Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1846)
- Date
- 1846-02-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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37 als Maaß und so das Heiligste als Mittel zum Gemeinsten genommen würde! *) Geschichte -es Tages. Aussichten und Erwartungen in Berlin. 7 (Berlin.) — Der hiesigen jüdischen Gemeinde stehen große Veränderungen bevor; äußere und innere Mächte scheinen gleich stark damit umzugchen. Die Regierung hat die meisten Landtage in ihren Abschieden darauf hingcwiesen, daß die Angelegenheiten der Juden der legislativen Berathung vorliegen, und wenn schon das politische Gesetz der Juden nicht in einer fernen Zukunft liegt, so dürste das Cultusgcsetz derselben, welches von jenem zu unterscheiden ist, schon in den nächsten Tagen ans Tageslicht treten. Und auf letzteres kommt es uns hier in Bezug auf den chaotischen Zustand unserer Gemeinde ganz besonders'an. Die That der Regierung auf diesem Gebiete nenne ich die äußere Macht, die innere dagegen besteht in dem guten Willen des neuen Vorstandes, der so eben gewählt worden ist. Ich habe Zhnen schon ftühcr gemeldet, daß nach altherkömmlicher Vorschrift die neue Vorsteherwahl schon am siebenten Tage des Succothfcstcs, wo die drcijährigcBcrwaltungszeit des letzten Borstehercollegiums zu Ende gegangen, hätte siattsinden sollen, aber da in Folge eines von Seiten der sieben gezogenen Wähler bei den Behörden eingcreichten Protestes gegen den alten Wahlmodus unterblieben war. Der Bescheid der Regierung auf jenen Protest sprach sich nun dahin aus, daß der alte Wahlmodus noch vorläufig beizubehaltcn sei und im Falle, daß die durchs Loos gezogenen Sieben sich noch sofort weigern sollten, von ihrer freien Wahlthätigkeit Gebrauch zu machen, so solle das Loos andere sieben jüdische Bürger als Wähler scrutiniren, und sollten auch diese sich des Wählens enthalten wollen, so müsse ein wiederholtes Loosen so lange stattsinden, bis sich endlich Wahlwillige finden würden. Diese Ordre veranlaßt^ die zuerst gezogenen sieben Wähler um so mehr von ihrem Wahlrechte Gebrauch zu machen, als cs der Zufall gewollt, daß sich unter ihnen einige Reformgefinnte befanden und sie^sich hiermit im Staude sahen, ihre Wahl der Art zu treffen, *) 21 n in e r k. Die im Weiteren gegebene Polemik gegen die „Ansichten über die nächste Rabbiner-Versammlung" von Herrn l>r. Geiger lassen wir unberührt, da wir sonst in die perfeiiliche» Rechte dieses scharfsinnigen Gelehrte eingrcisen würden. daß auch ihre Gesinnungsgenossen im Vorstände eine Vertretung fänden. Und wirklich ist jetzt daö Vorsteher-Collegium auf eine Weise zusammengesetzt, daß sowohl die conservativen wie die reformatorischcn Bestrebungen der hiesigen Juvenheit in ihm sich aussprechen. Neugewählt sinv: Tie Herren Simion (ein Mitglied der Bevollmächtigten dcrReformgcnoffenschast), S. Herz, (ein gemäßigt Reformgesinnter), unk K. Heimann; die Herren Dr. Veit, Benda, Rieß und Meier, welche schon in der alten jüdischen Behörde Sitz und Stimme hatten, sind wiedergewählt worden. Beiläufig will ich noch bemerken, daß man die sieben Verwalter der jüdischen Angelegenheiten in das Collegium der Aeltesten und das der Vorsteher theilt; zu ersterem gehört jetzt vr. Veit, S. Herz und Rieß, während die andern vier Herren zu letzterem zählen; ein Beschluß kann indessen, so weit mir bekannt, doch nur durch das Votum aller Sieben Gesetzeskraft gewinnen. Wenn nun gleich die neuhinzugckommenen Vorsteher sich nicht vieler gelehrten Theoreme rühmen können, so bringen sie doch auf der andern Seite einen solchen Feuereifer für die Sache des fortschreitenden Judenthums mit in ihreAmtsthätigkcit, daß ihr Wollen und Thun auf ihre Collcgen einwrrken wird, so weit letztere ihrer Einwirkung hierin bedürfen. Ich erfahre», daß der erste große Plan, welcher von den Neugcwählten entworfen wurde, kein anderer ist, als eine neue große Synagoge mit Beibehaltung der alten, ins Dasein zu rufen, und dieselbe mit einer Liturgie zu versehen, aus welcher die nichtzeitgemäßen Gebetssormrln ausgcwiesen und in welche deutsche Gedctsclementc der Art eingeflochten werden sollen, daß sich die Sprache der heiligen Urkunden und die des Lebens in ihr das Gleichgewicht zu halten haben; der ganze Goitesvienst aber soll von Orgel und Predigt begleitet werden. Das neue Gotteshaus soll in einem großartigen Style seine hohe Bedeutung bekunden uno wenigstens 2000 Sitzplätze darbietcn. Die Kosten werden etwa auf 200,000 Thlr. veranschlagt und sollen, nachdem die Gemeinde das Corporationsrccht rrtheilt, durch eine Anleihe, wenigstens einem großen Thcile nach, gedeckt werden. Es erleidet keinen Zweifel, und darauf ist auch unser wackerer Vorstand gefaßt, daß ein solches Unternehmen von Seiten mancher historischer Gewohnheitsmenscheu bedeutenden Widerspruch erfahren wird, namentlich von Seiten des Rabbinatsverwaltcrs Etlingcr und seines Collegcn Rosenstein; allein kiese mit ihrem, allerdings nur sehr unansehnlichen Anhänge wird man dadurch zum Schweigen zu bringen suchen, daß man ihnen die alte Synagoge mit den ihr gewordenen Hülfsmittcln überläßt. Uebcreies dürfte auch der schon entworfene Plan, gen. Rabbiner m Pensionsstanv zu