Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1848)
- Date
- 1848-01-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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selbst. Nrbst dem gibt er sowohl den Schülern der Nekigionöschule der Gemeinde, als den Volksschöler und Pnvatinstitutcn den Religions-Unterricht. Am wirksamsten sind jedoch seine Bemühungen für den religiösen Fortschritt der Erwachsenen. Alles in Worms ist begeistert sür Hrn. Adler, AllcS liebt ihn, wie man einen treuen, wohlgesinnten Freund liebt. Die ankämpfeuden Predigten des B. gegen A. verhallen darum spurlos, obgleich die gegenseitige Polemik in der Synagoge nach meinem Dafürhalten nicht sonderlich die Erbauung fördern dürfte. ES ist der biedere Charakter, die von Selbstsucht und Eigennutz ganz freie Handlungwcisc des Hrn. A., welche seinem Worte den unausbleiblichen Erfolg, die unwiderstehliche Gewalt sichert und ihn siegreich gegen seinen Gegner stehen läßt, wenn auch nicht zu verkennen ist, daß £7. B. ein mächtiges Hindcrn.ß zu wcitcindringmden Reformen ist, so daß trotz den eifrigsten Bemühungen A'S und der freisinnigen Gcmeindeglieder nichts Erhebliches rcalisirt werden kann. Die alte Garde, obwohl schwach au Zahl und persönlich mit Hrn. A. befreundet. stirbt, aber ergibt sich nicht, und da Hr. A. vor Allem die Einheit der Gemeinde und den Gemeindefrieden in harmonischem Einklang erhalten wissen will, so Übersicht er lieber die bei weitem überlegene Kraft, die ihm durch die ihm anhängende Majorität der Gemcindeglieder und der geistigen Potenz derselben zu Gebote stünde. Doch ist schon Einiges geschehen. Ich erinnere an die Einführung des deutschen Gottesdienstes am Sabbath-Nachmittag. Die Ausschaffung des furchtbar großen Almemmor aus dem Gctteshause, die Einfühlung der Subscllien stall der Synagogcnstände, die Nicderreißung der dicken, mit Güter vers.hcne Wand, welche die Frauenvon der Männersynagoge trennte, die Trennung des Schachrit von dem Mussaph-Gottesdienste am Sabbathe, die Einführung des Chors, den ein Vorsänger (Grün) tüchtig zu handhaben weiß. Außerdem scheint A's. Beziehung zu den Gelehrten und Gebildeten Worms, wie auf die verschiedenen sich hier bcsiurlichen Ncligionsparicien so auch wohlthätig auf die freundliche Annäherung der jüd. unb chrisil. Glaubcnöpartcicn influirtzn haben. Juden besuchen nicht selten den deutsch - katholischen Gottesdienst uns vica versa. Auch bemerke ich noch, daß A. ein fleißiger 'Mitarbeiter anvr. Noaks „Zeitschrift für speculativePhilosophie" ist und besonders über die Kaballah eine lescnswerthe Abhandlung derselben einverleibt hat. Im übrigen hat Worms 2 jüdische Acrzte, (2 andere aus Worms haben sich auswärts habilitirt,) und einen jüdischen Pharmaceuten. Der größte Th eil der übrigen Gemcindeglieder gehören dem Kaufmannsstande an. Das ist dag wichtigste über Worms. Ehe ich mich jedoch von hier verabschiede, muß ich an das V/a Stunde entlegenen Dorfes Abenheim erinnern, in welchem voriges Jahr der Wormser Orthodoxen -Congreß gegen Hm. Adler abgehalten wurde. Mich wundert, daß die neuern Geographien dies Ereigniß noch nicht beachtet haben. Der Bruder des Hrn. A. Adler in Worms, Hr. S. Adler in Alzei ist durch seinen ConservatismuS hinlänglich bekannt. Allein dieser ist, wenn man Hrn. Adler näher kennt, nicht so schlimmer Natur, namentlich in Bezug auf praktische Reform, da er das einmal von ihm Ausgesprochene mit Energie in die Praxis zu bringen sich bemüht. So ist von ihm schon lange der Chor eingcführt, die Doppclfeicr der Festtage, das L'TN am Z.Pefachtage, sür vergangen erklärt worden. Eine neue Synagogenordnung, die von demselben abgcfaßt und nun der höhern Behörde zur Genehmigung vorlicgt, stellt weit Mchres in Aussicht, auch wird dieselbe die Einführung res dreijährigen Eyklus bewirken. Dabei ist nicht zu vergessen, daß der Nabbiiiats - Distrikt Alzei lange völlig ungepflegt, ja 'verwahrlost war, dadurch auf einer Seite unwissende Orthororcn, auf der andern kalte Jndiffcrc llrstcn entstanden, die beide jetzt dem wahren Zudenlhuine näher gebracht wurden, da erstcre allmählig einer erleuchteten Auffassung res Zudenthmus Ohr und Herz leihen, letztere mehr Interesse am väterlichen Glauben nehmen, mehr Sinn für Religion bekommen. Diejenigen, die keinen Fingerbreit von den Grenzen dcö '/& weichen wollen, werden so immer kleiner, und ihr moralisches Gewicht täglich unbedeutender. Aber auch diese wenige versagen Hrn. S. Adler ihr Zutrauen und Liebe nicht und wird derselbe von de:: Stadt - wie von reu Landgemeinden geschätzt und geliebt. Seine Predigten sind sehr gediegen und gehaltvoll und in der Regel cxtemporirt. Die Synagoge befindet sich in sehr schlechtem, für Alzei höchst nngenügendem Zustande, es ist jeroch ein Neubau in Projekt. Der Chor in derselben wird greßtcnthciks durch Commis und Erwach, sene in Ausführung gebracht. WaS das Verhältniß betrifft, in welchem die Israeliten Alzei's mit ihren christlichen Brüdern stehen, ^so kann dasselbe ein höchst befriedigendes genannt werden. Die Juden haben sogar mit den Christen einen geineiuschaftlichen Begrab- »ißplatz und die 2 in Alzei wohnenden Aerzte erfreuen sich gleichfalls einer starken Thcilnahme Seitens der Christen. Die Avmonition lei Eides wird auf Betrieb des Hrn. A. in der Behausung res Letzteren vorgenommcn. 2n Bingen zeigte sich der Vorstand der Gemeinde, Hr. Schatz, wie man aus der Vegräbmßordmmg. gedruckt bei Gunst in B. 1635 ersieht, sür die Reform schon im Jahr 1835 sehr thätiz. Außer einer Synagogcnordinmg, die zum Zwecke hatte, den Forderungen des äußern Anstandes zu genügen, angemessen der Helligkeit deS Ortes und der Zeit, hatte er auch eine TrauungS- .dnung emgesührt und eS dahin gebracht, daß sie, eine der wich.