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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-01-11 · Heft 2 (11.1.1846) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 2 (11.1.1846)
Date
1846-01-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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19 auch Berücksichtigung verdient. — Aber diese aus der stinkendsten Cloake geschöpften Gemeinheiten, die galligen, giftigen Znvectiven, was würde wohl der christliche Leser zu denselben sagen? und ist dies nicht ein wahrer D»n Wahrlich, 'n rrna *6, in diesen windigen, schnöden, auf Ehrenraub losgehenden Beschuldigungen, ist der Geist Gottes nicht, 'npjrQKb, in diesen stürmischen, mit Gift getränkten Ausfällen ist der Geist Gottes nicht, 'n »ja b6, in diesem zelotischen, wüthigen Feuereifer ist der Geist Gottes nicht. Verzeihen Sie mir geehrter Herr! diese Abschweifung, und genehmigen Sie die Versicherung meiner aufrichtigen Sympathie mit Ihrem gutgemeinten Wirken. 8. Ch. G. Geschichte des Tages. Jüdische Zustände. London. *) Es sollen jetzt 15000 Juden hier leben, was aber schwerlich genau ist, da keine staatliche Controle geführt wird. Bis vor einiger Zeit lebten sie alle in der City und sammelten ihre Reichthümer durch Geldgeschäfte und Handel mit alten Kleidern. Der Letztere wird hier in der großartigsten Weise getrieben, und in dem Quartier »ay-kair, d. h., Lappen-Messe, halten V unsere Glaubensgenossen eine förmliche Börse, wo Tarife festgestellt und Versendungen nach allen Weltgegenden veranstaltet werden. Zn der Straße Aldgale bewundert man einen mit jonischen Säulen und Pilastern reich geschmückten Palast, den ein jüdischer Schneider, Moses, erbauen läßt. Nicht minder ausgedehnt ist der Handel mit alten Schuhen, dessen Schauplatz die Monmuth- Straße ist. Der geschäftige Trödel ist amüsant, doch wird lange nicht so viel gefellscht und accordirt wie bei uns; jedes Geschäft ist nach einem oder zwei Geboten kurz und bündig, dem englischen Volkscharakter gemäß, abgemacht. Dieses Wesen erhält sich allen Fortschritten der Eivilisation zum Trotz, in einigen Qnartiren mit der ganzen Zähigkeit englischer Mißbräuche. Indessen findet mannur in Deutschland jene steifen und abgeschmackten Judenfeinde, die den Trödel als eine Abscheulichkeit verschreien; die Engländer gestehen zu, daß derselbe für die^nttlern und untern Klassen ein wahrer Segen ist. Uebrigens findet man Juden in jedem Handwerk, unter Schreinern und Zimmerleuten wie unter Schustern und Schneidern, nur nicht im Ackerbau und im Tag¬ *) Aus dem Schreiben eines deutschen Gelehrten. lohn. Die gelehrten Berufszweige waren ihnen bisher verschlossen, da bekanntlich der Besuch der Lander-Universitäten weder den Dissenters noch den Juden gestattet ist. Doch gab es schon früher unter den Letzteren viele attorneys, d. h. Procuratoren und Agenten; seit der Stiftung der neuen Londoner Universität aber läßt sich hoffen, daß unsre englischen Glaubensgenossen sich bald auch in den Humanioren und in den eracten Wissenschaften auszeichnen werden, während bis jetzt keiner von ihnen sich zu einem geachteten Namen in der britischen Literatur aufgeschwungen hat. Die Londoner University ist hauptsächlich von Dissenters und Juden gestiftet worden, und Zsaac Lyon Goldsmith (der erste jüdische Baronet) ist Schatzmeister derselben. Was die Emancipationsfrage betrifft, so ist dieselbe weit besser rangirt als bei uns. Die Reformers, die Feinde aristokrattscher und kirchlicher Privilegien, sind für, die strengeren Anhänger des Adels und der Geistlichkeit gegen uns, ohne daß jedoch die Feindseligkeit der Letzteren einen persönlichen Charakter hätte. Hier ist man der Furcht überhoben, der widrigen Larve des Judenhasses bei liberalen Renommisten wie bei abgemessenen Aristokraten zu begegnen. In Deutschland ist es anders-; nicht nur in Heinrich Leos Darstellung der isländischen Borzeit findet man Risches, sondern auch in den Liedern von Dingelstädt, der in dieser Beziehung so recht ins Gaffenjungenhorn bläftt. Bei fielen vornehmen Engländern ist sogar die Hinneigung zu Juden und Judenthum eine Liebhaberei, eine theologische Grille, der ich übrigens keinen großen Werth beimesse. So erklärte Diron, jetziger Präsident der Wesleyanischen oder methovistischen Conferenz, jeder Jude habe einen erlauchteren Stammbaum als die edelste Familie. Es ist die Humanität des Klosterbruders in Lessings Nathan, der nicht vergessen kann, daß Christus und die Apostel Juden waren. Englische Staatsökonomen sehen nicht gern, daß vieles Landeigenthum in den Händen der Juden steckt, nach Bulwers Behauptung drei Viertel des Landbesitzes. Ein anderes Buch, betitelt : Lichter und Schatten des Londoner Lebens, behauptet, die Juden hätten zwar viele Grundstücke szum Pfand, kauften aber keins, weil sie jeden Augenblick den Messias erwarten. Uebrigens rühmt er an ihnen dieselben Tugenden, die man uns in Deutschland zugesteht, Sparsamkeit, Mäßigkeit, eheliche Treue und Wohlthätigkeit; es eristiren über dreißig wohlthätige Anstalten. Ich selbst habe, da in London Alles in großen Lettern an den Hausthüren angeschrieben steht. in der Nähe der Synagogen mehrere solche Institute bemerkt: für Unterstützung alter Kauffeute, für Ausstattung armer Mädchen, u. a.; die Letztere gibt Mitgiften von 50 — 90 Pfund. Einige stehen, wie die Inschrift besagt, unter der Patronage des Herrn Nathan Marcus

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