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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-01-25 · Heft 4 (25.1.1846) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 4 (25.1.1846)
Date
1846-01-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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SS dürften wir es thun, dürften wir einen seiner Vollendung entgegeneilendenTempel,in welchem wirjedenfalls das Werk des wahrhaft fortgeschrittenen, von heidnischen Momenten gereinigren Geistes erblicken müssen, und der leine Pforte auch uns öffnen will, in vandalischer Brutalität zer-, stören? — Was nun anfangen in dieser Collision der Vorschriften der Religion hinsichtlich der Sabbath¬ und Speisegesetze einerseits und des seiner Consolidirung enrgegengehenden Staates andrerseits? Herr vr. Landau hat eine Antwort bereit, er ruft uns zu: „Genieße, wer nicht glauben kann; wer glauben kann, entbehre". Ist aber das Streben des Menschen, seine volle Thätigkeit im Staatslcben zu verwirklichen, nichts anders als das Streben zu genießen? Hat Herr vr. Landau das Ariom aller jüdischen Denker, des Mittelalters vergessen, daß es nämlich die göttliche Natur im Menschen ist, die ihn zum Leben im Staate hintreibt >'222 '^22 mwi? Das Zudenthum hat sich mit der Auflösung seines Staates einen ideellen Staat für die Zukunft gestaltet, in welchen sich seine Anhänger über die Wirklichkeit hinausflüchteten, und in welchem diese rubig fortlebten, so oft man sie auch vom heimathlichen Boden wegtrieb. Die Gegenwart hat ihm diesen ideellen Staat wiederum zerstört, indem das von ihm erwartete Messiasreich gerade die nationalen Schranken durchbricht und über sie hinausreicht. Nicht genießen will es in dem Staate, in welchen es Eingang fodert, vielmehr arbeiten, seine von Gott ihm verliehenen Kräfte verwenden und bethätigen. Nicht eingeben will es in den Staat und an der Pforte seinen Glauben lassen, vielmehr im Staate einen wirklichen Boden zur Entfaltung seines Glaubens sich erringen. Nur wer wahrhaft gläubig ist, auf dem Altar des Glaubens sein selbstsüchtiges Ich dem Gott der Menschheit zum Opfer gebracht hat und aus dieser Opferflamme als ein zum Allgemeinen verklärtes Selbst hervorgegangen ist: kann sich nicht in hermetischer Abschließung erhalten, nur der zwingt es, sich im Staate als ein dem Allgemeinen gehörenden Mensch zu bewähren- Wer diesen Zwang nicht in sich fühlt, wem es geheuer ist in der isolirten Stellung und isolirten Beschäftigung, die zu Nichts nütze ist, als ihm seine tägliche Nahrung zu gewähren: der glaubt gläubig zu sein, wie etwa der Orang-Outang sich einbilden mag, Mensch zu sein, weil er diesen nachäfft, ist aber in Wahrheit nicht gläubig und kennt denGlauben nicht, der will genießen, das heißt sich selbst genießen und findet im egoistischen Selbstgenusse, der dem Glauben fremd ist, thierische Befriedigung. So schaut der religiöse Ernst die Dinge an, nur wo dieser Ernst fehlt, kann eine andere Anschauung aufkommen. Wem es ernst mit der Religion ist, der sieht in der Anfoderung einer jüdischen Gesammtzahl, die Speisegesetze aufzuheben und die strenge Sabbathfeier zu mäßigen, nicht die Anfoderung, „Herrendienst über Gottesdienst zu stellen", — denn dem ist das Leben im Staate gerade das entgegengesetzte von Herrendienst, vielmehr eine wahre Verwirklichung des Gottesdienstes — wohl aber eine Aeußerung der in der Collision mit dem vollen Staatsleben sich bewußten Glaubensgenossen, eine Aeußerung der mit religiösen Vorschriften in Widerspruch sich wissenden Idee der Religion; der erkennt in ihr eine der ernstesten und schwierigsten Aufgaben des gegenwärtigen Judentbums, auf deren Lösung eine volle geschichtliche Zukunft wartet. (Schluß folgt.) Geschichte des Tages. Berichtigung. (Eperies, in Ungarn.) — Der anonyme Einsender „Ungarischer Wirren" in Nr. 44 des Israeliten muß unmittelbar vor Concipirung seines Artikels, einen Blick in seinen Hirnkasten gethan, und so die Wirren seines Kopfes als Daguerrotype auf's Papier versetzt haben. Ich aber wäre weit entsernt gewesen mitdemDon- Quirote dieser Mittheilung eine Lanze zu brechen, wenn nicht die mehrfache Erwähnung meines Namens bei mir ganz fremden Gelegenheiten, mich zu einer Berichtigung zwänge. Leider kann ich nicht sagen, der traurige Zwiespalt zwischen „Schierchevre" und Casfino in Sebes, habe nicht oft die Ruhe der Kehila gestört, und selbst in das Privatleben mehrerer Familien störend eingegriffen. Aber unwahr ist es, daß je in meinem Beisein eine Schlägerei zwischen den Parteien stattgefunden, denn ich darf, ohne arrogant zu sein, behaupten, so sehr ward mir stets die Liebe, die Achtung und die Scheu meiner damaligen Gemeinde, als daß ein Scandal der Art, unter meinen Augen auszubrechen drohen durfte, ohne daß ich Mittel zu finden wußte, selben in der Geburt zu ersticken. Mein ins ewige Leben dahingegangener väterlicher Freund und Lehrer, Moses Frenkel, Rabbiner in Sebes, hat nie irgend einen Handel getrieben. Und war er orthodox, so war er doch

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