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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-02-15 · Heft 7 (15.2.1846) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 7 (15.2.1846)
Date
1846-02-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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51 men wollte. Die 11 Männer beauftragten nun vorläufig den greifen Beglaubigten mit der Trauung, die dieser auch einmal vollzog, was aber die Flammen noch mehr anfachte. Die Rabbinerpartei protestine jetzt gegen die Wahl der Elf, als welche von der ganzen Gemeinde ansgeben mußte, sowie auch die 1t verhältnißmäßig an Zahl zu gering wären; sie brachten endlich die Sache vor die Comitatsbebörde, die sich auch in einer zablreichen Session versammelte, und nachdem beide Parteien mit vielem Interesse angehört und die erbärmliche Denkweise der stabilen Männer kund geworden, dnrchdrang eine fast begeisterte Stimmung die Gerichts- Versammlung und auch die offenkundigsten Judenfeinde, die ihren Adel darin finden, daß sie bei jeder Gelegenheit die Inden verächtlich behandeln, konnten sich der Anerkennung der trefflichen Gesinnungen und Bestrebungen der gebildetem Juden nicht erwehren. Doch mußte, zumal da bedeutende Sachwalter an der Rabbinerpartei hielten oder gehalten wurden, das formelle Recht dieser Partei berücksichtigt werden, und nach vieler Mühe kam endlich der Vergleich zu Stande, daß noch 10 Männer von der gesammten Gemeinde gewählt werden sollten, hinsichtlich der Trauungen aber es bei der einmaligen Beschlußnahme verbleiben müßte, jedoch mit der Modifikation, daß die Dorfbewohner und der Obcrcheil des Ortes von dieser Bestimmung ausgenommen seien Die bald darauf stattgehabte Wahl fiel, trotz der Umtriebe der Rabbinerpartei, fast ganz zu Gunsten des Fortschrittes ans. Es sollte nun vor Allem eine Schule errichtet und dann auch ein klassisch gebildeter Religions* lehrer und Prediger berufen werden; es entsprechen jedoch die Maßnahmen den Erwartungen nicht und es zeigt auch diese Gemeinde, wie viel ein sonst ganz thatloser Rabbiner doch schaden kann. Es sind in St. Nicolau viele gesunde Elemente vorhanden, und es bedarf nur der kräftigen Hand, die sie zu einem Ganzen vereinige; jetzt aber werden sie nach jeder angeftrebten Vereinigung durch die Schwere und Schwüre des Rabbiners wieder auseinander gedrückt. — Es besteht hier auch seit mehreren Jahren ein jüdischer Leseverein, durch den viele Funken von Deutschland hinübersprühen, die zwar die eisige Kruste, die das namentlich in kleineren Orten zum gedanken- und bewußtlosem Getriebe herabziehende Geschäftsleben um viele Herzen gezogen, nicht immer zu schmelzen vermögen, aber doch manche Lichtpunkte zurücklassen; er befördert auch eine unbefangenere jüdische Bildung und erregt auch Manchen zur Erstrebung höherer und vielseitiger Wissenschaftlichkeit. Doch könnte in der Auswahl der Schriften eine größere Sorgfalt angewendet werden, und es wäre namentlich der pietistischeu Richtung weniger Raum zu gestatten. Ungleich geringere Bildung herrscht unter den zahlreichen Juden des angrenzenden Arvaer Comitats, die zwei Hauptgemeinden mit besondern Rabbinen in Also-Rubin, Hanptort des Comitats, und in Namestova bilden; es ist aber viel guter Wille vorhanden, und es wird auch an der Gründung einer Lehranstalt gearbeitet. '— Ein dunkleres Verhaltniß findet im Thurotzer Comitat statt, wo der Rabbiner in Martin zu den gebildetengezählt werden will, es aber über ein Paar verdorbener deutscher Brocken nicht gebracht hat, die sein närrisches Wesen nur noch lächerlicher machen. — Etwas lichter sieht es im Treutschiner Eomitat aus, wo mehrere Gemeinden mit besondern Rabbinen eristiren, von welchen letztem einige ganz altmodisch geblieben, andere wieder etwas moderne Wörter im Munde führen, das Herz und die Augen aber wie jene verklebt haben. Im Einzelnen herrscht auch eine freiere, nur etwas von voltairischer Oberflächlichkeit aufgeblasene Bildung, und hie und da, wie zu Bitsch und Rajetz wird auch dem Mangel öffentlicher Schulen durch Privatauftalten so viel als möglich abgeholfen. In der ersteren Gemeinde ist auch ein unter den Juden dieser Gegenden seltener Sinn für Kunst, namentlich für Musik, anzutreffen. — Wir tre-! ten nun in das größte und daher auch von Juden stark! bevölkerte Eomitat, in das Reutraer, wo die Juden sich } in zwei größere und mehrere kleinere Gemeinden thcileu; die größere zu Neustadt strebt schon der neueren Bildung zu, nur hat sie sich, wie dies in Ungarn so oft geschiebr, in dem Rabbinen sehr betrogen. Er wurde zu jener Zeit angestellt, als man es in Ungarn noch zu den Wundern rechnete, einen Rabbiner etwas Deutsch sprechen zu hören. Er opfert die heiligsten Interessen der Gemeinde seinem schmutzigen Eigennutz, und von den Talmndisten und den Gebildeten gleich verachtet, will er den ganz rohen Haufen für sich gewinnen. Aber ein einzig dastehendes und daher um so traurigeres Beispiel von sittlicher Verderbtheit bietet die große Gemeinde zu Neutra dar; sie besteht großentheils aus einem verworfenen Diebesgesindel, das ein Schandfleck

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