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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-01-25 · Heft 4 (25.1.1846) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 4 (25.1.1846)
Date
1846-01-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Die Adressen und Denkschriften, welche an die zweite Rabbinerversammlung gerichtet wurden, wollten nach ihm den langsamen Gang der schwankenden, mehr destruktiv geneigten Rabbiner beflügeln, und wenn ste dieser zum Theil drollig genug zurufen, daß die Rabbinen sich nicht nach veralteten Büchern richten, vielmehr zur Verherrlichung Gottes und zur Heiligung seines Namens die Speisegesetze aufhcben und die strenge Sabbatbfeicr mäßigen mögen, so verstehen sie unter letzterem geradezu die Erlaubniß der Erwerbethätigkeit, um die es ihnen eigentlich zu thun ist, und werden sie sich auch nicht eher begnügen, bis man nicht geradezu den Grundsatz ausgesprochen bat: Herrcndicnst geht vor Gottesdienst, bis man cs nicht als die Pflicht eines jeden redlichen jüdischen Staatsbürgers bin stellt, sein Geschäft am Sabbalhe zum Wohle des Staates ununterbrochen zu betreiben; so wollen sic Alles, was sie sich bisher gegen das Gesetz erlaubt, nicht nachgeseben, nicht entschuldigt, nein, so wollen sie dieses Alles „zur Verherrlichung Gottes und zur Heiligung seines Namens" zur Religionspflicht erhoben wissen. Und wenn wir auch alle Unterschriebenen miizählen, so bleiben sie, nach Herrn vr. Landau, eine winzige Schaar, der das positive Zudentbum zum Theil, wo nicht ganz abhanden gekommen ist, schwinden vor der gegenüberstehcnden Gesammtheit und geben nichts weiter kund, als daß es heute, wie immer, Juden gebe, die ihren Religionsvorschriften nicht treu sind, oder sich auf eigne Faust ein Judenthum der bloßen Idee mit einer wächsernen Nase bilden, nur mit dem Unterschiede des kecken Hervortreleus. So spricht Herr Dr. Landau m der Fraukel'fchen Zeitschrift, aber nicht — der religiöse Ernst. Ter religiöse Ernst denkt sich den Menschen nicht so leicht aller Sittlichkeit uno Religion baar, zuvor müssen ihm unwiderlegbare Beweise vorliegen, bevor er ein hartes Urtheil fallt — doch nein, sein Urtheil wird nie hart sein, weil in ihm die Liebe lebt, die auch das Härteste zu mildern weiß. Mir welchem Rechte interpretirt Herr Vr. Landau die Anforderung an die Rabbiner-Versammlung, die strenge Sabbarhfeier zu mäßigen, als eine Anforderung, die Gewerbsthätigkeit überhaupt am Sabbath frei zu geben? mit welchem Rechte schiebt er den Adressanten die gemeine Gesinnung unter, die Herrendicnst über Gottesdienst setzt? Will er mit diesem Einschieben verwerflicher Tendenzen seinen religiösen ' Ernst bewähren? Muß denn wirklich das positive Judenthum denjenigen abhanden gekommen sein, die eine Modification der Sabbath- und Speisegesetze fordern? Was soll denn aus dem Judenthume, aus dem positiven Judenthnme werden, wenn nicht gerade diese Gesetze eine Modification zulassen? Bis jetzt war der Klein- und Zwischenhandel, rheilweise auch der Geld- und Papierhandel Privilegium des Juden und trat daher auch bis jetzt die Kollision zwischen den Anforderungen des Lebens und der Religion bei ihm nicht leicht hervor. Da wo die Juden, wie in Polen in großer Masse beisammen wohnten und so unter sich selbst ihre Nahrung fanden, konnten sie auch Handwerke treiben, ohne daß die Sabbath- und Speisegesetze ihnen irgend wie hinderlich gewesen wären. Die Gegenwart fordert es jetzt aber mit unerbittlicher Strenge, daß sich der Jude allen bürgerlichen Thätigkeiten ohne Ausnahme hingebe, daß er nicht mehr allein das Getreide.ein- und verkaufe, sondern es auch selbst producire, daß .er nicht mehr allein die Manufacturen in seinem Laden zum Verkaufe feilbiete, sondern sich auch bei der Fabrikation derselben persönlich betheilige. Auch die Wissenschaften haben schon lange aufgehört in der Theologie implizirt zu sein, haben sich vielmehr von ihr emanzipirt und wandern eine jede ihren eigenen Weg, obgleich die wahre Theologie dieselben sich nicht entfremden wird. Der Jude will daher nicht mehr bloß Theologie studiren, sondern auch die übrigen Branchen der Wissenschaft kultiviren, und muß daher ihm die Möglichkeit geboten werben, daß er in ihnen zugleich einen Nahrungszweig habe. Ich weiß, daß dies schon hundert Mal gesagt worden ist; aber es giebt Wahrheiten, die eben so viel Mal und ein Mal mehr wiederholt werden müssen, als sie vergessen werden. Wie kann der Jude Ackerbau treiben, wenn ihm der Staat die Sonntagsarbeit verbietet und er schon Freitags vor nwettfn pn Hacke und Karste hinwerfen muß? Wie kann er ein Handwerk erlernen, wenn er drei Jahre auf der Wanderschaft sein muß und in so vielen Städten nicht weilen kann, weil er doch seine Küche nicht mit sich führen kann, und da, wo er Arbeit findet, ihm oft keine Kostlage geboren werden und da, wo letzteres der Fall ist, häufig erstercs ihm fehlet? Wie kann er, wenn er mit knapper Noth die Wanderjahre zurückgelcgt hat, sein Handwerk zu Hause betreiben, wenn er mit seinen Gesellen den Samstag und

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