Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1846)
- Date
- 1846-02-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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44 wichtigen Wahl, von der das Wohl des ganzen Staates abhängt, kommt es hauptsächlich darauf an, daß die Stelle recht „steinig und bergig" sei, damit der Held seine „Felsm zersplitternde und Berge ausreißende" Allgewalt zeigen könne. Nach der glücklich vollbrachten Wahl der Talwudstelle wird diese in einem Manifest den Talmudkundigen gleichsam als eine Kriegserklärung bekannt gemacht, und diese rüsten sich sofort zu dem ernsten Kampfe und üben sich auch fleißig in Zweikämpfen und großem Scharmützeln bis endlich der große Tag gekommen und die Völkerschlacht geschlagen wird. Dann wird wieder in das alte Geleis eingelenkt. Der Rabbi wählt nämlich alle 4 — 5 Zahre einen Traktat zum „Lernen" von welchem Traktate aber alles Hagadische und Wissenswerthere, alles Fleischige und Saftige weggeschnitten wird, bis nur das tobte Gerippe zurückbleibt, in das nun der Rabbi mit seiner Zeschidah sich einnistet und es nicht eher verläßt, als es vom Ungeziefer der „Pschättel" wimmelt. — Ein gleiches Verhältniß des Chassidismus und Rabbinismus herrscht in Kalo, Szabolcser Comitat und in Munkats; vorherrschmd ist der Rabbinismus in Groß Karoly, Szathmarer Comitat, wo auch großeZeschibah gehalten wird Aber ganz rabbinisch vertrocknet und zu bäuerischer Rohheit hinabgesunken verlieren sie sich weiter oben an Siebenbürgen hin. *) (Schluß folgt.) *) Auch in Siebenbürgen sieben sie im Allgemeinen wenig über den Bauern, und selbst in den Städten haben sie noch kein Lebenszeichen von sich gegeben. Die ungarischen Blätter berichteten vor längerer Zeit, daß das k. Gubernium eine Untersuchung über die in mehrcrn Gegenden vorhanden sein sollenden Szombatosen (, vom magyarischen: Szombat, Sabbat, sogenannt, weil sie, im Ganzen Christen, doch den jüdischen Sabbat angenommen oder vielmehr beibehalten haben,) angeordnet, welche Untersuchung gewiß auch manches Licht über die frühere jüdischen Verhältnisse in Siebenbürgen verbreiten wird. Es würde sich ein sachkundiger Ungar vielen Dank erwerben, wenn er sich die Mühe gäbe, jenen, vielleicht schon veröffentlichten Bericht der Untersuchungs - Commission % den jüdischen Blättern muzutheilen. Geschichte des Tages. Das Schisma. (Breslau.) — Die Vermuthung über die Autorschaft des Hrn. vr. Kley von der Bwchüre: „Noch ein Wort zur israelitischen Reformfrage" rc. scheint sich zu bestätigen. Die Haupt- Tendenz dieser Brochüre, die kirchliche Trennung der Reformfreunde von den Altgläubigen, verdient große Beachtung, und ist die Notwendigkeit einer solchen Trennung bereits in der Brochüre: „eine deutsch-jüdische Kirche, die nächste Aufgabe unserer Zeit," mit aller Entschiedenheit hervorgchoben, wie auch von Herrn vr. Stern in Berlin in seinen Vorlesungen angedeutet worden; sie hat sich aber seitdem noch dringender herausgestellt. Die sich widerstrebenden Principien treten immer mehr hervor und führen Collifionen herbei, welche den inner» Zwiespalt nur um so weiter machen, je mehr man ihn äußerlich zu verdecken sucht. Man hegt noch eine gewisse unerklärliche Scheu vor einer kirchlichen Trennung, die aber eben durch die öffentliche Meinung verscheucht werden muß. Wir wollen gern zugeben, daß noch vor einem Decennium diese Trennung nicht rathsam gewesen, und zwar ans mannigfachen Rücksichten. Zuerst war die allgemeine Bildung unter den Juden noch nicht so stark verbreitet, das gereiftere Bewußtsein der Zeit lebte nur erst in kleinern Kreisen und ist der großen Masse noch ganz fremd geblieben. Da durften die einzelnen Höherstehenden sich nicht von der versunkenen Masse entfernen, sie durften sich nicht aus der Enge herausmachen und ihren eigenen Weg geben, sondern mußten vielmehr in ihrer geistigen Aufgeregtheit überall anstoßen, überall in Reibungen und Kämpfe gerathen, um so die Gesammthcit aus der Lethargie zu erwecken und dem naturgemäßen Entwickelungs- und Scheidungsprozesse zuzuführen. Hätten sich damals die Gebildetern von der Gesammtheit losgelöst, so wäre diese nothwendig noch tiefer gefunken, sie hätte mit jenen auch deren Bildung, die Bildung überhaupt verketzert; die Trennung selbst aber wäre nicht auf dem kirchlichen Gebiete stehen geblieben, sondern in das ganze sociale Leben übergeschlagen, und anstatt die ewigen Reibungen und Kämpfe zu vermeiden, würde sie nur noch neue und heftigere herbeigeführt und anstatt eine naturgemäße Entwicklung zu ermöglichen, nur Alles in verworrene Verwickelungen gebracht haben. Ferner konnten damals solche Trennungsversuche leicht den Verdacht auf sich ziehen, als geschahen sie mehr nur, um bürgerliche Vortheile für die Schismatiker zu erwerben. Es herrschte noch eine allgemeine Abneigung des deutschen Volkes gegen die Emancipation der Juden, welche Abneigung in den Kammern und in der öffentlichen Meinung sich breit machte und mit der jüdischen Abgeschlossenheit, dem Talmud