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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-02-08 · Heft 6 (8.2.1846) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 6 (8.2.1846)
Date
1846-02-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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46 Hoffnungen. (Aus Bayern.) — Hebet |unfere bürgerlichen Verhältnisse will ich Ihnen um so mehr Einiges mittheilen, als einige Ar-; tikel aus Bayern in einem andern jüdischen Blatte im Interesse j der Wahrheit berichtigt werden müssen. Sie haben bereits be-! richtet, daß in allen Kreisen des Königreichs Eingaben vorbereitet werden. Bereits sind bei dem diesjährigen Landtage Petitionen von Untcrfranken, von Mittelfranken und von Fürth eingelaufen. Die erste, welche sich der Herr Abgeordnete Sattler aus Schweinfurt aneignete, ist von dem Petitionsausschusse schon in die Kammer gebracht und dem dritten Ausschüsse zugetheilt worden. Wir haben Hoffnung, dürfen, ja müssen Hoffnung haben, denn unsere Verhältnisse find von der Art, daß auch eine minder liberale, an wackern Volksvertretern so reiche Kammer, den 8tstu8 quo nicht gutheißen würde. Der Druck der auf uns lastet, die Beschränkungen, die gegen uns vorhanden sind, widersprechen aller Humanität so craß, daß kein Dorurtheil ihr das Wort zu reden wagen wird, ohne sich in den Augen des 19. Jahrhunderts zu brandmarken. Und wenn — wie nicht bezweifeln — die Ständekammer wiederholt — es ist schon mehrmals geschehen — die Bitte zu den Stufen des Thrones bringt, den Klagen der bayrischen Juden abzuhelfen, so wird auch die Staatsregierung sie hören, zumal unser weiser und gerechter König seine sämmtlichen Unterthanen liebt und ihnen Allen Vater ist. — Man hat jedoch die Verhandlungen in Betreff einer Reklamation der HH. v. Hirsch als ein böses Omen bezeichnet. Ich aber kann Ihnen versichern, man hat es nicht nur mit Unrecht, sondern im Gegentheil haben jene Verhandlungen gezeigt, daß wir wackere Vertreter in der Kammer haben. Ich will Ihnen, da dieser Gegenstand für die Beurthetlung der jüdischen Zustände in Bayern jedenfalls wichtig ist, das Nähere mittheilen. Die Herren von Hirsch als adeliche Gutsbesitzer mit Gerichtsbarkeit hatten seit Bestehen der Verfassung das active Wahlrecht. In diesem Jahre wurden sie dazu nicht aufgefordcrt. Sie führten deshalb Beschwerde beim Ministerium, wurden aber abgewiesen und wendeten sich nun reklamircnd an die Kammer. Nachträglich zur eingercichten Reklamation übergaben dieselben eine Erklärung, sie seien für dieses Mal bereit, auf ihr aktives Wahlrecht zu Verzichten, um der Kammer keine Verlegenheit zu verursacheu, wollten jedoch für die Zukunft ihre Rechte wahren. Der erste Sekretär hatte hierüber zu referiren und wies allerdings die Reklamation ab. Die Kammer dagegen erklärte, die Herren v. Hirsch hätten durch ihre zweite Eingabe die Reklamation selbst zurückgenommen, und um diese handle es sich gar nicht. Ihre Wahrung könne aber jetzt gar nicht Gegenstand einer Verhandlung sein, wobei es sich nur um Reklamationen handle, welche die Constituirung der; Kammer beträfen. Gleichwohl sprachen Mehrere sich sehr lebj hast über die jüdischen Verhältnisse aus, namentlich Hr. Dekan! Dauer aus Bamberg und Kaustnann Sattler aus Schweinftrrt. Ersterer äußerte, daß er wünsche, solche Reklamationen möchten gar nicht Vorkommen und endlich einmal die Bekenner des israelitischen Glaubens aufhören „die Heloten unter uns Spartanern" zu sein. Mit vieler Wärme sprach er sich gegen die Bedrückung aus und meinte, wenn auch Hr. v. Hirsch die Reklamation zurücknehme, so müsse die Kammer sein Recht vertreten. Eben so sprach Hr. Sattler für die Juden im Allgemeinen, es fordere die Humanität Fortschritt und Verbesserung und müsse man die bestehenden Gesetze deshalb dem Geiste der Zeit gemäß beurtheilen. Man habe die HH. v. Hirsch bis jetzt wählen lassen, warum es ihnen jetzt nehmen? Eben so sprach Hr. Dekan Götz zu Gunsten der Juden und mehrere andere. Aber auch diejenigen, welche gegen Hrn. v. Hirsch sprachen, stützten ihre Behauptungen auf die bestehenden Gesetze, die für jetzt noch in Kraft wären, ohne darum dieselben in Schutz zu nehmen und der Hr. Minister v. Abel selbst, welcher das Verfahren der Regierung in Schutz nahm und vertheidigte, sprach sich dahin aus, daß er keineswegs behaupten wolle, die bestehenden Gesetze wären gut und weise, aber das Ministerium habe gegebenen Gesetzen gegenüber gehandelt, und nach diesen könnten die Herren v. Hirsch nicht zugelassen werden. Seine Gründe sind allerdings schwach und läßt sich vieles dagegen Vorbringen, aber daraus einen Schluß auf unsere Verhältnisse überhaupt ziehen zu wollen, daß nichts zu erwarten, ist voreilig und falsch. Ich werde in einem nächstfolgenden Briefe wahrscheinlich wieder auf den Gegenstand zurückkommen und begnüge mich schließlich mit der Andeutung, daß hieraus wenigstens das Jrrthümliche der Zeitungsnachricht in andern jüdischen Blättern hervorgeht, als wenn den Juden dieses Mal die aktive Wahl gestattet worden wäre. Daran ist nur so viel wahr, daß eben schon längst die Inden zur Wahl der Wahlmänner zugelassen werden. Jüdische Zustände. Aus Galizien. — Ein in den meisten Gemeinden unserer hiesigen Glaubensgenossen tiefwurzelndes Element des religiösen Lebens bildet der Chassidismus, der in seiner gegenwärtigen Gestalt, nicht wenig dazu beiträgt, den ohnehin traurigen Zustand der geistigen Bildung der Juden zu verschlimmern und jegliche hie und da

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