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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-01-03 · Heft 1 (3.1.1847) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 1 (3.1.1847)
Date
1847-01-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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der an ihren Rabbiner Hr. Vr. Schleßinger, den Antrag, den zweiten Festtag nach dem Vorgänge in anderen Gemeinden, für abgeschafft zu erklären. Der Rabbiner erklärte: er sei für die Abschaffung, seine Stellung gestatte ihm aber nicht, sie ins Werk zu setzen. Ob die Stellung zum Staate oder zu dem andern Theil der Gemeinde hierunter gemeint sei, vermochten wir nicht zu erfahren. Ist das nicht eine seltne Erscheinung in unsrem Bayern? — Verschiedenes aus Berlin.' ' ' * (Berlin, im Dec.) — Es ist immer meine Ansicht gewesen, daß Juden und der Geist der Juden die ganze Weltgeschichte durchdringen. In Bezug auf t>ie Vergangenheit wird wohl diese Wahrheit dem scharfen Auge des pragmatischen istorikers nicht entgangen sein. Ich habe es mir aber auch angelegen sein lassen, diese meine theoretische Ansicht in Ansehung der flüssigen Tagesbegebenheiten bewahrheitet zu finden und ich habe sie auch hier bewahrheitet gefunden. Sämmtliche Vorkommenheiten der Zeit berühren entweder die Juden, oder werden von Juden berührt, sei es direkt oder indirekt. Und ist dies anders möglich! Die Juden, welche unter allen Völkern verbreitet sind, deren Heimath die ganze Erve ist, das Judenthum, aus welchem die beiden Weltrcligionen hervorgegangen, von welchen wiederum sämmtliche Erzeugnisse des Ge.stes tingirt werden — beide leben und wirken jetzt mehr, als zu irgend einer Zeit, selbst die mitgerechnet, wo der tbeokratische Staat noch eine That war. Es ist mir hier unmöglich, dies im Einzelnen und im Ganzen an allen Zeitbegebenheiten und in allen Ländern nachzuweisen, denn dazu wäre es erforderlich, daß man eine Geschichte der Zeitereignisse aller Länder schriebe; es mögen hier nur das Thun und Leiden der hiesigen Juden hervorgehoben werden und man wird die Thaten und Leidenschaften der Zeit überhaupt wieder erkennen. Wir beginnen mit dem Hauptleiden der hierlänvischen Juden (was freilich auch noch viele andere Glaubensgenossen des übrigen Deutschlands darniederhält) nämlich der Nichtemancipation, welche früh oder spät der Vergangenheit übergeben werden muß. Zum Lobe unserer christlichen Bürgerschaft sei es gesagt, daß sie dem größten Thcile nach, an diesem Leiden mit uns leidet. Denn die von ihr gewählten Stadtverordneten sind, ungeachtet der königlichen abschlägigen Antwort, die sie erst vor einem Jahre auf ihre Judenemancipations - Petition durch den bekannten Landtagsabschiev erhalten. jetzt doch schon wieder damit beschäftigt, ihren Depuiirtrn mit einer Petition ähnlicher Art für die im nächsten Monate Platz greifende Versammlung der Provinzialstände zu instruiren. Ob die Juden diesmal bei den Stadtverordneten um eine Verwendung für ihre Gleichstellung petitwniren werden, daran dürfte schon darum zu zweifeln sein, da ja dies angegebener Maaßen eine vergebliche Mühe wäre. Bekanntlich darf eine früher schon abgeschlagene Petition vom Provinziallanvtage nur alsdann wiederholt werden, wenn er einen neuen Grund für deren Gewährung anzugeben weiß, da sich nun aber für einen Akt der Gerechtigkeit und Wahrheit unendlich viele Gründe anführen lassen, so steht es sicherlich außer allem Zweifel, daß die Petition, von neuen Gründen begleitet, sich dem Throne nähern wird. Die Antwort