lebensweise u, dgl. herauseregefirt, in dem er z. B. die Chitäer durch Thatbewohncr, die Cbiväer durch Binnenländer übersetzt — zu gleicher Zeit im Lande sein, was aber Movers in seinen unten anzuzeigenden Aussätzen schlagend als unrichtig nachgewiesen hat. Dabei läuft, namentlich bei Bertheau, die sonderbare Ansicht mit unter, daß die Canaaniter vom persischen Meerbusen kommend, zuerst Sivon in Besitz genommen u. sich von hier aus wie ein Keil unter die riesigen Auwchchonen hineingerrängt hätten, sie vor sich her nach Süden zudräugenv. — Nachdem sich auf diese Weise der Schauplatz vor unseren Augen bevölkert hat, welcher das Feld der Thaten des israelitischen Volkes zu werden bestimmt ist, werden wir nach dem Nomadenlande des letztern geführt. Ewald läßt die Hebräer aus Arpachsav (- Festung der Chaldäer Ur- Chasdim) stimmen. Nach den Söhnen Eder's zerfallen sie in Abkömmlinge des Peleg u. Joktan. Die Pelagiden zerfallen durch Therach in Abramiden (Amoniter, Moebrter) Rachoriden, Hauraniden. — Die Abraniven (Jsmaeliten u. Söhne der Katurah, denen bald die in 12 Stämmen zerfallelkoen Nahoriden folgen (Peleg, Ragho, Sarug, Nahor werden als Landschaftsov. Städtenamen gefaßt) wandern zuerst nach Kanaan aus. Nach längerer Zeit (vor rer 18. Dynastie bei Manetho gehen die nun mehr palästinensischen Abrahamiven (auch Jsraeliten) nach Aegypten (um das I. 2000 v. Ch.) u. erobern unter dem Namen Hyksos die Herrschet Aegyptens. Mittlerweile kommt ein neuer Zug Ebräer aus Arpachschad, die Jakoditen, aus dem Kern der 12 Stämme schon damals bestehend (S- 434) nach Palästina; sich mit ren zurückgebliebenen hebräisch - canämtischen Völkern vermischend, bis endlich in Josephs Nachkommen ein dritter Zug einwandert. Aus allen diesen Bestandtheilen bilden sich vollends die 12 Stämme heraus, jedoch so, daß zuerst die von Juda, später die von Joseph verlretcnen Abramiden die Obermacht gewinnen, u. sich mithin die nachmals so schroff in der Thei'lung des Reicks dervorirerenre Dualität schon in den allerersten Volksanfängcn zeigt. Mitten in der Zeit der hebräischen