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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-02-15 · Heft 7 (15.2.1846) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 7 (15.2.1846)
Date
1846-02-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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der ungarischen Juden ist. Daß übrigens diese Gemeinde streng orthodor ist, versteht sich von selbst, und ihr hohläugiger Rabbiner entfaltet auch alle Anlagen eines Groß-Jnqm'sitors. Im übrigen großen Theile Niederungarns hakte ich theils nur eine siüchtige, theils gar keine eigene Anschauung; auch ist er zum Theil durch mehrfache frühere Berichte ziemlich bekannt geworden. Zm Ganzen näbert sich hier der jüdische Charakter wieder jenem rabbinisch - trockenen in Oberungarn, nur daß er äußerlich etwas abgcschliffener ist; dem pilpulischen Wahnsinn sind auch da große Narrenhäuser errichtet, wie zu Preßburg, Mako, Eisenstadt ü. A. Auch die radbinische Gerichtsbarkeit ist zum Theil noch vorherrschend, und besonders auf den Jahrmärkten sicht man die Rabbiner mit dem Choschen Mischpat unter dem Arme herumgehen: eine wandelnde und wandelbare Justiz! Unter diesen Gemeinden steht die zu Arad als ein wahres Muster da, diese unter der Leitung und väterlichen Pflege des ewig denkwürdigen A. Chorin herangewachsene und gebildete, eben so religiös aufgeklärte, als für die Interessen des Vaterlandes warm fühlende Gemeinde, die auch bei den Behörden und in der öffentlichen Meinung die verdiente Anerkennung findet. Sie hat das Rabbinat neuerdings mit Hrn. I. Steinhardt, einem eben so in der magyarischen, als in der deutschen Sprache gewandten jungen Manne besetzt, dem cs zu wünschen wäre, daß er sich lieber den einfach und prunklos, aber von der edelsten Gesinnung durchdrungen gewesenen Chorin, als manchen phrasenreichen, aber charakterschwachen und dem Schaukelsystem hingegebencn Rabbiner znm Vorbild nähme. Hr. Steinhardt ist der einzige ungarische Rabbiner, der das Judcnthum in der magyarischen Presse auf würdige Weise zu vertreten vermöchte, und es stellen sich daher die Anforderungen an ihn um so höher. — Auch Groß - Canisa mit seinem sehr wakkern Rabbiner, Hrn. Lön, ist eine wokllhuende Erscheinung, die ihren Hauptzügcn nach genugsam bekannt ist. Besonders erwähnenswerth ist der veredelte Gottesdienst, den auch schon eine Orgel ziert. Weniger kann Pefth mit seinem Rabbiner befriedigen, wobei ich mich nicht länger aufhalten mag. — Auch in den Gemeinden zu Szegedin, Komorn, Palota u. A. ist bereits der bessere Geist erwacht; hingegen ist in den großen Gemeinden zu Nagy-Gyarmatb, Baja, Paks u. A. noch Alles auf dem Gefrierpunkte. So zeigt sich uns nun das ungarische Israel großentherlö in den Entwicklungsprozeß des Judcnthums hinein - gezogen, der die erstarrten Glieder immer mehr mit frischen Lebenskräften durchtränkt und erkräftigt, und wenn r'Km nur nicht gewaltsam die Nerven gelähmt oder unterbunden werden, so läßt sich sein baldiges Auferstehen und ftlbstthätigcs Eingreifen erwarten. Ein solcher Lühmungsversuch hat aber erst jüngst stattgefunden, der aber hoffentlich nur eine wohlthätige Erschütterung und raschere Bewegung bewirkte; ich meine jene Rabbinerversammlung zu Paks, die Antipodin und schwarze Folie der erleuchteten zu Braunschweig. Von beispielloser Verblendung bclkört hat sie ihre verkehrten Zwecke gänzlich verfehlt und nllr neue Schmach bei? uttganswen Juden bereitet und den Spott der Feinde geschärft, so daß man nicht von ihr sprechen kann, ohne von bitterem Schmerzgefühl durchdrungen zu werden. Ganz unschädlich sind aber ihre Unterschriften auf dem bekannten Briefe gegen die deutsche Rabbiner-Versammlung; in Deutschland weiß man diese Leutchen zu gut zu würdigen, als daß da ihr Schimpfen oder Loben irgend eine Bedeutung gewinnen könnte. — Und so will ich nun diese Skizze hiemr't schließen, indem ich mir noch Vorbehalte, ber freierer Muße die literarische Thätigkeit der ungarischen Inden in neuester Zeit in einem übersichtlichen Bilde darznstcllen. Geschichte des Tages. Die russischen Juden. (Eisenach im Febr.) Es ist uns der Besuch eines hochgestellten russtschcn Beamten geworden, der, wie er versichert, mit den Verhältnissen der russischen Juden vollkommen vertraut ist. Er gestand, daß wenn das.wirklich so sei, was einige Blätter über die Bedrückungen der dortigen Juden berichteten, dieselbe nicht nur das lebhafteste Mitleid ihrer Glaubensgenossen, sondern die thätigste Hülfe aller Menschenfreunde verdienten. Allein er widersprach all' dem ans das Bestimmteste. Es liege eben so wenig in der Absicht der Regierung, die Million Juden mit Gewalt zu vernichten, als ihr solches gegen die in gleich großer Zahl vorhandenen heidnischen Tataren in den Sinn komme. Dem widersprächen auch die neuen Verordnungen über Errichtung und Erweiterung von jüdischen Schulen, über die den gebildeten Lehrern und sonst sich auszeichnenden Juden

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