des Königs pflegt zu sein: Das Judengesetz wird berathen. — Dle Einverleibung Krakaus in den östcrreich. Kaiserftaat betrifft sowohl die Juden des seiner Freiheit beraubten Staatsgebietes als die des ihrer Gerechtigkeit noch harrenden Nachbarstaates. Die diesseitigen Glaubensgenossen trieben einen bedeutenden Handel nach dem ehemaligen Frerstaate und wenn der Betrag des Gesammtverkehrs des preussi'schen Staats nach Krakau auf 9 Milionen Nthlr. veranschlagt wird, so daß aui Breslau 4, auf Berlin 3 und auf Stettin 2 Milionen kommen, so dürfte die Hälfte dieser Summe wieder leicht in jüdisches Conto eingetragen worden sein. Unter der von Breslau'aus an den König abgesaüdte Deputation wegen dep Prcusstch - Krakauer Handelsattgelegenheit befand sich auch ein Jude, ncm'ich Herr Thürenfort, sowie Herr Commerzienratb Joel Maier zur hiesigen in gleicher Ansicht an den Kön g abgeordnetei, Deputation zählte. Es herrscht jetzt unter den Juden hier (wie auch anderwärts) eine große Geldcalamität durch den niedrigen Stand der Eisenbahnaktien, jedoch kommen unter ihnen nach Verhältnis minder häufig Zablungeinstellungen vor als unter den übrigen confessionellen Börsenbesuchern. Sie sind unermüdlich ihre papiernen Liegenschaften wieder zum Werthe zu bringen. Sie protestier« gegen die zu oft wiederholten Zahlungseinforderungen der Directionen (welche, beiläufig bemerkt, meistens Juden als ihre Mitglieder zählen); sie petitioniren bei der Regierung um Sistirung der Dahnen; sie veranstalten Generalversammlungen, um ihre Zwecke darin durchzusetzen, was ihnen theils ge - und theils mißlingt. Bei kleinern Bahnlinien sind sie oft fast die alleingen Besitzer der Aktien, und da sie auch meistens Häuflers sind, so sind sie hier im vollständigsten Sinne des Wortes auch einmal Gesetzgeber. — Nachdem ich Ihnen Einiges über das Materielle der hiesigen Juden gegeben, will ich Ihnen jetzt einige Mittheilungen machen, die an den materiellen, wie an geistigen Interessen gleichen Theil haben. Dahin gehört, daß die'Neformgenossenschaft einen eisernen Fond gestiftet, um durch dessen Zinsen den Gehalt für den Prediger zu decken. Falls sich die, Genossenschaft auflösen sollte, so wird wie man erfährt, der ganze Fond, der sich bis jetzt auf 15,000 Rthlr. beläuft, dem Prediger vr. Holdheim übergeben werden. Ein langes Circulair setzt Form und Inhalt des neuen Instituts zur Genüge auseinander. Ferner werden, wie dies früher noch jeden Winter geschehen, auch diesmal von Seiten der Khila Suppen und Brov an die jüdischen Armen vertheilt.. Am Sabbath wird zu den Suppen auch noch eine Portion Fleisch hinzugefügt. Wenn man bedenkt, welches Einkommen die Gemeinde jährlich nur allein durch den Fond ihrer Stiftungen hat, so wäre es wohl auch nicht zu viel, wenn sie den Armen auch jeden Tag etwas Gemüse und Fleisch zukommen ließe. Suppe, -die leicht dem Wasser nahe kommen dürfte und etwas Brod. hat auch der Arrestant im Gefängniß. Die Gemeinde besitzt nämlich an Kapitalien 1,152,415 und an Zinsen 110,480 Tblr., abgerechnet die Jahresbeiträge der einzelneu Gemenideglieder, die sich ebenfalls auf etwa 40,000 Thaler belaufen. Es gibt hier einzelne Contribuenten, die allein jährlich 500 Thlr. zur Gemeindekasse beisteuern, während die Gesammtausgabe nur kaum den dritten Theil der Einnahme beträgt. Das Näwstemal geecnke ich Ihnen die mannigfachen Gesellschaften und Stiftungen unter den hiesigen Juden zu beschreiben. Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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