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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-02-15 · Heft 7 (15.2.1846) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 7 (15.2.1846)
Date
1846-02-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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54 mit eia Compliment machten. Allein mit dem hiesigen Rabbinate ist nicht wie mit mancher Mühle ein Bannrccht verbunden, noch gehören die Confirmationev zu den Stolberechtigungen, und, materiell betrachtet, darf das Einkommen des Rabbiners nicht auf Kosten des Religions-Lehrers an der Schule vergrößert werden wollen; es reicht hin, daß sich die Concurrenz frei gegeben findet. H. Stein, welcher bei einer Vacanz sich früher selbst um diese Lehr-Stelle beworben, hätte sich fragen sollen, wie es ihm gefallen haben würde, wenn sie ihm zu Theil geworden, und nun ein Rabbiner mit einem solchen Anträge hervorgetreten wäre. Meint er auf solche Weise an Ansehen, Einfluß oder Macht zu gewinnen, ist es etwas, das man als hierarchische Bestrebung zu bezeichnen pflegt? Damit kommt er uns eben recht, und man muß gestehe», H. Stein versteht sich schlecht auf Zell und Ort. Allein man wäre nicht einmal im Stande seinem Verlangen zu entsprechen, wenn man auch wollte, dem Gemeinde Vorstande insbesondere wohnt eine solche Macht nicht bei; und nicht einmal auf eine günstige Aufnahme konnte gerechnet werden, wieH. Stein aus seiner Dienst-Instruction, welche ihm ausdrücklich und aus triftigen Gründen jede Einwirkung auf die öffentliche Schule versagt, hätte abnehmen können. Wir aber, die wir denselben ohne Vorliebe wie ohne Ungunst, und deshalb, wie wir glauben, richtig beurtheilen, wir wollen ihm keine unlauteren Beweggründe beimeffen, und finden, daß er der Meinung ist. thätig, rührig sein, auf seine Umgebung, seine Gemeinde, wie er zu sagen liebt, wirken zu müssen. Durch Natur, Wissen und Bildung auf Aeußerlichkeiten angewiesen, ist auf diese sein Absehen vorzüglich gerichtet; auch mag er seinem Worte besondere Gewalt über die Gemüther zntranen, denn Zuhörer für seine Predigten und Synagogal - Dichtungen, ein Publikum, ist das Ziel seiner Bestrebungen, ist alles, was er vorerst wünscht. Darum ein neues Haus, das die Leute anzieht, selbst eine neue Orgel in demselben, (im alten Hause kein musikalisches Instrument'.) einstweilen jährliche Confirmationcn mit Gesang, Musik und Rede; Kinder weinen, Mütter schluchzen, der Rabbiner segnet, allgemeine Rührung, ungeheurer Applaus; ein Schauspiel, welches H. Stein so gut wie einer in Scene zu setzen, und darin den Hauptact zu agiren sich befähigt erachten, und von welchem er sich großen Erfolg versprechen mag. Rabbiner Stein. □ (Frankfurt a. M. im December 1845.) *) Eine Sinekure ist die Rabbinerstelle in Frankfurt am Main eben nicht. Die Red. Lassen wir die allgemeine Complerion der Gemeinde, einem Rabbiner gegenüber, für jetzt bei Seite und verweilen wir einen Augenblick bei einigen der neuesten Vorgänge. Sie wissen, daß für die Schule (nicht Synagoge) der hiesigen Gemeinde, die sogenannte Bürgerunv Realschule, ein neues, dem erweiterten Bedürstnsse entsprechendes Gebäude aufgeführt, und daß dasselbe im Laufe des vergangenen Monats feierlich eingeweiht worden. Eine Beschreibung dieser Feierlichkeit liegt nicht in meiner Absicht, wäre nun auch verspätet, und ich berühre sie nur, soweit sie auf meinem Wege liegt. Zu dieser Feierlichkeit war Herr Rabbiner Stein eingeladen worden. Man sagt, daß dieses durch eine Deputation von drei Mitgliedern des Bau-Comites, also in bester Form geschehen sei. Er hat der Einladung nicht entsprochen. Warum? Weil er keine Funktionen bei der Schule bekleidet. Diese Weigerung und der dafür angeführte Grund haben natürlich viel zu reden gegeben. Es tritt hier eine Frage wieder ist den Vordergrund, welche schon bei der Anstellung des Rabbinen lebhaft angeregt und nur mühsam beseitigt worden,—wie denn in der Regel jeder Friedensschluß den Zunder zu neuer Kriegserklärung in sich trägt. Es ist die Frage: Soll dem Rabbinen ein Einfluß auf den Unterricht der Jugend zugestanden werden? Wer die hiesigen Zustände kennt, weiß, daß bei der Anstellung des Rabbinen diese Einwirkung von der einen Seite eben so beharrlich angestrebt, als sie von der anderen entschieden verweigert wurde, und daß die Instruction des Rabbinen ihn nicht in Berührung mit der Schule bringt, eine Bedingung, in welche er sich jedoch nur mühsam und widerstrebend gefügt haben soll, und gegen welche sein Nichterscheinen bei der Einweihungdcs neuen Schulhauses eine faktische Protestation zu sein scheint. Wenn auch dem Herrn RabbinenStein persönlich.keine hierarchischen Tendenzen zugcschriebcn werden sollen, so hat doch unläugbar der Vorstand der Gemeinde im Princip recht daran gethan, die Schule von der Synagoge getrennt zu halten. Man hat auch nicht vernommen, daß die Einweihung darum weniger feierlich gewesen, weil der Herr Rabbiner dabei nicht zugegen war; vielmehr ging alles in bester Ordnung von Statten. Aber ziemlich allgemein wurde dem Herrn Rabbinen der Vorwurf gemacht, daß er einer Höflichkeit eine Unhöflichkeit entgegengesetzt und dadurch zum erstenmale, und gewiß gegen feinen Willen, dem Verdacht Raum gegeben habe, als neige er zu hierarchischen Uebergriffen. Ja hin und wieder hat man die Einladung als überflüssig betrachtet. Allein offenbar geht man hierin zu weit, da ja die Einladung eine bloße Höflichkeitsbezeigung war. Aber, sagen die Anderen, es ist mit derCourtoifie eine eigene Sache. Die der Gegenstand derselben sind, *) Durch Zufall verspätet.

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