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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-01-18 · Heft 3 (18.1.1846) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 3 (18.1.1846)
Date
1846-01-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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wird, der Grundsatz nämlich, man dürfe', im Judcnlhum wobl Alles über Religion sagen und allenfalls auch lebren, aber — nichts thun, aber keine ausübcn. Es wird besonders auf Rabbiner und Lebrer an« gewendet und zwar manchmal selbst von solchen Gemeinden und Gemcindemitgliedcrn, die im Rufe der Bildung und Aufklärung sieben. Und wobl gab Les eine Zeit, wo dieser Grundsatz noch vcfpcfttrt jw erden mußte — figurirt er ja selbst noch in manchem der Dreslauer Gutachten über Geiger, als ein Gränzwächter rabbinischer Befugnisse! — wo Amt, Stellung und Rücksichten dem jüdischen Geistlichen die Zwangsjacke der Berlengnung seiner Ansichten und Ueberzeugung im Leben an" legte, wo die Klugheit gebot, die Kluft zwischen Lebre nnd That noch besteben zu lassen, damit kein Aergerniß genommen werde. Jetzt aber möchte man fast mit Lntbcr ausruscn/„Aergerniß bin, Aergerniß ber, ein gnt's Gewisser, das seiner Sache sicher ist, fitzelt nicht und fetzelt nicht, sondern sagt dürr nnd derb heraus, wie es an ihm selber ist." Mer, wie ich, Gclegenbcit barte, die spitzigen Fragen, die Witzeleien und Sticheleien zu bören, welche letzlbin erst, die in bffcntlicbcir Blättern auspesannte Nachricht, ein junger Rabbiner solle abgefttzr werden, weil er am Sabbath pr. Eisenbahn eine Strecke gereist sei, von Seiten selbst solcher Nichtjuden bervorgerufen bat, die es sonst gut mit uns und dem Fortschritt meinen, der wird mit mir die Ueberzeugung tbeilen, daß es an der Zeit sei, den ausgesprochenen Ansichten auch Folge zu geben und so von uns den Borwurf abzuwälzen, daß das Judentbum die Heuchelei begünstige, daß alle seine Bewegungen nnr Schein- und Spiegelfechterei sei, bei der es doch nicht von der Stelle rücke. So weit stimme ich also mit Ibrem Correspondenten ans Braunschwcig lJsraelit Nr. 48) überein und sage ebenfalls zn den Gemeinden: verlangt ihr, daß eure Rabbinen und Lebrer ans der Kanzel euch die Wabrbeit nia>r vorenibalten, daß sie euch da ein vernünftiges, dem Leben und der Bildung gerechtes Judenrbnm lehren, so mußt ibr ihnen auch gestatten, in ibrem Leben wabr zu sein und nicht wünschsn und fordern, daß sie da die Schleppe der Gewobnbeit tragen und was sie selbst lebrcn, bandelnd perhorrescircn. Ich sage so weit. Tenn was er dann noch weiter den redlich gesinnten Rabbinen anempfichlt, sie sollen den Ausbruch eines Schismas im Judenthume fördern, sie sollen die Blößen des Talmuds den Laien mehr anfdeckcn u. s. w. bat meine Zustimmung keineswegs. Ich babe darüber meine Meinug schon früberin diesen Blättern depomrt, und es ist mir bis jetzt noch kein entscheidendes Moment bekannt geworden, das mich hätte zu einer Aenderung meiner Meinung bekehren können. Ein Rabbiner, der den Ausbruch eines Schismas im Judentbume fördert, d. b. offen und geradezu dazu auffordcrt — ein anderes ist cs, gegen die schon ausgebrochene Spaltung gerecht nnd duldsam sein, sie, so lange dieselbe noch ans dem Boden des Zudenthums sich halten will und bält, nicht mit Gewalt und Bann hinausstoßcn, sondern dahin ausmuntern und unterstützen, daß sie den rechten Boden für ihre Organisation innerhalb des jüdischen Lebens finde — ein Rabbiner der solche Gesinnung zum Schisma an den Tag gibt, wird — ich kann das harte Wort nicht zurückdrangcn — selbst Schismatiker, und damit bat er wabrlich nichts zur Hebung und Bildung seiner Gemeinde getban, sondern sich derselben der Mebrzahl nach entfremdet. Gr gleicht dann dem Hirten in der Schrift, der den schlechten, magern Tbeil seiner Heerde ihrem Schicksale uberläßt. Und was die Blößen dcS Talmuds betrifft, so scheint mir wenigstens Kanzel und Lehrstunde nicht der geeignete Ort zum Aufdecken von Blößen, wenn die Decke nicht von selbst fällt, wie sie doch der ganzen Sachlage nach mehr und mehr fallen muß. Ueberbaupt aber kann ich, ad vocem Talmud mich, wenn auch als unberufener Zwischenredner, nicht enthalten, hier ein Wörtchen über Hrn. Dr. Holdbeims Antwort rc. und namentlich über dasjenige, was in Nr. ä8. des Israeliten — weiter babe ich denselben noch nicht — enthalten ist, cinzuschalten und ibin zn bedenken zu geben, ob sein Scharfsinn ihn nicht doch aus dem Geleise billiger Beurtheilnng bringe und zur harten Absprechung fortreiße, ja zu dialektischen Haarspaltungen nöthige (sit venia verbo.) Der Talmud hat, um bei den von ihm selbst angeführten Beispielen sieben zu blechen, in der Rechrslehre das jus talionis der Bibel nmgestaltet und eine mit der Vernunft mehr übereinstimmende Rechtetheorie aufgestellt, hat in der Glaubenslehre, die Unsterblichkeit, die in der Bibel wenigstens ihre klare Begründung nicht hat, dem Judenthum und man darf sagen, auch der ganzen civilisirten Welt — denn Christus und Mabomed haben sie aus dem Indenkbum adoptirt — angeeignet. War dieß kein

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