Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1846)
- Date
- 1846-01-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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15 daß sie vollkommen gut sei — wodurch allerdings die Annahme einer Hyle unmöglich wird —, daß die Frage ob Gott die Welt aus Etwas oder aus Nichts geschaffen, erst eine ganz spate ist und in der bekannten Stelle 2. Makkabäer 7, 28, ex ouk ontoii zum erstenmale formulirt ward; ja ohne zu bedenken, daß das ouk ou möglicherweise das platonische „Nichtsein" d. h. eben die Hyle sein könnte. Gegen Steinheim und nicht im Allgemeinen urgirte ich das Wort Offenbarung und verlangte es im Hebräischen nachgewiefen und das mit vollem Recht. Soll ich nun noch Mendelssohn Ihnen gegenüber in Schutz nehmen? Sie wollen in dem bekannten 'rD postm den Ausdruck für Glauben an eine übervernünftige Wahrheit, hier wohl das Dasein Gottes, wiederfinden, und es soll sich dadurch der Glaube von dem subjektiven Fürwahrhalten unterscheiden. Ich will es mit dem Worte subjektiv Fürwahrhalten nicht so genau nehmen, sonst würde ich Sie um eine genaue Begriffsbestimmung dieses von den Theologen so oft gebrauchten Wortes bitten und Sie möchten in Verlegenheit gerathen. Aber ist in jener Stelle von einem andern Glauben, als von dem an eine Verheißung die Rede? Abraham glaubte Gott, trotz der Unwahrscheinlichkeit der Sache, daß seine Nachkommen zahlreich wie die Sterne am Himmel sein werden. Das, Lieber, ist der Glaube Abrahams, daß er an die Zukunft, an die Zukunft seiner Sache, an die zukünftige Herrschaft der von ihm vertretenen Wahrheit glaubte; daS ist auch der Glaube, der Israel durch alle Stürme der Weltgeschichte geführt und unversehrt erhalten; das ist der Glaube, welcher die Welt überwindet: aber wahrlich nicht Ihr und Steinheims Glaube an übervernünftige geoffenbarte Wahrheiten. Dieser Glaube „umfaßt den ganzen Menschen, ist Erkenntniß mit dem Herzen, eben so sehr wie mit dem Kopfe," nicht die für sich kalte, erst durch den Gedanken, daß Gott Alles vollkommen gut gemacht, verständlich werdende Wahrheit, daß Gott die Welt aus Nichts geschaffen. Ich kann auch heute noch. Hochgeehrter Herr, den Ausdruck „mosaische Religion" nicht billigen trotz Ihrer Verwunderung darüber. Mosaische Lehre und mosarsche Religion sind wahrlich zweierlei. Durch Moses sind uns allerdings Lehren, Gesetze, Einrichtungen geworden. Aber unsere Religion ist uns nicht durch Moses geworden; sie ist die Religion, welche schon die Väter bekannt, und wie diese zu ihr gekommen, wie ein Abraham, dessen Väter doch Götzendiener waren, den wahren Gott erkannt, davon erwähnt die Schrift nichts. Beweis genug, daß nach ihrer Voraussetzung, der Mensch aus sich, falls er sich nicht von seinem verderbten Herzen leiten läßt, Gott wohl erkennen kann, und daß unsere Gotterkenntniß eine ewige ist und nicht etwa wie Christcnthum und Muhamedanismus zu einer gewissen Zeit begonnen habe, oder wie Steinheim und wohl auch Sie wollen, durch ihren Anfang in der Zeit ihren geoffcnbarten Karakter manifestiren. Meine Behauptung, das Judenthum sei „Geschichts - Religion und Religion der Geschichte kat exochen haben Sie zunächst nicht verstanden und daher fertigen Sie dieselbe mit den Worten ab: „Das Judenthum ist auch mehr als Geschichte; es ist Lehre und Gesetz, welche geschichtlich, faktisch geoffenbart, geschichtlich, wunderbar bekräftigt wurde, es ist auch Verheißung, die zur Geschichte werden muß, cs ist Religion im edelsten Sinne des Wortes, denn es ist Bund nnn zwischen Gott und Israel." Sehen Sie, geehrter Herr Dr., cs ist Ihnen hier etwas gar Arges widerfahren. Sie gerathen nicht blos mit mir, sondern auch mit Ihrem Meister, Steinheim, in Widerspruch und haben Behauptungen hingeschrieben, die Sw schwerlich vertreten können. Sehen wir zu. Das Judenthum soll l) eine Lehre sein, welche geschichtlich, faktisch geoffenbart wurde. Welches ist nun diese Lehre, die geschichtlich faktisch geoffenbart wurde? Nach Steinheim freilich die Lehre von Gott, Schöpfung aus Nichts, Belohnung und Bestrafung. Steinheim nämlich schließt rückwärts. Weil diese Lehren einmal im Judenthum vorhanden sind, und nach seiner Voraussetzung sie der Vernunft diametral widersprechen, so müssen sie wie der physische Stein faktisch und noch mehr als dieser auch geschichtlich geoffenbart worden fein. Aber Sie, den Theologen und Rabbiner, frage ich, wo und wann? Wann ist die Lehre von Gott, von der Schöpfung, von Belohnung, nach der Bibel faktisch geschichtlich geoffenbart worden? Vor Moses hatten nach der Schrift dieselben schon die Vater; vor den Vätern schon Noah, vor Noah schon Adam. Wie stehet eS also mit Ihrer faktischen, geschichtlichen Offenbarung der Lehren? Meinen Sie aber die ander» Lehren der Schrift? Nun diese sind auch Steinhcim nichts weniger als geoffenbaret. Denn 1) sind sie der Vernunft nicht diametral entgegengesetzt — auch bei andern Völkern finden sich gleiche Lehren — 2) sind sie leicht aus diesen obersten geoffcnbarten Sätzen abzulciten. Wodurch wollen Sie also ihren Charakter als faktisch, geschichtlich geokfenbarter Lehren beweisen? Etwa dadurch, daß cs in der Schrift immer heißt, Gott sprach zu Moscheh, rede zu den Kindern Jifrael und dann die Lehren folgen? Lieber Herr Dr. I 'Hüten Sie sich, die Wirren der protestantischen Theologie auch auf's Judcnthum zu verpfianzcn. Dieser bornirte Orthodorismus ist kein jüdisches Gewächs. Fragen über die Inspiration der Schrift und waS damit zusammenhängt, sind im Judcnthum noch nicht angeregt worden und werden es auch hoffentlich nicht. Im Judenthum heißt es TW pxoa ü’STOJ up pst und