Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1846)
- Date
- 1846-01-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Literatur-Blatt 3um Israeliten des 19. Jahrhunderts. Enthaltend: Abhandlungen, Aufsätze, Recenfionen, literarische Aphorismen rc. rc. für die gesammte höhere Wissenschaft des Judenthums, und unter Mitwirkung von Geiger, Holdherm, Zunz, Jost, Richter, Herzfeld, Wechsler, Maier, Rebenstein, Stern, Dukes, Adler und vieler anderer Gelehrten redigirt und herausgegeben pon vr. M. Heß, Großherzogl. Weimarschem Land-Rabbinen in Eisenach. Nr. 3. Sonntag den 18. Januar 184«. i. Jahrgang. Sendschreiben an den Rabbinen vr. I. Aub. Hochgeehrter Herr! So eben kommt mir das Novemberheft der Frankelschen Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums, die erste Hälfte Ihrer Abhandlung „Ueber die Glaubenssymbole der mosaische» Religion enthaltend, zu Gesicht. In derselben suchen Sie, die in meiner Schrift „die Reform im Judenthum" enthaltenen Grundgedanken auf eine Weise zu widerlegen, daß ich mich verpflichtet fühle, im Interesse der heiligen Sache, der wir Alle dienen, die Bemerkungen, die mir beim Durchlesen Ihrer Abhandlung aufstießen, dem Publikum und Ihnen zu nochmaliger Prüfung vorzulegen. Ich stimme dem ganz bei, was Sie auf den ersten zwei Seiten über das Bedürfniß symbolischer Darstellung der religiösen Gedanken sagen. Sie hätten indeß dieses noch viel besser begründen können. Nicht blos darin, daß der Mensch ein sinnlich geistiges Wesen ist liegt die Nothwendigkeit für ihn, feine religiösen Gedanken auf eine geistig sinnliche Weise sich zur Anschauung zu -ringen, sondern auch darin, daß die Religion wesentlich ein gemeinschaftliches ist. Weil der Mensch feine religiösen Gedanken und Anschauungen nicht blos für sich behalten kann, sonders er das Bedürstnß hat, dieselben Gedanken und Anschauungen auch bei feiner Umgebung zu wecken, so muß er diese durch sinnbildliche Handlungen de» Andern auf eine eindrucksvolle Weise zu Gemüth zu führen suchen. Hätten Sie meine Schrift „ die Mesfiaslehre im Zudenthum S. 344 ff. gelesen, würden Sie ersehen haben, wie sehr ich darin mit Ihnen übereinstimme. Weniger begreife ich schon Ihre Worte; „Es verräch eine höchst irrige Auffassung der menschlichen Natur und j des Ceremonialgesetzes, in diesem — wie das schon geschehen und 1 noch geschiehst — etwas Nationales oder auch Politisches zu suchen und z» sehen." Denn wenn dieses auch bei dem heutigen ChristeMhum nicht der Fall ist, wenn das heutige Christenthun» bei seinen Ceremonien auch gar nichts Nationales oder Politisches vor Auge hat, so müssen nichts destoweniger die jüdischen Cermonien politisch oder doch wenigstens national sein. So wenig es ein nicht nationales Jsraelitenthum giebt, so wenig giebt es israelitische Ceremonien, die nicht national wären. Die Juden find und bleiben — so lange sie Juden sein wollen — eine religiöse Nationalität. Rur in politischer Hinsicht haben die Juden aufgehört eine Nation zu fein, nicht in religiöser. In letzterer Hinsicht bleiben sie eine Nation, so lange sie Juden bleiben wollen. Rach Ihrer Theorie, nach welcher die Symbole des Judenthums nicht national und politisch, sondern allgemein menschlich wären, müßte das Judeuthum seine Anforderung zur Beobachtung dieser Ceremonien nothwendig an all» Menschen stellen, gerade wie das Christenthum di» Forderung zur Beobachtung der seiuigen, z. B. der Taufe» an alle Menschen stellt. Findet dieses wirklich statt? Verlangt das Judenthmn daß alle Menschen sich beschneiden lassen oder nur daß die geborenen Israeliten und die zum Hausstand der- > selben gehörigen Sklaven sich dieser Ceremonie unterziehen? Ber- ' langt es die Beobachtung des n2& und der übrigen jüdische» Gebräuche von allen Mmschen? Wie konnten Sie den ächt jüdische» Unterschied von 1"2 WSö JO» mtb mso Jnn übersehen? Diesen Vordersatz, daß wohl das Bedürfniß nach Ceremonien und symbolischer Darstellung der religiösen Anschauung ei» allgemein menschliches ist, daß aber die speziell jüdischen Ceremonien, wie die jüdische Religiosität überhaupt speziell jüdisch nationaler Natur find, müssen Sie uns zugebea. Sie fürchten die Folgen, die sich an