Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1846)
- Date
- 1846-01-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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man eine Vorlesung über Geschichte der Philosophie geben, oder doch eine objektive Logik schreiben und so den Fortschritt von der leeren mathematischen Quantität, die Steinheim als den ganzen Inhalt des menschlichen Geistes erklärt, zur Qualität dem Maaß, dem Wesen bis zum organischen Leben hinauf Nachweisen. Ich frage also äußerlich: Wenn es wahr ist, daß wir. die Außenwelt nicht in unserm Geiste haben, daß der in ihr sich aussprechende Geist nicht mit unserm Geiste verwandt ist und von ihm begriffen werden kann, wenn die Außenwelt gerade deshalb wahr ist, weil sie unserm Geiste widerspricht, woher kommt es. daß wir den Dingen der Außenwelt Namen geben? Das Namengeben ist eine sehr wichtige Eigenschaft des menschlichen Geistes und schon von der Bibel und dem Midrasch, als das den Menschen Auszeichnende erkannt (vergl. Gen. 2, 19, 20 und zur St. Cap. 17.) Was wir nicht zu benennen wissen, eristirt für uns gar nicht, ist unserm Bewußtsein völlig ftemd. Indem der Mensch den Dingen Namen qibt. der erste Schritt zu aller Erkenntniß, erklärt er ihre Wescnbelt seinem Geiste nicht fremd, sondern demselben zugänglich. Die Philosophie hat es gar nicht mit der wirklichen Außenwelt, sondern mit diesen den Dingen gegebenen Namen zu thun; sie ist ja die Wissenschaft der Begriffe. Sie hat die Welt nicht erst zu schaffen, wie Steinheim ihre Aufgabe falsch auffaßt, sondern die zuerst von Gott geschaffene Welt und dann vom Menschen mit Namen versehene, nun zum Drittenmale wieder geistig zu schaffen, d.h. die Vielheit in ihrer innern Zusammengehörigkeit zn begreifen. Denken Sie darüber nach und die Stcinheimschen Fordersätze werden Ihnen als längst widerlegt klar werden. Doch geben wir einmal diese Fordcrsätze zu: wie ist die Drücke beschaffen, die zu seinen Resultaten führen soll? Auch Jakobi, den Steinheim so hoch stellt, ging von gleichen Fordersätzcn aus. Dem Kantschen Skeptizismus, dem die wirkliche Welt ebenfalls ein unbegreifliches, ein transcendentales Jenseits ist, nahm auch er an. Auch Jakobi behauptete: Wir können von der wirklichen Welt nichts begreifen, gerade wie Steinheim. Aber als conscquenterer Denker behauptete er. eine immerwährende ununterbrochene göttliche Offenbarung. Im Gefühl, da haben wir Gott, da hat ein Jever Gott, sagt Jakobi. Ganz anders Steinheim. Wie in rer physischen Welt eine wirkliche Existenz, die mehr als ein mathematisches Gcvankending sein soll, uns nur durch Offenbarung wird, so auch Gott. Aber nicht wie in der physischen Welt ist die Offenbarung Gottes. Die Offenbarungen der physischen Welt sind Offenbarungen für alle Menschen, zu allen Zeiten. Heute, wie vor tausend Jahren, in Europa, wie in Amerika überall offenbaren uns die natürlichen Dinge ihre Existenz. Gott aber offenbart sich nicht immer und nicht Allen; er hat sich nur einmal, in einem Winkel der Erde, wenigen Menschen geoffenbart, warum hier anders wie dort? Sie, geehrter Hr. Dr. finden diese Frage drollig, ich ganz und gar nicht. Nicht ich geehrter Herr Dr., urgire das Wort Offenbarung sondern Steinheim thut das und ich widerlege ihn nur auf seine Weife. Alle Wahrheiten, die die menschliche Vernunft aus sich entwickeln kann, sind Steinheim Philosopheme. Denn Offenbarung, sage ich nicht, sondern Steinheim, muß etwas offenbar machen, was ich ohne Offenbarung nicht wissen kann. Dieses nicht Wissen können der Wahrheiten ist das einzige Schibolcth, wodurch Steinheim geoffenbarte Lehren von Philosophemen unterscheidet und erkennt. Wer auf dieses Seboleth nicht schwört, ist kein Jude, ein Ketzer, ein Heide. Hat er sogar das Unglück Rabbiner zu sein, so kann Steinheim mit „steiniget ihn" nicht fertig werden. Er ist ein Heuchler, ein Betrüger, ein Eskamoteur, der ein Philosophem in die Synagoge er'nfchwärzt und die Offenbarung verdrängt: Offenbarung muß etwas offenbar machen was ich ohne sie nicht wissen kann, das ist der ganze Stcinhcimifche Beweis. Ich frage Sie hochgeehrter Herr Dr., ist da meine Zumuthung so sehr am Unrechten Orte, mir doch das Wort Offenbarung im Hebräischen nachzuweiscn? Nicht auf die Sache, auf das Wort ganz allein kommt es an, lieber Herr Dr. Offenbarung muß etwas offenbar machen, das ist das Kriterion, das Schitoleth, woran Steinheim Iuventhum von Philosophem unterscheidet; wenn es wahr ist, sage ich, daß dieses das Schiboleth des ächten Judenthums ist, so muß dieses Schiboleth den alten Juden auch zum Bewußtsein gekommen, oder gar ihnen geoffenbart worden sein; sie müssen also den Begriff, d. h. das Wort, auch haben. Sie kennen dieses Wort, diesen Begriff, dieses Schiboleth nicht, damit behaupte ich, fällt der Nerv des ganzen Steinheimischen Beweises. Steinheim ist weit davon entfernt, mit Ihnen, geehrter Hcrr Dr., ein Verbot, wie etwa 3"J 'JD für ein ächt gcoffenbartcs zu halten; cs fehlt einem solchen Verbot All und Jedes, was zu einer Offenbarung gehört; er erklärt die Opfersymbolik als ein Ueberbleibfel aus dem Heidenthum, trotz dem, daß nach der Schrift, Gott sie geboten: ihm sind nur die Lehren, Gott, Schöpfung aus Nichts, Belohnung und Bestrafting Objecte der Offenbarung, Begriffe, die, einmal gegeben, der menschlichen Vernunft weiter zu entwickeln obliegen , die die menschliche Vernunft aber aus sich nicht hätte finden können. Steinheim pocht immer auf die Schöpfung aus nichts, ohne auch nur zu bedenken, daß die heilige Schrift auch kein Wörtchen darüber sagt, ob Gott die Welt aus Nichts oder aus Etwas geschaffen, sondern nur daß er sie geschaffen und