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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-01-25 · Heft 4 (25.1.1846) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 4 (25.1.1846)
Date
1846-01-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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SS nicht blind für die Vorzüge Nichtorthodorer. Sanft war das stete Streben seiner regen Thätigkeit, Recht und Religion in seinem Sprengel aufrecht zu erhalten. Nach seinem Tode habe ich,; der ich schon mehrere Monate früher meine Obervorsteherschaft im j Saroffer Comitate nievergelegt, mich weder für, noch gegen die Wahl eines Rabbinen ausgesprochen, mich weder für, noch dagegen verwendet, auch keinen Probe-Predigenden oderDarschenenden gehört, vielweniger abgefertigt. Berichtet war ich wohl als unmittelbar nach dem Dahinscheiden des Hrn. M. Frenkel. noch an seiner Bahre, schon die Sebescher an die Aufnahme eines Rabbinen gedacht, und gesprochen, und glaube mit Recht unterrichtet gewesen zu sein, über so grasten Undank und so schnelles Vergessen, aller der unbestreitbaren Verdienste des Verstorbenen. Ich nehme mir nicht die Mühe aus dem Berichte die Fortschritte in St. Miklos den Berichterstatter zu errathen, sowie ich nicht weiß, welche Jdiospncrafie denselben auf unser n (?!) S. M. Schiller führt. Ich bin nicht zum Paneggristen des Hrn. S. M. Schiller berufen, muß aber zur Steuer der Wahrheit versichern, daß Hr. S. M. Schiller allerdings approbirter Rabbiner ist. und zwar durch Herrn A. Chorin S. A. Ferner ist er von der Eperieser Gemeinde angestellter und besoldeter Prediger im Tempel dieser Gemeinde Freilich wenn man unter Tempel ein isolmes Gebäude mit hohen Fenstern und langen Thüren versteht, den hat Eperies nicht. Aber in meinem Hause, ein dazu bestimmtes und der Gemeinde ganz eingeräumtes Lokal, mit tempelartiger Einrichtung, hat Eperies. Auch haben die Predigten des Hrn. Schiller meinen Beifall, so gering ich selben auch anschlage, noch immer ungetheilt. Endlich ist derselbe wirklich Privatdoceni am evangel. Collegio zu Eperies, durch den Inspektor, schmeichelhaft dazu berufen. Leo Holländer. Baicrifche Zustände. (Aus Unterfranken.) — Wenn die mageren Berichte fortwährend auf eine geistige Dürre und Unfruchtbarkeit hindeuten, so ist diese Deutung, soweit man die nähere Thätigkeit im Auge hat, auch ganz der Wahrheit gemäß. Aeußere Spuren wirklichen Fortschrittes sind fast nirgends wahrzunehmen, ich sage fast, weil es mir wirklich wie eine Unmöglichkeit vorkommt, eine absolute Verneinung nicderschreiben zu sollen, und dennoch ist es so. Nirgends eine Spur wirklichen Fortschrittes. Das wäre nun freilich sehr traurig und entmuthigend für dcn, welcher es aufrichtig gut meint, welcher bei dem strengsten Conservatismus überzeugt ist, daß ohne Fortschritt kein Leben und folglich auch kein dauerhaftes Bestehen möglich sei. Allein die ruhige Resterion und unbefangene Prüfung wird immer den äußern Anschein von dem Wirklichen zu trennen wissen und wer die Vorgänge der Zeit im Zusammenhänge mit früheren und im Vergleiche mit ähnlichen an andern Orten, in andern Ländern, betrachtet, wird selbst über solchen scheinbaren Stillstand tröstlich urtheilen können. Wenn ich den Stillstand einen scheinbaren nenne, so habe ich damit schon die Tröstung bezeichnet, mußte aber eine nähere Erklärung beifügen. Der Mangel an Bewegung, das schlaffe Fortbestehen alter Observanzen und Mißbräuche neben der immer mehr sich breitmachenden sogenannten Orthodoxie nach altem Schlendrian führt unverkennbar einen bei uns noch nicht vorhanden gewesenen Znvifferentismus herbei. Nur ist dieser freilich nicht erfreulich und wird mit Recht als das Gift aller Religiosität und alles Guten bezeichnet, als eine Fäulniß, eine Vergehung, die dem Beobachter nur Ekel und Widerwille einflößt. Aber leider scheint es nun einmal das Loos der Menschen zu sein, daß ein großer Theil ohne diesen sumpfigen Weg zu pasfiren die geebnete Bahn der geistigen Freiheit und Selbstständigkeit nicht betreten kann. — Es scheint, daß, wie der von Jugend an zu einer höhern Bildungsstufe empor Steigende von einer Ansicht zur andern nicht unmittelbar übergeht, sondern erst über die Brücke des Zweifels schreiten muß, so müssen diejenigen, welche ohne geistige Selbstständigkeit durch Autoritäten geleitet werden, vom Jndlfferentismus zuerst ergriffen werden, bevor sie vom alten Schlendrian sich losreißcnd vertrauensvoll einem Führer folgen, der in eine freiere heitere Gegend sie führen will. Man kann an die Stelle des alten Hauses nicht sogleich das neue aufführen, wenn auch die Nothwendigkeit eingesehen und ein zweckmäßiger Bauplan entworfen ist. Das alte muß erst eingerissen, selbst mancher gute Balken unv brauchbare Stein in Schutt verwandelt werden, bevor dcr Neubau beginnen kann. Dann wird freilich bei Wegräumung des Schuttes jedes Brauchbare wieder ausgenommen und zum neuen Baue verwendet, aber Verheerung unv Vernichtung muß vorausgehen. Und ist es im Entwicklungsgänge der Natur anders? Muß das Körnchen nicht auch in Verwesung übergehen, bevor der grüne Halm, dessen Keim in ihm liegt, aus ihm emporsteigen kann? Der Jndifferentismus scheint eben so eine traurige Nothwendigkeit zum Gedeihen des Fortschrittes, oder deutlicher, zur Fortpflanzung und Ausbreitung der Wahrheit zn sein. Es muß bei Vielen ihr Gift vorher wieder eine tabula rasa werden, bevor er verjüngt die neue Wahrheit aufzunehmen fähig ist. Die Erfahrung bestätigt es auch hinlänglich. Denn zeigt sich ver Eifer für unsere Religiosität nicht ge. rade am stärksten in jenen Kreisen, wo noch nicht lange der Jndifferentismas hauste?

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