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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-01-25 · Heft 4 (25.1.1846) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 4 (25.1.1846)
Date
1846-01-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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33 der Israeliten Schwerins an ihren Magistrat vor mir, in welcher dieser gebeten wird, ihre Sache auf dem Landtage zu unterstützen. Viele Gemeinden deS Landes haben sich theils diese Petition für ihre Magistrate angecignet, theils selbstständig ähnliche Schritte gcthan, und ist auch eine völlig befticdigende Lösung der Judenfrage so wenig hier als in andern Bundesstaaten schon jetzt und mit einem Male zu erhoffen, so dürfte die wohlthätigc Umwandlung der öffentlichen Meinung, wie sie namentlich hier in wenigen Jahren in Bezug auf die bürgerliche Befähigung der Juden stattgesunden, zu ftohen Erwartungen für eine nicht ferne Zukunft berechtigen. — Können wir in Bezug auf die polftischen Verhältnisse nur noch einstweilen von einer Zukunft reden, so berechtigt die religiöse Bewegung schon von einer Gegenwart zu sprechen. Der hier seit wenigen Jahren angeregte Geist des Fortschrittes hat nicht verfehlt feine Früchte zu ttagen und die bereits gewonnenen Resultate sind sowohl an sich beftievigend, als für die weitere ruhige Entwicklung der Verhältnisse viel versprechend. Wenn wir des gewonnenen Besitzthums und gesicherten Fortschrittes uns fteuend, eS verschmähen, in den öffentlichen Organen des Judenthums hievon viel Redens zu machen, so wird es uns doch kein Billigdenkender verargen, wenn wir in den öffentlichen Schritten für unsere bürgerliche Gleichstellung zur Beseitigung des uns von jeher entgcgcnstehcnden Vorurthcils auch auf die Entwicklung unserer inncrn Verhältnisse Hinweisen, und zwar nicht deshalb, um etwa hierauf unfern Anspruch auf Rechtsgleichheit zu gründen, sondern vielmehr um jenem mittelalterlichen Ungbthümc zu begegnen, welches sich nicht scheute, für die Verweigerung des Rechtes auch jene inneren Verhältnisse auszubcuten. Und so durfte die obenerwähnte von sehr kundiger Hand ausgcarbcitetc Petition kein Mißverfiändniß fürchten, wenn sie, nachdem alle bürgerlichen Verhältnisse der Juden Mecklenburgs von ihr scharf beleuchtet und die Gesetzgebung, deren Blöße sie aufgedeckt, schamroth gemacht worden, auch über den gegenwärtigen Stand der Religionsverhältnisse folgendes sagt: „Das heutige Judenthum ist kein verschlossenes Buch mehr, es liegt klar und offen in dem Glaubensbckenntniß, welches bei der Rcligionsweihe gesprochen wird, sowie in den Religionsbüchcrn vor, wonach unsere Jugend unterrichtet wird. Waren daher früher Mißverständnisse in Bezug auf unsere Religion zu entschuldigen, so sind jetzt Vorwürfe gegen dieselbe, insofern sie unserer Emancipatton entgegengesetzt werden und lediglich zum Deckmantel für Intoleranz und Vcrfolgungssucht dienen, leider ein trauriger Beweis mehr von der geringen Thcilnahme, welche Christen der gerechten Sache der Juden widmen. Jeder Christ, welcher sich des Fortschrittes im Allgemeinen auf einem ihm selbst fremden Gebiete fteuet und in der Entwicklung und Veredlung aller verschiedenen Kräfte des Staates die Förderung des Gesammtwohls, die Lösung des höchsten Staatsprincips erblickt, wird mit großer Genugthuung wahrnehmen können, wie die Juden Deutschlands sich seit den letzten Decennien kräftig an sich selbst heraus entwickelt haben. Namentlich hat unser hochverehrter Landes - Rabbiner das große Verdienst sowohl durch Verbesserung des Cultus als durch seine, gottesdienstliche Vorträge den religiösen Sinn der mecklenburgischen Juden hier angeregt, dort befestigt, hier geläutert, dort zum klaren Bewußtsein gebracht zu haben, als auch durch thatkrästige Fürsorge für die Neligionsschulen die künftige Generation zu Ehren des Vaterlandes hcranzubilden. Von der moralischen Kraft unseres Glaubens zeigt am besten der Umstand, daß wir ihn nicht um politischer Vortheile willen aufgeben, sondern für ihn die politische Bürde schwer tragen." Wir können nicht umhin, an diese Aeußerung die Bemerkung gelegentlich zu knüpfen, daß, wenn die theologische Richtung, die unser Landes-Rabbiner im Felde der Wissenschaft vertritt, ihm so viele bitteren Gegner und Feinde zugezogen, die unablässig bemüht sind durch allerlei gehässige Jnvectiven ihm das Vertrauen seiner Gemeinde zu entwenden, cs für ihn ein freudiges Ehrenzeugniß sein müsse, dieses Vertrauen in den nächsten Kreisen seines Lebens und Wirkens tagtäglich wachsen zu sehen und gleichsam nur nach schicklicher Gelegenheit und Veranlassung trachtend, sich auf eine thatkrästige Weise auszusprechen. — Der ruhige Entwicklungsgang unserer inneren Verhältnisse ist auch ganz dazu geeignet, selbst die bittersten Gegner Holdhcims zur Verzweiflung zu bringen. Miseelle. Ein kaiserlicher Mas vom 10. Dec. befiehlt „unabhängig von der den Juden in Rußland gegebenen Erlaubniß, christliche Lehranstalten besuchen zu dürfen", die Errichtung besonderer jüdischen Schulen, sowohl Elementarals höherer Schulen. Der Unterricht an denselben, mit Ausnahme des religiösen, darf auch von Christen crtheilt werden und die Lehrer (Juden!wie Christen), sind von der Rekrutcnpflicht befreit. Der Mas schließt mit den Worten: Wir hoffen, daß dieser neue Beweis Unserer Fürsorge für die sittliche Bildung der Hebräer auch sie anregen wird, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zur Ausführung eines! Vorhabens mitzuwirkcn, das nur ihr wahres Wohl bezweckt. Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offcnbach.

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