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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-01-25 · Heft 4 (25.1.1846) · page 12

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 4 (25.1.1846)
Date
1846-01-25
Page
– (sequence 12)
Language
German
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16 123 p3 t>Np:iT "]bü P3 IN'M'. Also dieIndividualitätderPropheteil bleibt gerettet, d. h. doch nichts anders als: Gott hat nicht jedes Wort den Propheten diktirt, sondern die Lehren der Schrift beweisen sich nur durch ihren Inhalt, durch ihre ewige Wahrheit als göttliche und nicht durch ihre Form. Aber auch das Gesetz soll nach Ihnen geschichtlich, faktisch gcoffenbaret sein. Hier meinen Sie wohl das Ccrcmonialgcsetz. Aber auch hier wiederum weichen Sie von Steinheim ab. Diesem z. B. ist das ganze Opfcrgesetz, ttotz dem daß cs in der h. Schrift stehet , kein geoffenbartes, sondern in der Sitte und Bildung damaliger Zeit begründetes. Aehnliches Ccrcmoniell wie bei den Juden findet fich auch bei den damaligen heidnischen Völkern, mit dem charakteristischen Unterschiede natürlich, der das mosaische Princip vom heidnischen unterscheidet. Ich rathe Ihnen einmal Bährs Symbolik des mosaischen Cultus zu stud.rcn. Mit dem mosaischen Princip, mit dem reinen Monotheismus war daher auch in einer Welt, die gewohnt war, ihre religiösen' Gedanken symbolisch zu verkörpern, auch das mosaische Ceremonialgesetz gegeben. Weder die Lehren, noch das Gesetz des Iudenthums fielen vom Himmel herab und wurden den Menschen als ein fremdes äußerliches geoffenbart, sondern „in deinem Munde unv in deinem Herzen hast du fie, fie zu üben." Wenn das Herz, behaupte ich, unbestochen von seinen bösen Gelüsten, den Kops nicht verwirrt hätte, so war die mosaische Lehre und die Symbolik des Mosaismus auch ohne besondere Offenbarung zu finden. Worin bestehet denn die Offenbarung Gottes? Sie ist die Geschichte Israels sage ich und wahrlich das ist nicht so wenig als Sie glauben. Die Bibel von Anfang bis zu Ende schildert uns den geschichtlichen Kampf des Monotheismus mit dem Götzendienst, ein Kampf, den auch jeder von uns heute noch in fich selbst auszufechten hat. Die Bibel weist auf die Zeit hin, wo dieser Kamf für die ganze Menschheit durchgekämpft sein wird; Israel soll in diesem Kampfe Vorkämpfer und so der Segen der Menschheit sein; in diesem Kampf hat Gott die Macht der Wahrheit, das heißt, seine Macht, und die Ohnmacht der Lüge geoffenbaret. Sie sagen selbst, geehrter Herr, „daß nichts verborgener als die Zukunft ist," daß also, wenn von Anfang an der Sieg des Monotheismus proklamirt wird, dieses eine große wunderbare Offenbarung ist, nun warum ist Ihnen diese Offenbarung nicht hinreichend? Warum verlangen Sie nach einer andern? Warum muß jede nttfy niSD und rtffyn vh mso eben so wunderbar — trotz der Geschichte, die Aehnliches, wenn auch prinzipiell Verschiedenes bei andern Völkern nachweist, — von Gott selbst offenbart worden sein? Gott beweist fich in der Geschichte, behaupte ich; Gott hat nch besonders in der Geschichte Israels bewiesen, wo ein hrrzenververbtes Volk um der Vater willen durch seine Geschichte zur An, erkennung und Verkündigung und Verherrlichung des Namens des Einen geführt ward, warum genügt Ihnen das nicht? Lesen Sie doch einmal unbefangen die heilige Schrift. Was sagt der einfache klare Wortfinn, daß offenbart worden sei? Was wurde einem Abraham offenbart? Etwas anders als diese Zukunft? Weist Moses nicht immer wieder auf diese Zukunft und diese Bestimmung Israels hin? Ist das von den Propheten gesprochene nicht das gcoffenbarte Wort Gottes? Uno enthält dieses neue Lehren, oder Ceremonialgesetze? Enthält es nicht einzig und allein diese Hinweisung auf die Geschichte Israels und wie Gott in dieser Geschichte fich manifestirt unv wie zuletzt der Sieg der Wahrheit allein verbleiben wird? TIN lQtM IHN 'n rvrp tonn QVQ, Das ist die Quintessenz aller Offenbarung im Iudenthmn; alles Andere folgt mit Folgerichtigkeit aus derselben und es ist weder nöthig, noch thunlich jeder einzelnen Ceremonie ein gleich wunderbares Gecffenbartsein zuzuschreiben, vielmehr sind alle Ceremonien aus diesem Prinzip und aus der Stellung Israels zur Welt zu begreifen. Ich verlasse Sie für heute, hochgeehrter Herr, so manches ich auch noch Ihnen zu sagen hätte. So z. B. „daß der fromme Lebenswandel das Wichtigste vor Gott ist" behauptet jede Neligion und nicht blos das Judcnthum. Das Christenthum behauptet blos, daß ohne seinen spezifischen Glauben ein frommer Lebenswandel gar nicht möglich; gerade wie auch wir, daß ohne Monotheismus dieses nicht möglich. Von andern Völkern verlangen wir nicht Beobachtung der speziell jüdischen Ceremonien. wohl aber Aufgeben des Heidcnthums. Dtt'n nrro ist wie Sie als Rabbiner wissen, jedem Menschen verboten. Doch, wozu noch weitläufiger werden? Ohnehin behalte ich mir vor, den Schluß Ihres Artikels, sobald er mir zu Gesicht kommt, wenn es nöthig. zu beleuchten. Daher für heute hochachtungsvoll nur die Bitte, mir die in diesem Aufsatz niedergclegte Aufrichtigkeit und vielleicht etwas derbe Wahrheitsliebe nicht übel zu deuten. Ihr ergebenster Samuel Hirsch. Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. - Druck von Frier. Krähe in Offenbach.

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