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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-02-01 · Heft 5 (1.2.1846) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 5 (1.2.1846)
Date
1846-02-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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35 lauer Reformiere,'n die Rede sein, wo hat ein folcher eristirt? Wohl wurde zur Zeit in einigen Blättern davon gesprochen, daß man dort mit der Constituirung eines solchen Vereins umgehe und war auch ein Manifest in dem Sinne veröffentlicht. Es unterliegt jedoch keinem Zweifel, daß er sakrisch nicht bervortrat, weil zu derselben Zeit der Aufruf von Berlin erschien, der die Tendenz des ersteren als eine einseitige überflüssig machte. Nur von dem Vereine zu Frankfurt und dem zu Berlin kanndemnach die Rede sein. Wir wissen aber nickt, daß.einer von diesen gescheitert sei. Wenn srüber von Reformen , die von konservativen Rabbinen ausgingen und friedlich dnrchgedrungcn sind, gesprochen wurde, diesem das Gescheirerrsein aller größeren Reformversucke entgegengesetzt wird und letzteren darum der religiöse Ernst abgesprochen wird: so kann doch m,t Recht ein Beweis gefordert werden, daß die von den konservativen Rabbinen eingesübrten Reformen eine weitere Ausdehnung gefunden kaben, als die erwäbnten Reformvereine, um alsdann einen Rückschluß auf den religiösen Ernst zu machen. Die Eintbeilung der Rabbinen in konservative und radikale ist eben so willkübrlich als falsch. Bis jetzt sind Gott sei Dank noch keine radikalen Rabbinen bervorgetreten, die Tendenz aller ist das Judenthum zu konserviren, und außer den 77 dürfte wiederum auch nicht ein Rabbiner gefunden werden, der es so konserviren möchte, wie es auf uns gekommen ist, d. K. mit all seinen als Gottesgesetze sich geltend machenden B'jnJB. Irren wir aber nicht, so werden ki.r unter den radikalen Rabbinen alle diejenigen wissenschaftlich Gebildeten verstanden, welche nickt zu der die Devise einer gemäßigten Reform führenden Fabne des Herrn vr. Frankel schwören, und diesem allein mit dem kleinen Trosse das konservative Epitbeton vindizirt. Wir wissen nun aber von keinen von dieser Seite ausgegangenen Reformen, die sich einer weiteren Verbreitung zu erfreuen bätten, als etwa die des Frankfurter und vollends die des Berliner Resormvcrcins. Wir geboren weder dem einen, noch dem andern Vereine an, ist also kein persönlicher Grund verbanden, weßhalb wir für sie in die Schranke treten sollten. Wo aber eine reine Subjektivität, wie der religiöse Ernst ist, zum Kriterium der ächten Reform gemacht wird, wo man sich nickt sckeut unter der Aegide dieser Subjectivität Tbatsachen rein zu ersinnen und nach Belieben für selbstische Tendenzen zu schalten und walten: da muß man dagegen auftreren, wenn nicht die Prinzipienfragen in gegenseitige Verketzerung der einzelnen Träger derselben ausarten sollen. Herr vr. Landau läßt die drei erwäbnten Reformvereine Revüe passiren bis er zu der Rabbiner-Versammlung gelangt, die auf diese Weise zu einer Art von Reform-Verein gestempelt wird. Ob Herr vr. Landau letzteres Thun ebenfalls als ein Produkt seines religiösen Ernstes angeseben wissen will, wissen wir nicht und lassen wir es dahin gestellt sein. Zuerst macht er nun dieser Versammlung das Kompliment, die rechte Tendenz der Reform gefunden zu baden, und meint dieses Institut würde gewiß einer schönen Blüthe, eines immer größeren Zuwachses an Tbeilnebmern und Anhängern — vielleicht wäre Herr vr. Landau noch selbst gekommen! — „ sich zu erfreuen baden, wenn nicht leider seine Art zu rewrmiren diese Tendenz, der Erkaltung und Fortbildung des Judentbums nämlich, Lügen strafte und offenbar dartkäte, das man über Bibel und Tradition schwieg, nicht weil sie erhaben über die Debatten ihnen zu Grunde liegen, sondern um nicht durch ein ausgesprochenes Prinzip anzustoßen und desto willkürlicher in der scheinbaren Prinziplosigkeit zu schalten." „Wir schweigen über den leichtfertigen Ton der ersten Rabbiner-Versammlung, über die kekkcn Demonstrationen gegen den Talmud, die Verachtung desselben und der früheren Meister und Lehrer Israels, die sich darin aussprack, und vernehmen aus einem Beschlüsse den destruktiven Charakter der Versammlung." Wie Vieles wir doch von unserm Gegner Herrn vr. Landau lernen könnten, besonders wie man den religiösen Ernst zur Schau tragend, schlangenartig leckend, den Gift der Verdächtigung auf den Gegner spritzen kann— Gott sei Dank, daß sich unser Jnners gegen solches Beginnen empört. Was ist die Tradition, die, weil sie erhaben über die Debatten, ihnen zu Grunde liegen muß? Ist es der ganze halachische Inhalt des Talmud? Herr vr. Landau weiß es gewiß auch, daß vom halachischen Inhalte des Talmud aus, derselbe in seiner abgeschlossenen Totalität genommen, keine Fortbildung des Judenthums, wie es noch tbnt, möglich ist, er weiß es gewiß auch, da es ja selbst schon in der Frankelschen Zeitschrift ausgesprochen wurde, daß Talmud und Tradition keine

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