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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-02-15 · Heft 7 (15.2.1846) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 7 (15.2.1846)
Date
1846-02-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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50 dieser das praktische Gebiet für ibren verdrehten pilpulr'schen Geist suchen. Der Kramerei einmal hingegeben, versinken sie immer tUer in dieselbe, und sie beflecken sich auch bald mit dem den Rabbincn der früheren Zeit so fremden Laster der Simonie, sowie sie sich auch oft ihrer Gerichtsbarkeit zur Erspähung willlommener Handelsgeheimnisse bedienen, sodaß viele Rabbinen Oberungarns im Reichthum schwelgen. — Noch muß ich zweier von Juden reichbevölkerter Comitate erwähnen: das Saroser und das Zipser, in welchem erstcrn drei Hauptgemeinden mit eigenen Rabbinern sind, nämlich: Sebes, Pechy - Neudorf und Zborova. Die drei Rabbiner versammeln sich alljährlich in Eperies, Hauptstadt des Comitats, zur Schlichtung der wichtigem Prozesse und Gemeindeangelegenheiten, wobei auch der Obervorsteher Rosch - Medinah genannt, jetzt der vielseitig gebildete L. Holländer assistirt, um die dreiköpfige Hierarchie im Zaume zu halten, was ihm jedoch nicht immer gelingt. Herr Holländer erwirbt sich auch als Depmirter der ungarischen Juden zur persönlichen Verwendung bei der Regierung und den Reichsständen für die Verbesserung der jüdischen Zustände vielfache Verdienste; nur ist es zu bedauern, daß ihm die Vertrautheit mit den inner» jüdischen Bestrebungen und Bedürfnissen der Neuzeit obqebt, daher er in dieser Beziehung manchen Mißgriff macht, wohin namentlich seine zu spät bereute Berufung eines wahnbefangenen Chasstoäers zum Rabbinate in Pechy-Neudorf gehört. Dieses hat er jedoch wieder dadurch gut zu machen gewußt, daß er einen Prediger Namens Schiller, in Eperies, trotz der heftigsten Bannbullen der Rabbiner, angestellt, der mit vielem Beifall und unter großem Zudrange der Zuhörer aller Confessionen predigt; Hr. Holländer betrieb es auch anfangs angelegentlich, daß dieser Prediger zugleich in der jungen, ungefähr 100 Familien zählenden Gemeinde zu Raschau, der Hauptstadt Ober - Ungarns , angestcllt würde; er konnte aber bei diesem zusammengelaufenen Volke nicht durchdringen. — Im Zipser Eomirate bat sich die Hauptgemeinde in Unsdorf, einem ganz unbedeutenden Dorfe, gesammelt, indem die Hauptstadt des Comitats Leutschau, als k. Freistadt, den Juden bis zum vorige» Reichstage verschlossen war. Iw dieser Gemeinde bat sich noch der ganze mittelalterliche Schmutz erhalten; sie besteht größtentbeils aus armen Hausirern, die, ob ihnen gleich die Städte nun geöffnet sind, doch lieber auf dem alten Flecke bleiben. Eine prachtvolle Synagoge, die zum Theil an der Verarmung der Gemeinde Schuld hat, ist ihr Anziehungspunkt. Vor Kurzem ist ihr, wie die ungarischen Blätter berichten, die bedeutende Summe von 36000 fl. als Legat zu uubcstimmten Zwecken Übermacht worden. Wir treten nun in Niederungarn ein, wo uns sofort eine freundlichere Erscheinung entgegentritt, es ist dies die zahlreiche und wohlhabende Gemeinde zu St. Nicolau im Liptauer Comitat. Sie ist großenteils ziemlich gebildet und dem Fortschritte zugetkan. Einzelne haben sich auch eine tüchtige praktische Bildung angceignet und Viele folgen den Interessen des Jndenthums mit vieler Wärme. Sie enthält jedoch auch noch viele Anhänger der stabilen Orthodoxie, die, wenn auch meist friedliebend oder abgelebt, doch der, jeder bessern Regung feindselige Rabbiner bei jeder Gelegenheit mit seinem Fanatismus durchtränkt, um sie dann dem Fortschritte entgegenznwcrfen, obgleich dieser nur noch einem Schnekkengauge ähnlich sicht und sich noch nicht über Verrückung des Almemors, Trauungen in der Synagoge und dgt. erhoben hat. Diese letztem hatten in der Gemeinde einen großen Sturm verursacht, der aber den trägen Boden wohltbatig erschütterte.nnd die darin schlummernden Keime weckte und befruchtete. Es wurden nämlich von den Vorstehern und andern angesehenen Gemeindegliedern 1 l Männer znr Entfernung der anstößigen Mißeräuche und zur Einführung einiger Ordnung beim Gottesdienste in der im Bau begriffenen neuen Synagoge ernannt. Sie beschlossen nun, durch einen besonder» Fall darauf hingelenkl, unter Andcrm, daß die Trauungen von nun an nur in der Synagoge und nur vom Rabbiner sollen vorgenommen werden, und auch die Dorfbewohner zur Trauung in die Synagoge kommen müssen. Der Rabbiner konnte zwar im Schulchan Aruch kein Verbot dagegen finden, er wollte aber eine Mischnah gefunden haben — die er jedoch nicht zeigen wollte — die überhaupt jede Neuerung verbiete und mir dem Schweinefleische in gleiche Karhegorie stelle, was er auch schon früher in Betreff des Almemors behauptete und sogar öffentlich durch einen feierlichen Schwur bekräftigte. Diese beispiellose Vermessenheit mußte zwar selbst viele Orthodoxe stutzen machen, brachte jedoch wieder andere in Aufruhr, auf welche gestützt, der Rabbiner durchaus keine Trauung in der Synagoge vorneh-

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