Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1846)
- Date
- 1846-02-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Literatur-Blatt juiit Israeliten des 19. Jahrhunderts. Enthaltend: Abhandlungen, Aufsätze, Recenfionen, literarische Aphorismen rc. rc. für die gefammte höhere Wissenschaft des IudenthUms, uttd unter Mitwirkung von Geiger, Holdheim, Zunz, Jost, Rießer, Herzfeld, Wechsler, Maier, Rebeüstein, Stern, Dukes, Adler und vieler anderer Gelehrten revigirt und herausgegeben von vr. M. Heß, Großherzogl. Wetmarschem Land-Rabbincn in Eisenach. Nr. 5, Sonntag den 1. Februar 1840. i. Jahrgang. Weitere Proben ans einer „konservativen" Recension. Bon Rabbiner Pr. Geiger. Es ist ein selbst dem blödesten Auge wahrnehmbarer Unterschied zwischen einem Studium, das im reinen Interesse um die Wissenschaft geschieht, und dem, welches blos Parteizwecken, der Befriedigung von Leidenschaften dienen soll. Während es jenem lediglich um die Sache zu thun ist, ein jedes gewonnene Resultat mit Liebe ausgenommen, daher keiner vorgefaßten Meinung gehul. digt, auch eine jede Berichtigung mit Dank ausgenommen wird, der Ton aber der Behandlung ein der ernsten Wissenschaft angemessener ist, so wird von den Vertretern der andern Richtung mit Gewaltsamkeit auf das von vornherein hingestellte und fcstzuhaltende Resultat hingearbeitet, mit aller Macht ein jedes Wort gedreht und gedeutet, bis es als beweisend erscheint oder doch der offenbare Widerspruch scheinbar beseitigt wird, die Gegenrede mit Poltern überschrieen, der Ton aber ist ein süffisanter, lärmender, unwürdig witzelnder, begeifernder, und wo es nicht anders geht, wird die Lüge und die verdrehende Darstellung, die rechte npnx D’J’V, zur Hülfe genommen. So hat es weiland Hr. Hirsch in Emden gemacht, und er glaubte, mit seinem Geschütze alle Gegner todtzuschlagen, ohne jedoch einen weitern Erfolg davon zu tragen als daß er als ein Unwürdiger aus dem Tempel der Wissenschaft auSscheiden mußte; so hat es der Vers, des Rabiah gemacht, in der thörichten Abficht, Rappoport und Zunz lächerlich zu machen und um ihren wohlerworbenen gelehrten Ruf zu bringen, aber damit blos sein Buch der Vergessenheit geweiht. Aerger als alle diese macht es Hr. Grätz, der Rccensent meiner Mischnaharbeiten. Diese bewegen fich in ruhiger wissenschaftlicher Betrachtung, trotz der ge-; wonnenen und von Tag zu Tage fich befestigenden Ueberzeugung, daß die Mischnah einer selbstständigen Erklärung bedürfe und von > den Gemara's oft mißverstanden worden, traten meine „Lesestücke" keineswegs mit der Absicht auf, lediglich eine Auswahl von Stellen zu sein, in welchen solche Irrthümer nachgewiesen werden können, sie wollten vielmehr zu einer allgemeinen Kenntniß des Inhalts der Mischnah dienen, und geflissentlich habe ich bei der Auswahl Stellen zurückgelassen, welche einen Schein von Gehässigkeit gegen dieses älteste Denkmal nachbiblischer religiöser Auffassung hätten erwecken können, während es allerdings die Pflicht einer unbefangenen Behandlung war, bei den anfgenommenen Stellen die für richtig erkannte Erklärung zu geben, mochten sie auch von der Gemara anders gefaßt werden. Die Herren von der soi disnnt konservativen Richtung, die aber eigentlich die die Wahrheit, die Wissenschaft und das Leben des Iudenthums zerstörende ist. sind gegen solche unbefangene Forschungen sehr empfindlich, und während die Männer, welche doch in ihrer Befangenheit noch nicht alle Redlichkeit ertödtet haben, das Resultat im Ganzen zugeben müssen, aber sich dabei unbehaglich fühlen und dieser Unbehaglichkeit sich durch den unbesonnen geschleuderten Vorwurf, (der nur ihnen gebührt) von Einseitigkeit und Parteilichkeit entledigenmöcvten — wie z. B. Hr. vr. Beer in Dresden — so möchten die Unredlichen und Gehässigen das Ganze verwischen, gebrauchen dazu die unredlichsten Künste. Lüge und Entstellung, und um die Ansicht mit der Wurzel auszurotten, glauben sie die Wurzel in der Person zu finden, welche die Ansichten vorgctragen, und hoffen an ihr Ziel zu gelangen, wenn sie dieselbe beschimpfen, der Unwissenheit und Oberflächlichke.t zeihen, in dem Vertrauen, daß doch jedenfalls dadurch Verdacht erregt werde, während jedoch die Wurzel der Ansicht in der klaren geistigen Erkenntniß ruht, welche sich nimmer verdrängen läßt, und die Gehässigkeit zu sehr hervortritt, als daß auch der Unkundigste getäuscht werden könnte. Schon mehrfach Hache ich Gelegenheit gehabt, das Verfahren des Hrn. Grätz aufzudecken