Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1846)
- Date
- 1846-01-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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11 daher Ihre Gehässigkeit, gegen alles Polnische datiren sollte, so dürfen Sie Such nicht vergessen, daß der Anbahner der jetzigen Reform, der unsterbliche Mendelsohn, einen Polen, Rabbi Israel, Verfasser des h*r\w niu, zum Lehrer hatte —!r^p mn nan *6 wo rwo rvnan wro Sie, geehrter Herr, vermeinen auch in einem Ihrer geistreichen Briefe den Polen eine, wie Sie sich auszudrücken belieben, unverdiente Ehre zu erzeigen, indem Sie denselben Hrn. Rappoport zum Repräsentanten geben. Ich, und diene ich hierin vielen Gleichgesinnten zum Organe, proteftire dagegen auf das Entschiedenste. Nicht als wenn ich etwas gegen seine allerdings ausgezeichnete Gelehrsamkeit einzuwenden hätte, nur will es mich bedünken, daß Gelehrsamkeit allein, wenn sie nicht von einem offenes geradsinnigen entschiedenen Charakter getragen wirdnoch nicht den ganzen Mann bilde. Ja, ich scheue «sich nicht, öffentlich dem moralischen Ausspruche eines-Talmudisten: mna i6i '0' b? naw rww 2010 nriK nytff yan, meinen vollen Beifall zu zollen, und einen yan heiße ich den, der aus Eigennutz, aus weltlichem Vortheil und gegen seine innigste Ueberzeugung, seine Handlungen, Nrtheile und Aussprüche fremden Ginge, ungen accomodirt. Wäre der polnische Gesammtcharakter wirklich so geartet, oder besser anSgeartet, dann hätte ich selbst in Ihren bitteren Tadel eingestimmt, aber Gottlob, daß dem nicht so ist. Ich habe Sie, geehrter Herr, vielleicht mit meinen unerquicklichen Erpectorationen ermüdet, Sie werden mir's aber zu Gute halten, 2no '2 mn nzt »mm »djüi »n»ff. Gehen wir nunmehr zu einem andern, theilweise das ganze Judenthum betreffenden und daher weit wichtigeren Bedenken über. Der in Ihren Brikfcn vorherrschende glanzende Humor überschreitet meiner unmaßgeblichen Ansicht nach, die Gränzen der Mäßigkeit und der mit Recht geforderten Pietät gegen unter den Juden aller Länder annoch allgemein heiliggehaltene Ceremonien und Gebräuche, auf deren wirklichen Werth oder UnwertK kommt's daher weniger an. — Was wollen Sie damit bezwecken? Etwa die Förderung der guten Sache? M't Nichten! Verzeihen Sie mir meine offenherzige Sprache, solche Profanation des noch als heilig geltenden, mag es auch auf Vorurtheil oder Unverstand basiren, nicht allein, daß sie am Wenigsten geeignet wäre, die daran Haftenden abwendig zu machen, berührt sie auch den Ihnen von vorn herein Beistimmenden höchst unangenehm, und dies daher, weil ein solches Verfahren der Toleranz schnurstracks zuwiderläuft. Sie schütteten mit Recht Ihre beitzende Lauge auf die ftörrigen, unduldsamen Häupter der Arrtireformparthei; Sie geißeln mit Recht das intolerante Treiben der Franks. Franklisten und lassen sich am Ende selbst eben den von Ihnen scharfgerügten Fehler zu Schulden kommen. Welcher Widerspruch! Eine dumme, lächerliche, meinetwegen auch schädliche Ceremonie, wenn sie aus frommer Einfalt, wie dies bei den Juden zumeist geschieht, geübt wird, verdient wohl eine aufhellende Beleuchtung, eine zersetzende, deren Absurdität an den Tag legende Kritik, einen Nachweis ihrer Entstehung und Einführung ins Leben, und deren jetzige Unstarlkaftigkeit, wie dies theilweise in der Geiger'schen Zeitschrift mit Glück versucht worden, wodurch wohl die Beseitigung derselben zu erhoffen stunde; nicht aber ein so schonungsloses Verfahren, das den Betheiligten in der Seele kränken, ihn auf die Ausübung derselben um so erpichter machen, und den Beffergesinnten für die zu gewärtigenden Folgen furchten lassen. — Was aber wirklich einer derben Züchtigung werth, das ist das schäm- und ehrlose, schändliche und verwerflicheTreiben des orientalischen Fürsten zu Leipzig; diese Berserkerwuth, die sich durchgehends gegen /6\e Rabbinerversammlung in seinem Blatte Luft macht, diese bis zum Eckel wiederholten Anfeindungen und Anschwärzungen der ehrenwerthen Mitglieder derselben, tragen sie nicht an ihrer Stirne das Stigma des Neides, der Klatsch- und Berkleinerungssucht, mahnen sie nicht an die bekannte Fabel vom Fuchs mit den Trauben? So wenigstens deute ich mir, und deuten sich alle Leser, die zwischen den Zeilen zu lesen verstehen, diese sonst unerklärlichen, wüthigen Ausfälle. Es soll hiemir von meiner Seite weder der Ehre des Hrn. Fürst ein Mackel angeheftet, wozu ich persönlich keine Ursache habe, noch den Beschlüssen dieser ehrenwerthen Versammlung in Allem unbedingt beigestimmt werden, vielmehr kann ich mich mit Manchem derselben, namentlich mit dem hinsichtlich der hebräischen Sprache, aus triftigen, zum Theil auch ^dort vorgebrachten und unzureichend widerlegten Gründen, nicht einstimmig erklären, obgleich nicht zu leugnen, daß die den Beschlußfassenden zu Grunde gelegene, aber nicht zur Genüge hervorgehobene Ansicht, daß nämlich dadurch die Bestimmung des Iudenthums zur Weltreligion eher in Erfüllung gehen dürfte,