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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-01-09 · Heft 2 (9.1.1848) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 2 (9.1.1848)
Date
1848-01-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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t© schlichen Vorschriften des Sabbaths zu übertreten verpflichtet. Ich fordere alle jüdischen und christlichen Schriftgelehrten hiermit auf, mir mit bündigen Beweisen öffentlich entgegen;u treten, wenn ich in Liesen vorhergehenden Zeilen Etwas gesagt oder behauptet habe, was nicht streng wahr wäre. Es ist ferner eine, durch die Geschichte der Medizin vielfach erwiesene Thaljache, daß sich zuweilen im Verlaufe der Zeit, ganz neue, nie vorher dagcwcsene,! epidemische oder einzelne Krankheiten, oder auch bösj artigere Formen früherer bereits bekannter Krankheiten entwickeln. — Tie astatische Cbolera giebt den Zcitgenojsen hiervon ein höchst schreckliches und betrübendes Beispiel. — Als eine feit den letzten Jahrhunderten, wie cs scheint, erst neu anfgetretcne Krankheit, müssen wir die Bluterkrankheit betrachten, indem die so musterhaft beobachtenden altern griechischen i-lerste dieselbe nie beobachtet zn haben scheinen, und ein arabischer Arzt des vierzehnten Jahrhunderts zuerst derselben erwähnt. Tas Wesentliche dieser den Aerstcn, — wie so unendlich vi.i Anderes — büchst rathsclhaften, wie es scheint, weder durch Lebensweise, noch durch klimatische- oder Witterungs-Einflüsse erzeugten, stets angeborenen Krankheit besteht darin, daß die alleruubedcutcudste blutige Verletzung, irgend eines, selbst nur oberflächlichen Theiles des menschlichen Körpers, eure durch kein Mittel zn stillende tödtlickre Verblutung bcrbeiftchrt. Wenn man auch die Wahrheit der Berichte, daß Menschen in einem früher» oder später» Lebensalter durch einen Nadelstich zn Tode bluteten, in Zweifel rieben möchte, so stnd doch die Fälle, wobei das Ausziehen eines Zahnes, oder der Stich eines Blutegels den Tod durch Verblutung unmittelbar berbeifübrken, indern die zuverlässigste Hülfe der Kunst, das in Strömen oder tropfenweise ans solchen unbedeutenden Wunden hervortretende Blut nicht zu stillen vermochte, viel häufiger als Viele glauben möchten, beobachtet worden. Der Anlage vieler Menschen zu häufigen und gehen in der Sorgfalt, durch Erfüllung der mosaisch talmurischen Gebote das Leben nicht auf das Entfernteste zu gefährden so weit, vast sie es, namentlich hinsichtlich des VersöhnungStages, für durchaus unzulässig hakten zu fasten, wenn auch nur zwei von hundert und zweien legitimen Acrzten es dem Kranken für lebensgefährlich, alle übrigen hundert aber demselben für ganz unschädlich erklären. erschöpfenden freiwilligen, oder durch geringfügige äußere Veranlassungen entstandenen Blutungen, die man irrthümlich und zum größten Nachtbeile derselben, stets zu großer Vollblütigkeit zuschrcibt, liegt wahrscheinlich eine ähnliche, wenn gleich in viel geringerem Grade ausgebildetc, krankhafte Beschaffenheit deS Blutes und der Blutgefäße, wie bei den eigentlichen Blutern zu Grunde. Worauf es hier aber besonders ankommt, ist daß cs kein Merkmal giebt, woran man zn erkennen vermöchte, daß ein Mensch an der Bluterkrankheit leide: erst wenn er, nach einer unbedeutenden blutigen Verletzung, unwiderbringlich dem Tode verfallen ist, erkennt nran das schreckliche Nebel. Zunächst der Bluterkrankheit, zu welcher sich noch keine genaue statistische Angabe machen läßt, verdient eine, zwar im geringer» Grade absolut und unmittelbar tödtliche, aber dafür desto häufigere Krankheit hier ernstliche Betrachtung, die gleichfalls oft, nach unbedeutender blutiger Verletzung, aller Kunsthülfe ungeachtet, zum Tode führt, nämlich die Venenentzündung. Tie Erfahrungen der Ebirurgie, besonders der neuern, haben gezeigt, daß die Menschen zu gewissen, außerdem nicht durch besondere Merkmale wahrnehmbaren Zeiten, wahrscheinlich als Folge gewisser, jedoch unbekannter, Beschaffenheiten der Atmosphäre, so überaus verletzbar werden, daß die geringste chirurgische Operation, wie B. das Ausschneiden einer kleinen oberflächlichen Warze, eine Entzündung der Blutadern, Eiter und Bluten, und dadurch den Ted veranlaßt. Wenn diese Erfahrung häufig an erwachsenen und robusten Menschen gemacht worden ist, so ist gewiß diese Gefahr, bei dem ohnedies vielmehr verletzbaren Neugeborenen, um desto größer. Als dritte durch die Beschncidung leicht zur rödtlichcn Krankheit erweckbaren Anlage, ist die Rose der Neugcborncn zu betrachten. Wahrscheinlich von gleichen Ursachen, besonders von ähnlichen atmosphärischen Einflüssen abhängig, wie daS den Frauen so höchst lebensgefährliche Wochenfieber, entsteht diese Rose oft ohne andere cknge angcbbare Ursache und geht in der Regel in Brand und Tod über. Daß bei bestehender Anlage dazu, jede Verletzung der Hantoberfläche, um so leichter je jünger der Mensch ist, eine roscnartige Entzündung und ihre Folgen veranlassen könne, ist wohl gleichfalls unleugbar.

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