Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1847)
- Date
- 1847-01-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7 tiefe Wahl wieder angestrittcn. Somit find die Blätter dieser! tragikomischen Historie noch nicht geschlossen und hoffe ich, daß j die nächste Periode in ihr die Aufschrift erhalten wird. Vom er-! sten November 1846 bis anno dazumal oder von der Wahl deS I Herrn Wcinmann bis zur Anstellung eines Rabbiners durch die k. Regierung, denn hoffen wir daß diese das Volk demoralifircnden, den Rabbinerstand entwürdigenden Vorfälle unsrer Negierung wie den Gemeinden die Augen öffnen werden, daß in ersterer ein zweiter Wellington erstehen wird, der eine Reformbill rinbringen oder letztere rinsehen werden, daß es ihnen weit heilsamer ist, wenn sie durch eine geistliche Behörde, wie in Würtembcrg ihre Lehrer zugrwiesen bekommen, als sich bei allen Wechselfällen solchen skandalösen Austritten preisgegeben zu sehen! — Dem Berichter über die bayer'schen Zustande thut es wohl, sagen zu können und der Leser hört es gewiß mit Befriedigung. daß ein Stand in Mittelfranken, nämlich die israelitisch deutschen Lehrer, sowohl durch die Gesetze als in der öffentlichen Meinung gewisscrmassrn cmanzipirt sind. Sie bedürfen keines Matrikels zur Ansässigmachung, ihre Aussagen vor Gericht, wenn auf ihren Diensteid hingewiesen, haben eidliche Kraft, sie werden als im öffentlichen Interesse wirksam angesehen, über ihre Leistungen berichten die Stellen alljährlich an die k. Negierung und sie empfangen manchfache Zuflüsse aus Staatsmitteln. Nicht nur die Präparanden und ihre Lehrer erhalten Unterstützungen und Remunerationen, die Seminaristen Sn'pendien, sondern hauptsächlich die Lehrer empfangen alljährlich Eratisicationen. Von den neulich den Schülern eines jeden Kreises bewilligten 15,000 fl als Theucrungszulage erhalten ohne Frage die isr. Lehrer ihren treffenden Theil und nirgends wird bezüglich ihrer weder von den Untergerichten, noch von der k. Regierung irgend ein Unterschied statuirt. Vor mehreren Jahren hat sie ja sogar die allerhöchste Stelle zu Mitgliedern der Krcisversammlung per se ernannt. Da zeigt sichs denn recht, wie die leidigen Ausnahmsgesetze den Menschen von Menschen trennen, wie sie sich aber überall in Liebe vereinen, wenn die Naturgesetze nicht mehr den einen auf Kosten des andern bevorzugte, denn überall sind israelitische unv christliche Schullehrer verbrüdert, sie sind in Gesellschaften vereint, der israelitische Lehrer kann überall Mitglied des Gesangvereins fein, man dünkt sich nicht mehr besser, weil man nicht besser gestellt ist. Wollte sich a er ein Lehrer eeßhalb über feine Glaubensgenossen selbstgefällig erheben, ein Blick auf seine eigne Kinder würde ihn, wenn er auch der gedruckten Stellung seiner Brüder vergessen könnte, bcleh-en, daß auch er unter der Last derAusnahmsgesetze schmachtet, deren Schwindung noch in sehr weiter Fern gerückt ist. — Was in einer der letzten Nummern des „Israelit" ein Correspodent aus Würtembcrg über den dermalen wieder so überhanv nehmenden Unfug herumziehender Polen ic. berichtet, findet auch auf Bayern volle Anwendung und man ist versucht, es einer gewissen Eitelkeit zu zu schreiben, daß die großen Männer der Jetztzeit, solche Leute mit Empfehlungsschreiben versehen unv es ihnen dadurch möglich machen, alle Richtungen auszubeuten. So zog kürzlich ein Pole mit einem Weibsbild herum, die er für eine Enkelin ves nns rUNST überall vorstellte, versehen mir einer Legion Empfehlungen van Männern aller Farben. Ich erkannte ihn als einen, der schon vor vielen Jahren Bayer» ohne diese Empfehlungen und mit einer ganz andern HTTJ bereist hatte. Die Gelder, welche sie überall beziehen und um die sie die inländischen Armen und Anstalten berauben, wären noch das Geringste, wenn sie nur nicht überall hin der Verfinsterung und der Frömmelei Vorschub leisteten und besonders die Landgemeinden, die ja jetzt von Staatswegen so gerne „frumm" sind, mit dem Pesthauche der Verketzerung und der Jormgla'ubigkeit vergifteten. Wohl hat die, wie man jetzt weiß übertrieben unglückliche Lage der Polen den ziemlich verloren gegangnen Credit dieser Geldsammler in Deutschland wieder etwas geweckt, aber Alles hat seine Grenzen unv auch die Empfehlung polnischer, ungarischer und galizischer Juden vor unglücklichen deutschen Brüdern sollte sie haben' Ich berührte oben den wunden Fleck in unfern Gemeinden; es geht überall, besonders bei den Landgemeinden mit Riesenschritten rückwärts. Noch vor 10 Jahren wollte noch Alle» aufgeklärt, reformgeneigt, neumodisch sein. Warum? Der Staat wollte es, und wir sind so verknechtet, daß wir, wie jener Landjude dem Brigadier zu lieb Schoferblasen wollte, de» Behörden zu lieb uns rcformiren lassen wollten. Seitdem aber ein anderer Wind geht und die „Ncologie" spukt, seitdem wird überall zum Rückzug geblasen. Man fürchtet sich entweder dem Fortschritt zu huldigen oder man brüstet sich damit, daß die Regierung die neuen Sachen nicht, wohl aber habe» will, wir sollen beim Alten bleiben. Neulich erst rrpektorirte sich ein junger, sogenannter ediktmaßig geprüfter Rabbiner i» einer Predigt in diesem Sinne. Nachdem er über Rabbiner- und Theologen - Versammlungen re. weidlich geschimpft hatte, brachte er auch unfern König auf eine so lächerliche und kindische Weife aufs Tapet, die wieder zu geben mir die Ehrfurcht vor diesem gekrönten Haupte verbietet. Um so erfreulicher ist ein Borkommniß in der größern intelligenten Gemeinde Sulzbach in der Oberpfalz. Dort stellten mehre Gemeiadeglie-