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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-02-01 · Heft 5 (1.2.1846) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 5 (1.2.1846)
Date
1846-02-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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34 sich zur Aufgabe stellt, bis jetzt noch keine allgemeinen, im religiösen Leben und Kultus sich unmittelbar darzusteüenden Resultate geliefert, aus deren Nichteinführung auf ein Mißlingen und Scheitern könnte geschlossen werden. Die erwähnte Formel wurde vielfach und selbst von Herrn Dr. Frankel seitdem aus der Liturgie ausgeschieden. Tie Tkeilnahme war dieses Jahr von Seiten des Publikums bedeutend gesteigert. Eine große Anzahl darret mit gespanntester Erwartung den Arbeiten und Resultaten der Commissionen entgegen — wo zeigt sich ein Mißlingen, ein Scheitern? „Aber Gemeinde auf Gemeinde hätte den Reformern folgen müssen, und diese nicht so vieler Künste und Reisen und Aufforderungen und Mühseligkeiten nöthig baden, um Unterschriften zu erschwingen", meint Herr vr. Landau. In unserer Einfalt meinen wir religiöser Er«st vertrage sich nicht gut mit Lüge, und wenn wir Herrn vr. Landau nicht einer solchen beschuldigen sollen, hat er uns diejenigen, Mitglieder der Rabbiner- Versammlung zu nennen, die dieser Künste und Reisen, um Unterschriften zu erschwingen nöthig hatten. Warum nicht Gemeinde auf Gemeinde folgte? — Seit wann baut denn die Geschichte über Nacht auf? von den Werken des Teufels wird eine solcbe Entstehungswcife herumgetragen; das göttliche Walten hingegen manifestirte sich stets in stufenweiser, geschichtlicher Entwickelung, es erfordert Zeit, um stch in sich selbst zu vertiefen, um sich nach den in ihm enthaltenen Richtungen auszubrciteu. Jahrtausende bedurfte der Mosaismus, um sich dem Volke einzuprägen, nicht viel weniger bedurfte der Rabbinismus zu seiner Entwickelung und Ausbreitung, der erst im 9. Jahrhunderte Spuren seines Daseins im Mittelpunkte des heutigen Europa's am Rheine, zeigt, Gemeinde auf Gemeinde sollte folgen — aber erst muß das Bedürfnis nach Reform allgemein rege werden. Dazu ist nötbig, daß die Gemeinten zuvor das Leben der Gegenwart begreifen, daß sie erst eingewciht werden in die Geheimnisse der Emwickelungsgeschichte des Iudenibums, daß sie den ideellen Gehalt des Judcnthums kennen lernen, und wie sehr fcblr cs noch an dem Allen. In dumpfer Gewohnheit lebt noch der größte Tb eil der Landgemeinden, einen Unterricht der jüdischen Religionslehre genossen sie nie, selten haben sie Gelegenheit eine Predigt zu hören und oft fehlt ihnen die geistige Fähigkeit das Gehörte richtig aufzufassen. Nicht viel besser steht es mit einem große« Theile einer jeden Stadtgemeinde, bei so vielen in derselben ist der ganze Inhalt der Religion zu einem bloßen Aeußerlichcn herabgesunken, in das zuvor widerum die Idee hineinkommen muß, die treibende Macht, welche die von ihr selbst gesetzte Form sprengt, um wiederum in anderer und höherer Gestaltung sich geltend zu machen. Religion und Leben, welche beide nur in ihrer gegenseitigen Durchdringung und Jneinssetzung ihre volle Wahrheit haben D’pmi nnxi Di’.n 03^3 v"ki — werden von dm MM noch abstrakt und darum in ihrer Unwahrheit auseinander gehalten. Wie sollte also Gemeinde auf Gemeinde der Reform der Reform folgen? — Jedoch hat Herr vr. Landau einen schlagenden Beweis, das die Zähigkeit der Gemeinden durchaus nicht in dem ewigem Gesetze alles Werdens, dem gemäß sich die Aeuß erlichkeit der Idee starr entgegenstellt, bis diese sie nicht zur höheren Form flüssig macht, und die hervorbrechende Knospe der Zeit bedarf um die Rinde zu sprengen, begründet ist. „Die Thatsache lehrt", nach Herrn vr. Landau, „daß in vielen Gemeinden gerade von den konservativen Rabbinen Reformen friedlich durchgedrungen sind, für welche die radikalen, weil sie mehr wollten, als das religiöse Bewußtsein gestattet, kein Vertrauen zu gewinnen vermochten. Die besonnenen, von religiösem Ernste zeugenden Reformen", wird weiter fortgefabren, „ werden von den Gemeinden bereitwillig ausgenommen, und führen sie in Einigkeit und Frieden gemessenen Schrittes vorwärts." „Ter Grund, daß alle größeren Rcformversuche bisher scheitern mußten, wird weiter darin gefunden," daß der heilige religiöse Ernst, der allein den wirklich treuen Anhängern des Glaubens Vertrauen einzuflößen im Stande ist, gefehlt hat. Wir wissen wirklich nicht, wie uns beim Lesen dieses Geredes zu Muthe ist. Ist das die Legitimation des religiösen Ernstes des Herrn vr. Landau, daß er von Dingen spricht, die geschehen sein sollen, von denen auch Niemand außer er selbst Etwas weiß. Wo sind'.sie größeren Reformversuche, die bisher scheitern mußten? Daß es die Rabbiner- Versammlung nicht ist haben wir schon oben gesehen. Da nun der Aufsatz weiter von den Frankfurter, Breslauer und Berliner Neformvereinen spricht, so müßten diese gemeint sein. Wie kann aber von einem Bres-

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