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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-01-18 · Heft 3 (18.1.1846) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 3 (18.1.1846)
Date
1846-01-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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tet unter den Juden wäre, wie in Holland, und cs hat auch seine Richtigkeit, daß damit ein Zurückftehcn in moderner Bildung in nahem Zusammenhänge steht. Dennoch sind diese ungebildeten und orthodoxen Juden nicht allein gute Holländer, die an aufopfernder Vaterlandsliebe keiner Elasse ihrer Mitbürger uachstehen, sondern cs wird auch von allen Seiten bei jedem Anlaß anerkannt, daß sic es sind, und es fällt fernem Holländer ein, daß, damit die bürgerliche Gleichstellung ihre rechte Verwirklichung erhalte erst eine Umgestaltung der religiösen Ansichten erfolgt sein müßte. — Noch interessanter dürfte ein Hinblick auf England in dieser Hinsicht sein. Es muß hiebei im Allgemeinen von der unlaugbar richtigen Wahrnehmung ausgegangen werden, daß in England rer streng kirchliche Glaube, der nicht deutet und auswcicht, sondern am gegebenen Dogma mit Starrheit festhält, entschieden überwiegt. Gerade die große Zersplitterung der Secten ist dort keinesweges ein Werk des Verfalls res religiösen Lebens, sondern sic ist das Erzeugnis' des Ernstes, womit ein Jeder seine ganz bestimmte und positive Ueberzeugung, seine von ihm für allein richtig gehaltene Auslegung des biblischen Wortes, auch auf's schärfste äußerlich ausgeprägt wissen will. Bestimmtheit der Meinung und des Willens, ungehemmte, bis zum Wunderlichen eigenthümliche Entfaltung des Individuellen ist überhaupt der Grundzug des Englischen Charakters, und die in ihm zugleich vorherrschende Toleranz beruht nicht etwa auf Gleichgültigkeit und Unbestimmtheit, sondern auf der Hochachtung, die ihm die Entschiedenheit des persönlichen Wollens und Glaubens — dasjenige, was der Engländer vorzugsweise „einen Charakter" nennt—auch in Anderen einflößt. So war es möglich, daß, während seit dem Ende des vor gen Jahrhunderts, in dessen Lauf auch in England — wenigstens in einem großen Theile der gebildeteren Classen und in manchen Gebieten der Literatur — die Freigeistern geherrscht hatte, eine entschiedene Reaction im kirchlichen Sinne ringetreten ist. zugleich die religiöse Toleranz, mit den Ideen politischer Freiheit eng verknüpft. ihre Herrschaft weit ausdehnen konnte. Alles hier Gesagte findet nun auch seine Anwendung in vollem Maße auf die Juden. Diejenige gänzliche Lossagung von den Ritualgesetzen, die Herr Streckfuß als ein unerläßliches Kriterium der Bildung nicht allein, sondern des ächten Bürgertbums ansieht, findet sich bei den englischen Juden, auch bei den Gebildetsten, wenig oder gar nicht. Man würde aber sehr irren, wenn man glaubte, daß der gebildete englische Christ eine Zumuthung der Art an die Juden stellte, oder daß es die Letzteren irgend povulärer machen oder gar sie der Emancipation in den wenigen Punkten, in denen sic in England noch mangelt, irgend näher bringen würde, wenn sie von der Beobachtung jener Vorschriften abließen. Eine solche freiere Ansicht würde sich allerdings, wenn sie. recht bestimmt hervorträte, und sich in einer selbstständigen religiösen Gemeinschaft darstellte. allmälig bei der Englischen Toleranz auch Geltung und Achtung erringen; aber Sympathien würde sie auch dann noch weit schwerer, als die orthodoxe Meinung finden; und bis sie auf jenen Punkt gelangt ist, würde sie bei den Meisten Anstoß erregen, die es nicht begreifen können, daß man einem kirchlichen Verbände angehöre, ohne dessen Gebräuche zu üben. Alle jene Momente, die den deutschen Gelehrten so großes Aergerniß geben, wie die Speisegcsrtzeder Messiasglaube, werden dem gebildetsten Engländer über jede Einwendung erhaben erscheinen, so wie man ihn auf die Schriftftellen verweist, in denen sie ihre Begründung finden: ein Argument, das in den Augen von 99 Engländern unter 100 ein unwiderlegliches ist. L i t e r a ri sch e z ei g e. Vollständiger Jahrgang von Terzett- und Chorgesangen der Synagoge in München, herausgcgebon von dotn Synagogen-Chor-Comit^ daselbst; in dessen Auftrag rcdigirt von Maier Kohn. Die erste Lieferung, cutbaltend die Gesäuge kostet hier in München baar 2preuß. oder / 3.3(1^z. Tie zweite Lieferung, enthaltend die Gesäuge kostet 3. preuß. oder (1. 5. 1.5 oo*. Tie dritte Lieferung, enthaltend die Gesänge '2'v ^-5, ani£&, sc. kostet y 5. preuß. od. j*. 8. 45 a&m Dieses Werk bat bereits seine Verbreitung in die weitesten Kreise des In- und Auslandes gefunden. Es bietet nicht nur eine reiche Auswahl gediegener und erhebender Gesangstücke für alle Sabbath- und festtägigen Gottesdienste dar, sondern dient angehenden Cantoren auch zum Leitfaden, die Gebete in den üblichen Spnagogalmelodien und Gesangsweisen imJin) einfach und würdevoll vorzmragen, ein Vorzug, den dieses Werk bisher allein besitzt. Man bezieht dieses Werk durch alle soliden Buchhandlungen, aus der Joh. Palm'schen Hofbuchhandlung in München, oder wendet sich direct an Hrn. Vorsänger Maier Kohn in München. Auswärtige Besteller haben der vermittelnden Buchhand, hung ihre Provision und Spesen zu vergüten. Verlag der I. E. Hermann'scheu Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Frier. Krähe in Offenbach.

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