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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-01-18 · Heft 3 (18.1.1846) · page 10

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 3 (18.1.1846)
Date
1846-01-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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IO dieses Zugeständniß knüpfen und möchten es daher stillschweigend umgehen; aber ich kann cs Ihnen schlechterdings nicht erlassen. Sie wollen uns auf den streng orthodoxen Standpunkt hindrängen, oder durch eine petitio principii uns denselben aufnöthigen: wir verwahren uns dagegegen durch die Waffen, die das Iudenthum selbst uns an die Hand giebt. Sie wollen so orthodox und noch orthodoxer sein als das talmudische System; letzteres können wir nicht zugeben. Gerade wie Sie, behauptet bekanntlich auch die Halacha, den einmal geoffenbarten Ceremonien ist sich streng zu unterwerfen. Ein Begreifen derselben ist unnöthig, ja sogar gefährlich, denn das könnte dahin führen, daß der subjektive Verstand die eine oder die andere Ceremonie fiir minder wesentlich oder gar für nach den jetzigen Verhältnissen überflüssig ansähe. Aber die Bildung des 19. Jahrhunderts spielt Ihnen einen argen Streich. Der Talmud gehet auch darüber ganz unbefangen hinweg, warum den Juden und nicht den Menschen so viele Gebote gegeben find. Es ist dieses, weil Gott die Juden mehr lieb hat als die übrigen Menschen, und daher die Beschäftigung mit dem Heiligen und Göttlichen ihnen vorzugsweise zugetheilt. Wir erinnern nur an die bekannte Stelle Berachoth 35 b onnst ’T by rwj» jrosfto Dipa bv uisn pany pn £ÖÄ« ynt nn? nöjn lOKM?. Aber Sie.' Hier spielt Ihnen die Blldung des 19. Jahrhunderts einen Streich. Daß Gott so parteiisch die Juden bevorzuge, glauben Sie trotz Ihrer scheinbaren Offenbarungsgläubigkeit nicht; die Ceremonien können Sie aber auch nicht als nationale, blos den Juden gegebene mit dem Talmud anerkennen; denn sonst könnte ja manche Ceremonie in den damaligen Verhältnissen der Juden, in ihrer Stellung zu den sie umgebenden Völkern, in der ganzen Stufe damaliger Entwicklung der religiösen Bildung ihren Grund haben und daher im Laufe der Zeit, bei andern Verhältnissen, bei einer andern Weltbildung, nachdem das Judenthum schon so Vieles zur religiösen Aufklärung auch der übrigen Menschen beigetragen, allerdings modificirt oder aufgehoben werden. Was thun Sie, um sich aus dieser Sackgasse zu retten? Sie unterschieben etwas ganz Neues, von Ihnen erst Erfundenes. Wiedas Christenthum, so ist auch das Judenthum eine Anforderung an alle Menschen behaupten Sie. So wie die christliche Ceremonie allgemein menschlicher Natur, so find es auch die jüdischen. „So wenig bei der Symbolik des Christenthums an Politik und Nationalität gedacht, eben so wenig ist man befugt, solche den mosaischen Ceremonien zu imputircn" lauten ihre Worte. „Jede Confessio« hat in ihrer äußern Gottesverehrung — gleichviel ob mehr oder weniger — Symbole oder Ceremonien, deren Verschiedenheit auf den religiösen Principicn, auf den Glaubensgrundsätzen ruht, jedoch mit irgend einer Nationalität oder Politik in keinem Zusammenhänge stehet." Der ganze Unterschied zwischen Juden- und Christenthum ist nach Ihnen ein bloß confcssioneller, bestehet blos in Glaubensgrundsätzen und Principien. Nach Ihnen verlangt das Judenthum, daß alle Menschen Juden werden, wie das Ehristenthum, daß alle Christen werden. Giebt man Ihnen dieses zu, freilich dann ist es leicht mit Ihnen zu behaupten, die jüdischen Ceremonien sind von Gott wunderbar an alle Menschen geoffenbaret; warum gerade diese und keine andere Ceremonie, warum gerade in dieser und keiner andern Modification, derartige Fragen dürfen nie dahin führen, irgend etwas an den geoffenbarten Ceremonien zu modificiren; denn peetu« facit theologum, oder, wie Sie sich ausdrücken, „Die Quelle des Widerstandes liegt in „dem unbezähmten Herzen." Aber nie und nimmermehr hat das Judenthum seine Ceremonien für allgemein menschliche, allen Menschen gebotenengegeben und damit fällt die Basis Ihrer ganzen Anschauung. Ihren Unterschied von nttfy niSD und ntyyn vb, daß nur erstere, nicht aber letztere symbolischer Natur wären, wird Niemand Ihnen so ohne weiteres glauben. Ist das Verbot gewisse Thiere zu genießen, nicht symbolischer Natur? Ein Verbot, das wir wiederum nicht bei den Juden allein, sondern bei den meisten Völkern des Alterthums finden, natürlich nach den verschiedenen Religionsanschauungen auf verschiedene Thiergattungen sich erstreckend. Ihr Entweder Oder, daß sie sagen: jede Ceremonie trägt in sich die Bestimmung entweder „dem Geiste religiöse Wahrheiten zu vergegenwärtigen oder in dem Herzen fromme Gesinnungen zu erwecken" wird auch schwerlich jemand begreifen. Sie wollen damit ihren Einthcilungsgrund der Ceremonien, in solche welche r6sp DOT nrate und solche, welche N1A2 biy rfeip vergegenwärtigen rechtfertigen. Allein diese Eintheilung ist kein Entweder Oder, sondern Grund und Folge. Aus DOT nd?D biy rV?Dp folgt notwendig n?i‘ö li^yp gerade wie dieVergegenwärtigung religiöser Wahrheiten nothwendig fromme Gesinnung erweckt. Wenn daher, wie Sie behaupten, N^'Q daS müD ^iy Nd^p darstellt, so ist es unbegreiflich, wie diese vor dem rot?, dem Repräsentanten des COT note nbpf habe geboten werden können. Ihr ganzes Gerede über Mendelssohn hätten Sie sich ersparen können. Wer heute noch mit Mendelssohn'schen Waffen kämpfen will, beweist, daß eine hundertjährige Bildung und Geistesarbeit für ihn nicht eristirt. Es war daher auch wenigstens übereilt, wenn Sie mir vorwerfen, ich sei Mendelssohn fast wörtlich gefolgt. Ich kann Sie auf Manneswort versichern, daß ich bei Ausarbeitung meiner Schrift an Niemanden weniger, denn an Mendelssohn gedacht. Mendelssohn glaubre bekanntlich in dem Un»

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