Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1846)
- Date
- 1846-01-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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14 ter hat Gotthold Salomons Predigten ins Englische übersetzt. | Die Färbung des Hrn. vr. Adler ist etwa die des Hrn. Stein j zu Frankfurt a. M., nur daß ihm der poetische Dilletantismus! und mit diesem ein Antrieb zu Aenderungen im Gottesdienste j abgeht; er hat seiner Gemeinde Reformen, doch sehr allmälige versprochen, und diese sieht denselben nun entgegen. Mehr kann ich Ihnen von jüdischen Dingen vor der Hand nicht melden. Ich benutze, da ich bei Tag viel zu sehen habe, die Nacht meistens zur Lectüre, und bin eben mit einem sehr interessanten Buch: the Bible in spain, fertig geworden. Dasselbe enthält merkwürdige Dinge über die Kryptc-Juden auf dcr pyrenäischen Halbinsel, die ich Ihnen nach meiner Zurückkunft für den Israeliten ausschreiben werde. Ist Ihnen d'Jsraclis Roman: „Coningsby", nicht zu Gesicht gekommen? Darin befindet sich ein Capitel, das von Juden handelt, und worin alle großen Männer, von Karl dem Großen bis auf Louis Philipp, en gros beschnitten, d. h., zu Juden gemacht werden. In einem neuen englischen Buche, genannt: Aufklärungen über Ost-Europa, finde ich als berühmte deutsche Juden genannt: Mendelsohn With bis grandson the composer, the two Jacobis, Professor Gans, Neander, Wehl*) and Meyerbeer Die Leipziger Juden uud der Oberrabbiuer Frankel. ' (Leipzig im Sec.) — Sie werden es kaum glauben, mein weither Herr Redakteur! wenn ich Ihnen sage, daß die Adressen welche die polnisch-rabbinische Partei dem Oberrabbiner Frankel in so reichem Maße zuströmcn ließ, auf die hiesigen Israeliten keinerlei Wirkung ausüben, ja sie nicht einmal haben bewegen können, den Oberrabbiner Frankel als ihren Rabbiner anzuerkennen. Sie müssen nämlich wissen, daß nicht allein das Prädikat eines Ober, rabbinen bei uns zu Lande ganz inhaltlos ist und nur dem wirklichen Rabbinen zum Unterschiede von dem bloßen Chasan, oder Schächter, den der Christ auch Rabbiner nennt, beigelegt wird, sondern Herr Frankel ist sogar nur Rabbiner der Dresdener Gemeinde, wir Leipziger haben ihn nie als solchen anerkannt**), ihm *) Ludwig Wihl (?). **) Auch die sogenannte Berliner-Leipziger Synagoge ist keine Gemeinde-Anstalt, sondern wird nur durch die Pacht der Stände zur Meßzeit erhalten. Die gebildeten hiesigen Israeliten besuchen nicht einmal dieselbe, sondernden deutsch-israelitischen Tempel, wo nach dem Hamburger Tempel-Ritus zur Meßzeit Gottesdienst gehalten wird. Corrcsp. | wenigstens bis . heute noch keinen Heller Besoldung gegeben, obj gleich er solche zu öfter» Malen von 21ns begehrt, wir auch nicht! hindern können, daß das Cultus-Ministerium sich seines Gutachtens j in Angelegenheiten des Cultus und Schulwesens bedient. Halten Sie uns darum für keine Jndifferentisten.: Wir fühlen wohl, wie nothwendig ein geistlicher Führer einer Gemeinde thut, und was Männer, die den wissenschaftlichen Standpunkt des Hrn. Frankel wohl zu beurtheilen wissen, ihm nachsagen, daß er noch ganz und gar in der talmudisch - scholastischen Anschauung befangen sei, daß er zu dem Grundgedanken des religiösen Fortschrittes, zu der energischen, durchgreifenden Unterscheidung der Idee des Judenthums von ihrer Erscheinung, von ihrem Eintritt in die Wirklichkeit, wo zeitliche, örtliche, nationelle und andere Elemente sich beimischen müssen, sich gar nicht erheben können; daß er trotz mancher freifinnigen Phrasen über den zu beklagenden Abschluß des Talmuds u. A., es doch nicht wage, in irgend einer praktischen Frage über denselben hinauszugehen, und, wo cs einmal 'ved'Kleinigkeiten einen wichen Anschein gewinnt, gleich sich dagegen verwahre und aus dem Talmud selbst die Gründe dafür h.erbeizuschaffen suche; daß kaum ein einziger neuer Gedanke in den sämmtlichen Heften der Frankelschen Zeitschrift anzutteffen sei, und daß selbst die dort bis zumUeberdruffe hervortretende Idee des Volksbewußtseins schon in den ersten Heften der Geiger'schen Zeitschrift (dort freilich in dem rechten Maße), geäußert worden sei; ich sage, dieses Alles würde uns Leipziger Juden nicht gegen Hrn. Frankel einnehmcn; denn wir find einfache Geschäftsleute und verstehen Nichts von jenen theologischen Kämpfen. Aber der einfache, gesunde, entschiedene Sinn des Sachsen-Volkes lebt auch in seinen jüdischen Glaubensgenossen, und dieser sagt uns. daß dem Judenthum mit der Halbheit, Unklarheit und Phrasenhaftigkeit der Frankelschen Richtung nicht geholfen sei. sondern, wenn eS lebendig in seinen jetzigen Vekennern werden, veredelnd, heiligend, beseligend auf ihr ganzes Denken, Fühlen und Leben wirken solle, es auch von Grund aus sich erneuern und mit voller Entschiedenheit alles Todte, Krankhafte, Abgelebte, aus sich scheiden müsse. — Daher haben wir auch in dem Austritt Frankels aus der Rabbiner-Versammlung nur eine Schwäche, ein mangelndes Vertrauen zu seiner eignen Ueberzeugung, die, wäre sie eine gegründete, sich auch mit Gründen des Geistes hätte Platz machen müssen, haben sehen können; sowie es uns Leipzigern auch gar nicht gefallen wollte, daß Hr. Frankel seine Paar Reden in der Rabbiner - Versammlung, wie der wörtliche Abdruck derselben im Orient zeigt, mitgebracht, resp. vorher ausgeschrieben hat. Ich sollte meinen, wo wirklich das Gemüth von einem Gedanken erfüllt, durchdrungen ist, da bedürfte es nicht erst der Vorbereitung, sondern da käme, auch