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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-02-01 · Heft 5 (1.2.1846) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 5 (1.2.1846)
Date
1846-02-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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30 Achtung vor Geboten, welche als religiöse Vorschriften gelten sollen, jeden Glauben, jede Sittlichkeit bis zur Wurzel vertilgen muß; gefährlich nennen wir die Gleichgültigkeit, welche die Bekenner eines Glaubens von der Religionsübung der Glaubensgemeinde entfernt hält, weil sie nicht nur in ihnen die höheren religiösen Gefühle erkalten und untergehen läßt, sondern auch deren Entwickelung in den Gemüthern ihrer Kinder und Angehörigen, selbst ihrer Dienstboten im Keime zu erdrücken droht. Schmerzlich haben dies die Denkenden unter uns seit vielen Jahren empfunden, wenn auch die Bestrebungen nach Verbesserung im letzten Jahrzehent durch die Bestrebungen für Erzielung der bürgerlichen Gleichstellung etwas in den Hintergrund gedrängt waren. Aber neu erwacht und in die Masse der Gesammtheit gedrungen ist dieses Gefühl, seitdem durch die Zeit hervorgerufen auch in andern deutschen Staaten ähnliche Bedürffnisse sich geltend gemacht haben. Aus allen Theileu Deutschlands ertönt von den Israeliten der Ruf nach Verbesserungen in Cultus und nach Läuterung des religiösen Lebens. Jetzt, nachdem die Gemeinden geordnet find, nachdem durch die seit 30 Jahren bestehenden Schulen eine gebildete, denkende, fühlende Bevölkerung herangezogrn worden ist, jetzt ist dieses Bedürfniß ein unabweisbares geworden, welches die ernste Sorgfalt der hohen Staatsregierung auf sich zu ziehen gewiß würdig ist. Reformen in Weftindien. *) (Jamaica.) — Hr. Carrillon, Rabbiner in Montego-Bay, soll, nach mehreren transatlantischen Journalen, bedeutende, nicht nur liturgische, sondern auch Ritual-Reformen in seinen Sprengel cingeführt haben. Gleich nach seiner Installation hat er, genanntem Organe zufolge, einen Aufruf erlassen, worin er eine Uu.bildung des innern und äußern Juventhums nach der Bildung und den Sitten der Zeit für uothwendig findet. „Die jüdischen Einwanderer", sagt er darin, „haben aus Europa den religiösen Geist mittelalterlicher Zeiten mit nach dem Lande der modernen Welt gebracht, gerathen aber damit in eine unaufhörliche Collision, sowohl mit der Außenwelt, wie auch mit sich selber, so daß ihre Religion von innen und von außen bedroht ist." Der muthige Mann hat zwar eine auserwählte und nicht minder muthige Schaar um sich gesammelt, allein sie scheint noch nicht die Totalzahl der *j Aus englischen Blättern. dortigen Judenheit zu umfassen, denn er findet großen Widerstand in seinen reformatorischen Unternehmungen, obgleich sich dieser bis jetzt nur meistens in Remonstrationen gezeigt hat. Auf der andern Seite gehen ihm mehrere Geistliche, namentlich Hr. Leeser, hülfreich zur Hand, und hat sich derselbe schon vieler aufmunternden Adressen von Seiten der Gebildeten, deren es hier unter seinen Glaubensgenossen nicht wenige gibt, zu erfreuen. Hr. Carrillon ist seinen Glaubensgenossen Süd-Amerikas schon längst als den reformatorischen Bestrebungen mgethan bekannt, und wurde vor Kurzem in dem jetzigen Sprengel seiner Wirksamkeit mit einer Majorität zum Seelsorger gewählt. Die orthodore Partei, welche jedoch die Minderzahl der Gemeinde auszumachen scheint, hat sich zwar seiner durchgreifenden Reform vorläufig unterworfen, sucht aber jetzt, wie ich lese, nur eine Billigung oder besser Miß. billigung derselben beim Londoner Rabbinats-Collegium nach, welches letztere ihn, aller Wahrscheinlichkeit nach, von der Hauptstadt des Mutterlandes aus, werden wird. Ob sich aber die reformatorische Partei dem Urtheil des Groß-Rabbi unterwerfen wird, ist um so mehr zu bezweifeln, als dieser von seinen südamerikanischen Pflanzgemeinden sich bis jetzt noch keiner anerkennenden Adresse zu erfreuen haben soll, während ihm solche von unfern andern Colonien des Reiches aus allerdings schon zugekommen find. / Briefe vom schlesischen Odergebiele. Hoffentlich find Sie Hr. Redakteur so freundlich und gestatten einem unparteiischen Beobachter, seine Bemerkungen, wie die seiner Freunde, in Ihrem wackern, unwandelbaren Israeliten zu äußern. Außer erwähnten Bemerkungen, beabsichtige ich noch, den hochwürdigen Mitgliedern der Rabbiner-Versammlung einige Notizen nach frommer Väterfitte, über die Beschaffenheit jenes Landes, seiner jüdischen Bewohner, in das sie künftiges Jahr einziehen wollen, um daselbst die dritte Rabbiner - Versammlung abzuhalten, zu liefern. Gewiß wird meine redliche Absicht nicht verkannt, möglich aber gar deren Zweckmäßigkeit anerkannt werden, da bekanntlich Topographiecn vas speciell Israelitische höchst mangelhaft und unvollständig geben. Ausdrücklich verwahre ich mich aber hiermit. daß ich keinesweges topographische Briefe schreiben will, nein, mit der Topographie werde ich mich nur insofern befassen, als sie zum Verständnis des Ganzen nützen, wie überhaupt zur nähern Bestimmung der Orte, wo unv warum es eigentlich spuckt, wo der Sitz der bösen finstern Geister und Kobolde in unserer Mitte ist, beitragen kann. S.e sehen, ich beabsichtige, trotz meiner gesetzten

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